Mocca war eine von Juli 1928 bis August 1941 monatlich in Wien herausgegebene Publikumszeitschrift, die im Rob-Verlag des Malers und Karikaturisten Karl Rob (eigentlich Robitsek/Robitschek) erschien.

“Mit der Revue “Mocca, die den besten Monatsschriften Deutschlands ebenbürtig ist, dürfte eine Lücke in der heimischen Produktion dieser Art geschlossen worden sein”, war sich Rob in der ersten Ausgabe sicher. Obwohl als “Magazin für Alle (sic!)” angepriesen, zielte die zwischen 70 und 100 Seiten umfassende Mocca vor allem in den Anfangsjahren vorwiegend auf ein männliches, gebildetes und gut situiertes Zielpublikum ab, was sich sowohl in der Auswahl der Texte und des Bildmaterials als auch in den Werbeeinschaltungen widerspiegelte. Dazu gehörte – wie in beinahe allen Publikationen aus dem Hause Rob – auch der Abdruck erotischer Zeichnungen und Fotografien. Der Großteil dieser qualitativ hochwertigen Fotos stammte aus dem Wiener Atelier Manassé, das bekannt war für seine glamourös-erotisch inszenierten Frauenakte.

Über die gesamten Erscheinungsjahre Bestand hatten die dem Abenteuer-, Liebes- oder Krimi-Genre zuzurechnenden Kurzgeschichten und Novellen von nationalen und internationalen Autoren und Autorinnen wie Georg Fröschel, Gina Kaus, Karel Capek, Fritz Schick, Otto Soyka, Karl Schneller, Fritz Koselka, Mary Day Winn, Henry Melville, Friedrich Wallisch, Else Herzka Freistadt, Josef Weinheber oder Carl Julius Haidvogel. Ein fixes Element waren auch die mit zahlreichen Fotos ergänzten, stets ein wenig spöttisch-ironisch formulierten Reiseberichte aus aller Welt, die sich zu Beginn bevorzugt mit exotischen Destinationen in Afrika, Asien und Amerika auseinandersetzten, späterhin aber vor allem den Regionen Österreichs widmeten. Im Mittelpunkt stand dabei jedoch weniger die inhaltliche Information als vielmehr das spektakuläre Foto. Kurze Berichte über internationale Sportveranstaltungen waren ebenso charakteristisch für Mocca wie Karikaturen, Preisausschreiben und Witzseiten. 

Mit dem Beginn der 1930er Jahre erfuhr die Zeitschrift schrittweise eine inhaltliche Adaptierung insofern, als man von der anfänglichen starken Fokussierung auf ein männliches Lesepublikum abzurücken begann: Die schrittweise Hinwendung zur weiblichen Leserschaft zeigt sich – neben der entsprechenden Adaptierung der Werbeinserate – u.a. in der Tatsache, dass zwischen 1934 und 1939 unregelmäßig eine mehrseitige, mit zahlreichen Abbildungen versehene Modenbeilage für die Frau erschien, sowie vermehrt Kurzgeschichten abgedruckt wurden, die weibliche Identifikationsfiguren boten, sich dezidiert weiblichen Themen widmeten oder gar mit ansatzweise emanzipatorischem Gedankengut befassten. Darüber hinaus wurden nun regelmäßig Fotos von Kindern und/oder Tieren in liebenswert-unterhaltsamen Situationen und mit humorvollem Untertitel abgedruckt. Auch die Abbildungen nackter Frauenkörper wurden deutlich seltener bzw. durch Darstellungen lasziv wirkender Tänzerinnen in teils transparenter, teils sparsamer Bekleidung ersetzt;diese Akzentverschiebung dürfte auch auf mehrere Beschlagnahmungen im Jahr 1934 zurückzuführen sein.

 Zudem kamen, verspätet anknüpfend an das Konzept der „Neuen Frau“, vermehrt betont seriöse (z. T. bereits kolorierte) Portraits prominenter Frauen aus der internationalen Opern-, Theaterwelt, des österreichischen und deutschen Films und des Hollywood-Kinos zum Einsatz. 

Wurde in den ersten Jahren noch völlig auf konkrete Bezugnahmen zum aktuellen Zeitgeschehen verzichtet – so fanden etwa weder die nationalsozialistische Machtübernahme in Deutschland 1933 noch die Februarkämpfe im Österreich des Jahres 1934 Erwähnung – ,  änderte sich dies ebenfalls ab den frühen 1930ern: Fotografien mit knappen Kommentaren wiesen z. B. auf die Eröffnung der Glockner Hochalmstraße im Jahr 1935 hin; 1936 erschien ein mehrseitiger, ebenfalls bebildeter Augenzeugenbericht aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Während des Zweiten Weltkrieges enthielt Mocca zwar vereinzelt Fotografien aus dem Soldatenleben mit kurzem Kommentar, verzichtete allerdings auf Berichterstattungen von der Front und hielt sich bei den politischen Kommentaren eher zurück. Eine der wenigen Ausnahmen betraf etwa die “Heimkehr” Danzigs ins Deutsche Reich (12/1939).

Bis zur Arisierung im Juli 1938 erschien Mocca im Rob-Verlag, danach bis zur Einstellung des Blattes (die letzte Ausgabe erschien im August 1941) im Südostdeutschen Verlag mit dem Titelzusatz ‘aus Wien’.


Literatur

Anton Holzer, Rasende Reporter. Eine Kulturgeschichte des Fotojournalismus. Fotografie, Presse und Gesellschaft in Österreich 1890 bis 1945, Darmstadt: Primus, 2014, S. 476; Karl Robitsek. In: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18.-20. Jahrhundert, Bd. 2, hg. v. Österreichische Nationalbibliothek, München 2002, S. 1128; 

Quellen und Dokumente

1. Ausgabe von MoccaJuli 1928; Typisches Aktfoto aus dem Ateliér Manassé. In: Mocca, September 1928, S. 18; Eröffnung der Glocknerstraße. In: Mocca, November 1934, S. 11; Barcelona im Blutrausch des Bürgerkriegs. In: Mocca, Oktober 1936, S. 8; Modenbeilage. In: Mocca, März 1938, S. 32-35; Greta Garbo. In: Mocca, August 1930, S. 2; Marlene Dietrich. In: Mocca, Mai 1935, S. 37; Joan Crawford. In:Mocca, Juli 1937, S. 34; Katherine Hepburn. In: Mocca, Oktober 1939, S. 50; Weibliche Polizistinnen. In: Mocca, September 1936, S. 17; Reisebericht Japan. In: Mocca, September 1937, S. 10.

(MK)