geb. am 27.3.1867 in Prag – gest. 17.12.1921 in Wien; Journalist, Kritiker, Redakteur, Schriftsteller

Über die frühen Lebensdaten ist wenig bekannt, außer dass F. in Prag geboren und später in Wien Germanistik und Geschichte studierte u. dort deutschnat. Couleurstudent war. Als Verfasser von Feuilletons und kurzen Erzählungen tritt Foges in versch. Zeitungen und Zs. der 1890er Jahre auf, so im Grazer Tagblatt 1894 mit Ein Tag; es folgen 1896 Beitr. in den Wiener Bildern, im Wiener Tagblatt sowie in der Berliner Fam.Zs. Für alle Welt. Im Neuen Wiener Journal (NWJ), dem er 1897 bis zu seinem Tod als Redakteur angehören wird und wo er jahrelang J.J. David zum Kollegen hatte, erschien am 24.4.1897 seine erste Erzählung (Mignon) im Feuilletonteil; ab 1899 kommentierte er u.a. auch Tagesneuigkeiten in Aphorismen sowie novellist. Neuersch. in der Rubrik Wiener Literatur. 1898 verheiratete F. sich mit Ida Freund. Im Feuilleton Moderne Erzähler bespr. F. den frühen Roman Im Schlaraffenland von H. Mann nebst anderen Büchern von F. Dahn, V. Chiavacci, R. Kipling u.a. Im Jahr 1905 trat F. aus der IKG aus, 1908 nimmt F. zur Beschlagnahmung des (national)polit. Tendenzromans Götzendämmerung von A. Müller-Guttenbrunn durch die ungar. Polizei Stellung, den er ausführlich kommentiert u. ihm zugl. jegliche literar. Qualität abspricht. 1911 kam sein Einakter Das Staatsgeheimnis in Teplitz/Teplice zur Auff. Der Weltkriegseuphorie entzog sich F., er veröff. 1914-16 kein einziges Feuilleton, das auf den Krieg Bezug nahm. 1917 widmete er sich wieder verstärkt der Literaturkritik, unverfänglichen Themen (wie z.B. Baltischen Frauen und Künstlerinnen), aber auch so versch. Autoren wie Tolstoi, K. H. Strobl u. seinem dreiteiligen Bismarck-Roman, dessen letzten Band (ersch. 1919) er ob seiner Zeithaltigkeit nicht nur als „düstere Weihe prophetischen Geistes“ sondern auch als Anklang an „die deutscheste aller deutschen Schöpfungen, an Goethes ‚Faust‘“ würdigte. Ferner besprach er Jugenderinnerungen B. Franklins, den er als „großen Demokraten“ preist sowie G. Meyrinks phantast. Roman Walpurgisnacht. Den Zusammenbruch des alten Österreich kommentierte F. zurückhaltend, z.B. in einem Feuilleton Die innerlich Zerbrochenen anlässl. des Freitodes eines ehem. Hofbeamten; die russ. Revolution u. den Bolschewismus hielt er Ende 1918 zum Scheitern bestimmt. In den Folgejahren nahm er wiederholt gegen den Bolschewismus Stellung, z.B. im Feuilleton Die neurasthenische Stadt (1920).

