auch Robitsek, Robitschek, geb. am 22.1.1891 in Wien;  gest. unbekannt; Maler, Karikaturist, Verleger

Rob wurde am 22. Jänner 1891 als Sohn des Arztes Aladar Robitsek in Wien geboren, besuchte die Realschule und im Anschluss die Wiener Kunstgewerbeschule. 1909 ging er nach Paris, wo er an der Ecole des Beaux Arts studierte und nebenbei als Maler und Karikaturist arbeitete. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehrte er nach Wien zurück, arbeitete zunächst als Porträtfotograf und gestaltete parallel dazu in seinem Atelier Kriegspropaganda-Filmplakate für die Sascha-Film.

1916 gründete er den Rob-Verlag mit Sitz im 9. Wiener Bezirk (ab 1933 im 1. Bezirk), dessen geschäftlicher Schwerpunkt zunächst auf dem Vertrieb von Verpackungen, Werbeschriften, künstlerischen Plakaten, Ölgemälden und Aquarellen lag. Daneben begann Rob mit der Herausgabe und Illustration humoristischer Zeitschriften, die sich vorwiegend an Erfolgsformaten des deutschen Marktes orientierten: Den Beginn machte im Jahr der Verlagsgründung die Wochenschrift Der Faun, der den Lesern neben Witzen, Rätseln und Gedichten vor allem frivole Kurzgeschichten und erotische Abbildungen bot. Daneben erschien das Wiener kleine Witzblatt, das vom Verlag Josef Garleuthner übernommen worden war, sowie ab 1921 die als “Familienblatt” angekündigte Zeitschrift Wiener Mode und ab 1924 die bekannte humoristische Wochenschrift Die Muskete, die bereits seit 1905 erschien und im Rob-Verlag einen “deutlichen Niveauverlust” (W. Schmidt-Dengler) erlitt. Ab 1928 nahm Rob auch die Publikumszeitschrift Mocca in sein Verlagsrepertoire auf. Zusätzlich zu den Zeitschriften vertrieb er kleine Büchlein mit satirisch-humorvollem oder heiter-frivolem Inhalt,  z. B. Karikaturensammlungen oder Gedichte von Rilló, Ernst Somer, Alexander Mark Vallas u. a. Somit gelang es ihm, in relativ kurzer Zeit ein zwar kleines, für seichte Unterhaltung stehendes, publizistisch und ökonomisch jedoch sehr erfolgreiches Sparten-Imperium mit sechs Angestellten aufzubauen.

Da erotische Frauen- bzw. Aktfotografien (vorwiegend aus dem bekannten Wiener Atelier Manassé) und frivole Illustrationen (oftmals aus eigener Feder) in beinahe allen Publikationen des Verlages präsent waren, geriet Rob wegen Verletzung der Sittlichkeit immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Neben mehrfach verhängten Geldstrafen wurde er bereits 1920 “zu vierzehn Tagen strengen Arrests verurteilt” (Neues Wiener Tagblatt, 14.09.1920); 1937 hatte er eine einwöchige Haftstrafe zu verbüßen. Verschiedene Ausgaben seiner Magazine, so etwa des Faun, der Muskete und des Kleinen Wiener Witzblattes wurden – besonders ab Mitte der 1930er Jahre – mit der Begründung, sie transportierten “pornographische Inhalte”, wiederholt beschlagnahmt bzw. deren Verbreitung untersagt.

Robs jüdische Herkunft zwang ihn nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, gemeinsam mit seiner Frau Hermine nach Brasilien zu emigrieren; der Rob-Verlag wurde arisiert, an seine Stelle trat der Südostdeutsche Verlag, T. Keppler und Cie. Rob lebte ab November 1952  in São Paulo, über seinen weiteren Lebensgang ist nichts bekannt.


Quellen und Dokumente

Karikatur von Karl Rob. In: Neue Freie Presse, 24.12.1916, S. 16, Verurteilung Karl Rob. In: Neues Wiener Tagblatt, 14.9.1920, S. 8, Verkauf der „Muskete“ an den Rob-Verlag. In: Neues Wiener Tagblatt, 9.11.1924, S. 14,  Verbreitungsverbot des „Wiener kleines Witzblatt“. In: Wiener Zeitung, 6.10.1925, S. 9, Illustration von Karl Rob. In: Die Muskete, 22.6.1933, S. 7, Steyr Typ 530 nach Entwürfen von Karl Rob. In: Allgemeine Automobil-Zeitung, 1.8.1935, S. 32.

Eintrag bei albertina.at.

Literatur

Murray G. Hall, Die Verlags- und Redaktionsgeschichte. In: Ders., Franz Kadrnoska u.a. (Hg.), Die Muskete. Kultur- und Sozialgeschichte im Spiegel einer satirisch-humoristischen Zeitschrift 1905-1941, Wien 1983, S. 7-18; Anton Holzer, Rasende Reporter. Eine Kulturgeschichte des Fotojournalismus. Fotografie, Presse und Gesellschaft in Österreich 1890 bis 1945, Darmstadt, 2014, S. 476; Wendelin Schmidt-Dengler, Literatur in der „Muskete“. In: Murray G. Hall, Franz Kadrnoska u.a. (Hg.),  Die Muskete. Kultur- und Sozialgeschichte im Spiegel einer humoristischen Zeitschrift 1905 – 1941, Wien 1983, S. 35-50; Karl Robitsek. In: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18.-20. Jahrhundert, Bd. 2, hg. v. Österreichische Nationalbibliothek, München 2002, S. 1128.

(MK)