geb. am 16.4.1889 in Obersiebenbrunn (Niederösterreich) – gest. am 12.4.1949 in Montevideo; Feuilletonist, Schriftsteller, Theaterkritiker, Librettist, Exilant

Der aus einer jüdischen Familie, über die wenig bekannt ist, kommende H. zog bereits früh nach Wien, wo er ein Medizin- und Philosophiestudium aufnahm, das er aber zugunsten seinen literarisch-kritischen Interessen bald abbrach. Er fand früh Zugang zu namhaften publizist. Organen wie Pester Lloyd, in dem er 1914 ein E. Ady, Gallionsfigur der ungar. Moderne, gewidmetes Gedicht veröffentlichte, Neues Wiener Journal oder Der Morgen. 1916 firmiert er als Hg. der Halbmonatsschrift Österreich-Ungarns Zukunft. Bis 1918-19 machte sich H. über Kurzprosa u. Aphorismen einen Namen, u.a. im Prager Tagblatt und in der pazifist. Zs. Der Friede, bevor er 1919 zur Muskete kam, in der nun regelmäßig Humoresken, (Tages)Notizen und Sketches erschienen. Ab 1922 publiz. H. auch regelmäßig in den Zs. Das interessante Blatt, Kikeriki, später auch in Der Tag (später: Der Wiener Tag), darunter u.a. erste Szenen aus Komödien bzw. Lustspiele. Dieses Genre bereicherte er neben Anekdotensammlungen wie z.B. Der Franzl und andere Habsburger Anekdoten (1925), durch vielfache Variationen bis Ende der 1930er, wobei oft amerikanische Sujets und Projektionen eine Rolle spielen. 1926 verfasste er gem. mit Adolf Schütz das Stück Der große Bluff, das im Jänner 1927 im Programm der Sozialdemokratischen Kunststelle mit großer Resonanz an der Renaissancebühne durch Josef Jarno inszeniert, im Juli 1929 als Radio-Sendestück (Radio Wien) ausgestrahlt und 1933 unter dem Titel Alles nur Komödie auch verfilmt worden ist. Auch das 1931 ebf. mit Schütz verf. Stück Banditen im Frack war ein Bühnenerfolg, der auch in Berlin gastierte und im Radio übertragen wurde. Auf zwiespältigere Aufnahme traf der „Sommerschwank“ (Rosenfeld) Diktatur der Frauen (1932), der auch auf der Prager Kleinen Bühne sowie am Landestheater Linz aufgeführt wurde. Von den Stücken seit 1935 hat noch Das Ministerium ist beleidigt (1937, gem. mit Bruno Engler u.a.) einen bedeutenden Erfolg mit über 100 Aufführungen erzielen können. Nach dem Anschluss Österreichs konnte zwar bis in den April 1938 auch sein Erfolgsstück weiter gespielt werden, doch H. wurde rasch klar, dass er Wien verlassen musste. Vermutlich im November 1938 floh er nach Genua und schiffte sich nach Montevideo ein, wo er am 8.1.1939 eintraf. Dort fand er bei La Voz del Día (Rundfunkprogramm) Aufnahme und engagierte sich, u.a. ab 1941 als Dramaturg, in der Theater- und Kabarettszene. 1942 inszenierte er auch in Buenos Aires für die Freie Deutsche Bühne Operetten von E. Kálman wie z.B. Die Csárdásfürstin, wirkte auch am Argentinischen Tagblatt mit feuilletonistischen Texten und Aphorismen mit, verf. Beiträge für die Jüdische Rundschau und legte 1944 eine Sammlung von Songs und Chansons unter dem Titel Herz an der Rampe und 1948 das Montevideo-Buch Familienalbum einer Stadt vor. Im August 1946 wurde sein Stück Das Ministerium ist beleidigt wieder in Wien an der neueröffneten Renaissancebühne aufgeführt. Seit März 1945 wurde eine Herzerkrankung virulent, an der er im April 1949 verstarb.


Weitere Werke

Ein Küsslein in Ehren…und anderes Wienerisches (1925); Bubi (Operette, 1929); Trocadero (1930); Fremdenverkehr (1933); Lebensfreude (1935); Saison in Salzburg (1937); Der Vorhang fällt (1937); Pension Pocitos (1939)

Quellen und Dokumente

Theater der Toiletten. Szene aus einer Komödie. In: Neues Wiener Journal, 27.2.1922, S. 3, Der große Bluff. Das Publikum als dramatischer Mitarbeiter. In: Die Bühne (1927), 113, S. 15,

H. P.: Renaissancebühne. „Banditen im Frack“. Komödie von F. H. und Adolf Schütz. In: Wiener Zeitung, 19.4.1931, S. 6, Fritz Rosenfeld: Akademietheater [Rez. zu Diktatur der Frauen]. In: Arbeiter-Zeitung, 6.6.1933, S. 5.

Literatur

Hermann P. Gebhardt: Emigrationstheater in Uruguay. In: F. Pohle: Emigrationstheater in Südamerika abseits der ›Freien Deutschen Bühne‹ Hambg. 1989, 18; Reinhard Andress: Der österreichische Schriftsteller und Exiland Fred Heller: »Eine schwere Zeit trug er mit Heiterkeit«. In: F. Heller: Das Leben beginnt noch einmal. Schicksale der Emigration. Wien 2016, 182-211.

(PHK)