1919-20 widmete sich F. versch. Neuerscheinungen, z.B. Hofmannsthals Prosafassung („von hinreißender erzählerischer Pracht“) seiner mit R. Strauß bereits 1915 fertiggestellten, aber erst im Okt. 1919 uraufgef. Oper Die Frau ohne Schatten , J. Ferchs Lueger-Roman, E. Friedells Judastragödie, Epigramme u. Aphorismen aus dem Nachlass von Ebner-Eschenbach nebst A. Bettelheims Biographie über die Autorin, in der Lyrik u.a. Bänden von Kurt Frieberger wie den Sieveringen Sonetten, von Hans Nüchtern, dem späteren Radiodramaturgen sowie von Albert Drach, dessen Kinder der Träume „[überrascht] durch Beherrschung der Form [] (NWJ, 30.12.1919) und versch. Memoirenliteratur (G. Wiesenthal, J.S. Machar, Fürstin M.A Wasilltschikow). Ferner befasste er sich mit Themen, die mit dem Weltkrieg zusammenhingen (z.B. K. Helfferichs Buch über den Kriegsausbruch, mit Reflexionen von H. Lammasch über W. Wilsons Friedenspläne oder Aufzeichnungen von J. Andrassy über Ks. Franz Joseph u. Grf. Tisza ) sowie mit unmittelbaren Zeitdebatten (z.B. R. Goldscheids Natural-Sozialisierungspläne). 1920 nahm F. anlässl. der ersten Sitzung des Völkerbundes in Genf dezidiert gegen ihn Stellung, erfülle er seiner Ansicht nach nicht die Erwartungen in den angedachten Friedensbund und zeichnete auch ein drastisches Bild über die Verelendung des Mittelstandes im Leitartikel-Feuilleton Das neue Proletariat. 1921 befasste sich F. mehrmals mit anhaltenden Folgewirkungen des Krieges (Proletarisierungstendenz, Psychosen, Jugendverwahrlosung etc.) und empfahl dagegen als „Buch unserer Zeit“ eine Studie über Goethe als Erzieher. Seit dem Sommer 1921 erschienen im NWJ mehrere Folgen ‚politische und unpolitische Aphorismen‘, die letzten am 4.12.1921; diese wurden 1923 von F. Wallisch u. Ida Foges in einem nachgelassenen Bd. hgg. u mit einem Geleitwort von K-H. Strobl versehen.


Quellen und Dokumente

Beiträge von M. F.: Ein Tag. In: Grazer Tagblatt, 4.2.1894, S. 1-3, Mignon. In: Neues Wiener Journal, 24.4.1897, S. 1f., Aphorismen. In: Neues Wiener Journal, 21.5.1899, S. 5, Moderne Erzähler. In: Neues Wiener Journal, 24.12.1900, S. 1-3, Ein in Ungarn konfiszierter Roman [Rez. zu Adam Müller-Gutenbrunns Götzendämmerung]. In: Neues Wiener Journal, 1.3.1908, S. 4f., Hermann Bahrs neuester Roman „Himmelfahrt“. In: Neues Wiener Journal, 14.4.1916, S. 6, Karl Hans Strobls Bismarck-Roman. In: Neues Wiener Journal, 6.7.1917, S. 3, Benjamin Franklins Vorfahren und Eltern. In: Neues Wiener Journal, 17.10.1917, S. 12, Gustav Meyrinks dritter Roman. In: Neues Wiener Journal, 30.12.1917, S. 8, Die innerlich Zerbrochenen. In: Neues Wiener Journal, 10.12.1918, S. 6, Der Roman einer Knabenseele. Walter Angel: Jarolim der Abenteurer. In: Neues Wiener Journal, 18.7.1919, S. 3f., Die Frau ohne Schatten. Erzählung von Hugo von Hofmannsthal. In: Neues Wiener Journal, 15.10.1919, S. 7, Die Memoiren einer Tänzerin. Grete Wiesenthals Aufstieg. In: Neues Wiener Journal, 17.12.1919, S. 3f., Der Sozialisierungsplan Rudolf Goldscheids. Die Naturalvermögensabgabe. In: Neues Wiener Journal, 25.3.1919, S. 2. Ein Lueger-Roman. Johann Ferch: „Der Herr Bürgermeister“. In: Neues Wiener Journal, 9.1.1919, S. 3, Der falsche Völkerbund. In: Neues Wiener Journal, 9.11.1920, S. 1f., Die neurasthenische Stadt. In: Neues Wiener Journal, 28.1.1920, S. 4f., Das neue Proletariat. In: Neues Wiener Journal, 22.12.1920, S. 1f., Egon Friedell: „Die Judastragödie“. In: Neues Wiener Journal, 21.5.1921, S. 3, Das Buch unserer Zeit. In: Neues Wiener Journal, 19.8.1921, S. 3f.

Kurt Sonnenfeld: Wiener Publizisten von heute. M. F. In: Wiener Montags-Journal, 12.9.1921, S. 3, N.N.: M. F. gestorben. In: Neues Wiener Journal, 18.12.1921, S. 2f.

(PHK)