geb. am 18.2.1838 in Chirlitz bei Brünn – gest. am 19.2.1916 in Vaterstetten; Physiker, Philosoph

M. wurde 1838 als ältestes von drei Kindern des Gymnasiallehrers Johann M. geboren, der bis zum 15. Lebensjahr diese selbst unterrichtete. Durch die umfangreiche Bibliothek seines Vaters bekam M. früh Einblick in naturwissenschaftliche und philosophische Werke, wobei besonders Kants Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik prägend wirkte.

Ab 1855 studierte M. bei Andreas von Ettingshausen, Josef Stefan und Josef Petzval Mathematik und Physik an der Universität Wien. 1861 folgte die Habilitation, danach hielt er eine Reihe von Privatvorlesungen, unter anderem über Fechners Psychophysik und die Helmholtz’sche Lehre der Tonempfindung. 1864 wurde M. an die Universität Graz berufen, wo er zunächst in der Mathematik, und ab 1866 als Professor für Physik tätig war. Zu dieser Zeit lernte er Ludovica Marrusig kennen, die er 1876 heiratete und mit der er fünf Kinder haben sollte. Im selben Jahr ereilte ihn der Ruf an die Karl-Ferdinands-Universität in Prag, wo er bis 1894 eine Professur für Experimentalphysik und 1878/79 das Rektorat bekleidete.

1895 erhielt M. den eigens für ihn eingerichteten Lehrstuhl für »Philosophie, insbesondere Geschichte und Theorie der induktiven Wissenschaften« an der Universität Wien, den er bis zu seiner Pensionierung 1901 innehatte. Bis zu seinem Tod 1916 war er Mitglied des österreichischen Parlaments, wo er sich unter anderem für das allgemeine Wahlrecht einsetzte.

Zu seinen bedeutendsten wissenschaftlichen Leistungen zählt der experimentelle Nachweis der Dopplerschen Gesetze, sowie das Machsche Prinzip. In philosophischer Hinsicht beruhte sein Denken auf einer an den Naturwissenschaften orientierten empiristischen Grundhaltung, wobei epistemologische Fragestellungen zentrale Gravitationspunkte seiner Forschung darstellten. Seine Kritik an essentialistischen Theorien wurde unter anderem von Hermann Bahr rezipiert, dessen Kapiteltitel Das unrettbare Ich (aus seinem Dialog des Tragischen) zu einem wichtigen Schlagwort der Wiener Moderne werden sollte, während seine antimetaphysische Philosophie von Otto Weininger heftig und Hermann Broch z.B. in seinem Roman Die unbekannte Größe kritisiert wurde, obgleich er sich an anderen Stellen zu Mach bekannte. Die Erwähnung M.s in mehreren Aufsätzen, sowie das Vorhandensein seiner Werke in Brochs, aber auch Hofmannsthals Bibliothek legen eine intensive Auseinandersetzung nahe. Auch für Robert Musil war die Begegnung mit Mach, über den er 1908 promoviert hat, wichtig und für das spätere Werk prägend.


Werke (Auswahl)

Die Mechanik in ihrer Entwicklung (1883), Beiträge zur Analyse der Empfindungen (1886), Die Prinzipien der Wärmelehre (1896); Erkenntnis und Irrtum. Skizzen zur Psychologie der Forschung (1905; 32014), Kultur und Mechanik (1916)

Quellen und Dokumente

Nachlass: Deutsches Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik, Museumsinsel 1, 80538 München (43 Schachteln) [Verzeichnis online]

Literatur

Rudolf Haller, Friedrich Stadler (Hg.): Ernst Mach. Werk und Wirkung (1988); Heerning, Cornelia: Die Kultur des Kriminellen: Literarische Diskurse zwischen 1918 und 1933. Ernst Weiß. Mit einem Diskurs zu Rahel Sanzara (2009). Bernhard Hell: Ernst Machs Philosophie: Eine erkenntnistheoretische Studie über Wirklichkeit und Wert (1907). Karl Daniel Heller: Ernst Mach (1964).

Robert Musil: Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs und Studien zur Technik und Psychotechnik (Diss. 1908; 1980). Magdalena Orsz, Peter Plener: Sprache, Skespis und Ich um 1900. In: kakanien revisited (2002) [Online verfügbar]. Peter Sprengel: Berliner und Wiener Moderne (1998). Friedrich Vollhardt: Hermann Brochs geschichtliche Stellung: Studien zum philosophischen Frühwerk und zur Romantrilogie Die Schlafwandler (1914 – 1932) (1986). Catherine Wilson: Mach, Musil and Modernism. In: The Monist, 97, 138-155 (2014). Gotthard Wunberg: Jahrhundertwende: Studien zur Literatur der Moderne (2001).

Hentschel, Klaus: M., E. In: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 605-609 [Onlinefassung].

Eintrag bei austria-forum.orgwien.gv.atzeno.org.

(MA)