Pseudonym: Hans Rudorff

geb. am 19.4.1878 in Wien – gest. am 24.4.1942 in Wien; Offizier, Schriftsteller.

Der Sohn des k.u.k. Feldmarschall-Leutnants Arnold Schneller und dessen Frau Johanna besuchte nach den Militärrealschulen in St. Pölten und Mährisch Weißkirchen/Hranice – auf Wunsch seines Vaters und entgegen den eigenen Neigungen, die der Dichtkunst galten – die Technische Militärakademie in Wien. Nach seiner Ausmusterung 1898 als Artillerieleutnant und dreijährigem Truppendienst absolvierte Schneller 1901-03 die Kriegsschule und wurde anschließend in den Generalstab übernommen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war er als Major im Generalstabskorps Chef des Pressedienstes im k. u. k. Armeeoberkommando tätig; seine in Kriegsberichten verwendete Phrase „Lemberg noch in unserem Besitz“,  eine verschlüsselte Ankündigung eines Gegenangriffs an der russischen Front, wurde später zum geflügelten Wort. Noch 1914 wurde er zum Leiter der italienischen Gruppe der Operationsabteilung des österreichisch-ungarischen Armeeoberkommandos, 1917 zum Generalstabschef des 14. k.u.k. Armeekorps („Edelweisskorps“) ernannt und widmete sich vorwiegend der Ausarbeitung von Verteidigungsplänen für die Südfront (Isonzo, Kärnten, Südtirol). Nach Kriegsende nahm er zunächst an den Waffenstillstandsgesprächen von Villa Giusti, dann als einziger Militärexperte an den Verhandlungen über den Vertrag von St. Germain teil, wo er mit seinen umfassenden autodidaktisch angeeigneten Sprachkenntnissen (Italienisch, Französisch, Englisch, aber auch Griechisch und Latein) wesentlich an der Arbeit der österreichischen Delegation mitwirkte.

Schneller, der sich persönlich für ein Milizheer und den Anschluss an Deutschland aussprach, war in der Ersten Republik in seiner Funktion als Sektionschef im Heeresministerium mit dem Aufbau eines Berufsheeres und ab 1924 als Leiter der Sektion I  im Bundesministerium für Heerwesen mit dem Grenzschutz beauftragt. Noch 1925 zum General befördert, wurde er aufgrund anhaltender Differenzen mit dem christlich-sozialen Bundesminister Carl Vaugoin im Feber 1926 in den Ruhestand versetzt. Im selben Jahr trat Schneller der Sozialdemokratischen Partei bei, ohne jedoch eine politische Funktion zu übernehmen oder sich, wie etwa sein langjähriger und enger Freund Theodor Körner, im Republikanischen Schutzbund zu engagieren. Geprägt von den einschneidenden Erfahrungen des Weltkriegs, die er – ebenso wie die Verhandlungen in St. Germain – in einem Tagebuch verarbeitet hatte, war er zum Pazifisten geworden und widmete sich nun vermehrt der Literatur. Zudem hielt er literarische Vorträge, gestaltete Lesungen und setzte sich offen gegen den Klerikalismus ein. Neben kleinen Lyriksammlungen, denen Kritiker Alfons Petzold „schlichte, volksliedhafte und doch kunstvolle Form“ (NFP, 10.12.1922) konstatierte, publizierte Schneller auch einzelne seiner (anspruchsloseren) Gedichte in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen, so z. B. in der Muskete und Mocca. Darüber hinaus verfasste er mit ThermidorOktober und Ahasver Dramen, die sich mit historischen Stoffen sowie mit Glaubensfragen auseinandersetzten. 1933 trat Schneller der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller bei.

Nach Ausbruch der Februarkämpfe 1934 wurde Schneller, dessen Kontaktdaten in Theodor Körners Adressbuch notiert waren, verhaftet und mehrere Monate im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Schneller, der den „Anschluss“ 1938 begrüßte, starb im April 1942 bei einem Verkehrsunfall.


Werke (Auswahl)

Gefangenschaft. Ein Buch Sonette, hg. v. Karl Stadler (Veröffentlichung des Ludwig Bolzmann Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung), Wien, München, Zürich 1978; Neue Gedichte (1922); Gesichte und Gestalten (1925); Im ewigen Strom, Wien (1936); Augenblicke, nicht verweht. Gedichte (1980)

Literatur 

Peter Broucek, Karl Schneller. In: Neue Deutsche Biographie, Bd. 23, Berlin 2007, S. 319-320 [Online verfügbar]; Gaby Bischof-Németh, General Karl Schneller. Offizier aus Pflichtgefühl. Dichter aus Leidenschaft, Wien 2012; E. Wohlgemuth, Karl Schneller. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Bd. 10, Wien 1994, S. 398-399 [Online verfügbar]; Eintrag bei Theodor-Kramer-Gesellschaft  

Quellen und Dokumente

Hans Rudorff, Schicksal. In: WZ, 7.3.1903, S. 27; Verleihung des Eisernen Kreuzes an österreichisch-ungarische Offiziere, darunter Karl Schneller. In: NFP, 12.11.1914, S. 18; Die Mitglieder der deutschösterreichischen Friedensabordnung. In: NFP, 10.5.1919, S. 5; Franz Karl Ginskey, Literarische Besprechungen: Karl Schnellers „Gedichte“. In: NFP, 16.7.1920, S. 8; Alfons Petzold, Begegnung mit einem Lyriker. In: NFP, 10.12.1922, S. 25; Der deutsche Schriftstellerverband. In: NFP, 28.2.1930, S. 21; Dank vom Hause Österreich. In: AZ, 22.4.1934, S. 4; Karl Schneller enthaftet. In: AZ, 29.9.1934, S. 5; Karl Schneller, Wie es wirklich war. Als Alt-Österreich zusammenbrach. In: AZ, 28.8. 1932, S. 3f; Karl Schneller, Die Narrenkappe. In: Die Muskete, 1.12.1922, S. 6; Karl Schneller, Karneval. In: Mocca, Feber 1935, S. 35.

(MK)