geb. am 11.9.1870 in Krakau – gest. am 15.10.1935 in Wien; Journalist, Politiker

S., Sohn einer Eisenbahnerfamilie, engagierte sich bereits als Gymnasiast in Wien für soziale Fragen und lernte dabei den sozialdemokrat. Parteivorsitzenden Viktor Adler kennen, der ihn für die Lokalredaktion der Arbeiter-Zeitungverpflichtete. Nach der Matura studierte S. Rechtswissenschaften in Wien und Zürich (ohne Abschluss). 1905 wurde S. von Adler mit der Leitung der Zs. Freigeist (ab 1911 Vorwärts) in Reichenberg betraut, wo er Teil der sog. Reichenberger Linke wurde und nationalistische Tendenzen in Böhmen bekämpfte. Mit seinem Manifest der österreichischen Radikalen geriet er in Konflikt mit Otto Bauer, erhielt aber auch Unterstützung durch Karl Kautsky, Rosa Luxemburg und Lenin. 1912 veröffentlichte er die Studie Der Arbeiter und die Nation, die in der österreichischen Sozialdemokratie eine breite Diskussion auslöste. 1913 nach Wien zurückgekehrt, publizierte er für die AZ, die satirische Zs. Glühlichter sowie die Zs. Der Kampf und engagierte sich für die Bildungsarbeit. Enttäuscht über das Verhalten der SDAP im August 1914 distanzierte sich S. zusehends von der Sozialdemokratie und schloss sich 1916 dem Verein Karl Marx um Friedrich Adler an. Dort traf er auf Franz Koritschoner und geriet mit der Zimmerwalder Linken in Kontakt. Bis 1917 für die AZ tätig, trat S. 1919 der KPDÖ bei und wurde noch im selben Jahr in den Parteivorstand gewählt. Zugleich fungierte er als führender Redakteur des Parteiorgans Die Rote FahneLeo Lania, selbst Redakteur der Roten Fahne, bezeichnete S. später in seiner Autobiographie inmitten des 1918/19 von den revolutionären Strömungen erfassten Café Central als den „einzigen professionellen Revolutionär in einer Gruppe von Amateuren“.

Durch Kritik am ultralinken Kurs der Parteiführung weitgehend isoliert, legte S. 1921 die Funktion des Chefredakteurs nieder und wurde 1922 aus der Parteiführung entfernt, arbeitete aber ab 1923 an der Zs. Die Internationale und, unterbrochen von einem Moskauaufenthalt, später auch wieder für die Rote Fahne. In brieflichem Kontakt mit Trotzki stehend, verlor er in seinen letzten Lebensjahren jedoch endgültig die Bindung zur Partei.


Quellen und Dokumente

Die Musterpartei der internationalen Sozialdemokratie. In: Die Kommunistische Internationale (1925), H. 2 [online einsehbar], Vom Austromarxismus. Was er war und was er ist. In: Die Rote Fahne, 26.4.1927, S. 2, Das Ende des Austromarxismus. In: Unser Wort (Prag), Juni 1933 [online einsehbar]

Literatur

Leo Lania: Today We Are Brothers. The Biography of A Generation. Boston: Riverside Press Cambridge 1942, S. 141, Herbert Steiner: Die Kommunistische Partei Österreichs von 1918-1933. Bibliographische Bemerkungen (1968), Isa Strasser: J. S. – Ein Lebensbild. In: J. S.: Der Arbeiter und die Nation, 101-107 (1982).

Th. Venus: S., J. In: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 363f. [Onlinefassung]

(ME)