geb. am 12.7.1882 in Wien – ermordet im Sept./Okt. 1942 in Auschwitz; Tanzpädagogin

Die Tochter von Julius Hirschler (Komorn/Komárom 1858 – Wien 1937), der als Violinist, Komponist und Musikpädagoge am Konservatorium der ›Gesellschaft der Musikfreunde‹ in Wien seine Ausbildung absolviert hatte, und seiner Frau Amelie begann vermutlich 1920 sich systematisch mit dem Tanz und seiner Vermittlung zu befassen. Ein erster Auftritt als Leiterin einer Gruppe von Mädchen, die Turn- und Tanzübungen im Delacroz-Stil in der Urania zur Vorführung brachten, ist durch eine Notiz in der Ztg. Der Tag vom 16.12.1920 belegt. Weitere erschließen sich durch eine Replik auf einen AZ-Bericht vom März 1925: „Der Verein für rhythmische Gymnastik, Wien X. weist darauf hin, daß seine Gründung im Sommer 1921 erfolgt ist. Während wir anfangs die Baracken des Vereines Freie Schule-Kinderfreunde benutzen durften, ist es uns seit Jänner dieses Jahres [1925] durch die Munifizenz der Gemeinde Wien ermöglicht“. 1926 würdigte der Kunst- und Musikkritiker P. Pisk die Arbeit von Suschitzky trotz Skepsis hinsichtl. der eklektischen Methode im Zuge einer Vorführung im Arbeiterheim Favoriten und berichtete davon, dass der Verein bereits über 100 Mitglieder aufweise. Ab 1927 sind Auftritte ihrer Gruppe auch in der Steiermark, in Baden sowie bei verschiedenen Veranstaltungen, z.B. im Juli 1928 auf der ›Ausstellung Frau und Kind‹ im Messepalast nachgewiesen oder im Februar 1929 im Zuge eines Nachmittags der Ullstein-Zeitschrift ›Blatt der Hausfrau‹, 1930 wiederum im Arbeiterheim Favoriten.

Die Tanz- und Körperausbildung bzw. -ästhetik baute auf Lehren von Bess M. Mensendieck (1864-1957), dem Delsartismus (Schauspielpädagoge F. Delsarte) sowie der Rhythmischen Gymnastik von Émile Jaques-Dalcroze (1865-1950, der das Bildungs- und Tanzinstitut Hellerau bei Dresden, ab 1925 in Laxenburg führte) auf, die Olga explizit vertrat. Sie suchte damit klassische und proletarische Körperkultur-Konzepte sowie die aufblühende Wiener Tanzmoderne (etwa in Kooperationen mit G. Bodenwieser oder E. Tordis) zusammenzuführen und band auch sehr früh, d.h. ab 1922, ihre hochbegabten Töchter Karla und Ruth in die Vorführungen ein. Beim Internat. Jugendfest der Kinderfreunde im Juli 1931 in Wien wirkte die „Genossin“ O. Suschitzky gemeinsam mit anderen künstler. Einrichtungen des Roten Wien (Sprechchor, Arbeitersänger u.a.m.) am Rahmenprogramm dieses Festes mit, wie die AZ berichtete. 1932, am Höhepunkt der Wirtschaftskrise, beteiligte sich Suschitzky sowohl am Festwochenprogramm mit ihrer Kindertanzgruppe als auch bei karitativen Veranstaltungen (z.B. zugunsten der Arbeitslosen in Steyr und ihrer Kinder am 30.10.1932 im Apollokino). Begleitend zum Internat. Tanzkongress Ende Mai 1934 in Wien trat Suschitzky mit ihrer Kindertanzgruppe in der Urania auf, ebenso an dem von der Regierung Dollfuß Anfang Juli organisierten Kinderfestzug.

In den Jahren des Austrofaschismus verringerten sich allerdings die Möglichkeiten, öffentlich tätig zu bleiben und die kulturell wie auch sozialpolitisch emanzipatorischen Konzepte weiterzuentwickeln. Ihr letztes Auftreten (wie manche zuvor in verschiedenen Rahmenprogrammen) ist im Zuge des Faschingsfestes der Kunstgewerbeschule Ende Februar 1938 nachgewiesen.


Quellen und Dokumente

Verein rhythmische Gymnastik. In: AZ, 29.3.1925, S. 15; pp[isk]: Rhytmische Gymnastik bei Proletariern. In: AZ, 3.12.1926, S. 8; Tanzabend Februar 1929 (Foto), in: Der Tag, 9.2.1929, S. 12; Gymnastik-Tanz, Arbeiterheim Favoriten (Foto). In: Der Tag, 25.2.1930, S. 12; Die Internationale vor der Wiener Jugend. In: AZ, 29.7.1931, S. 9; Festwochenprogramm. In: Das kleine Blatt, 5.6.1932, S. 13; M. Neuhäuser: Rhythmnisch-gymnastische Bewegungskunst. In: Die Unzufriedene, 17.12.1932, S. 7; Das Faschingsfest der Kunstgewerbeschule. In: Neues Wr. Tagblatt, 23.2. 1938, S. 32.

Literatur

G. Oberzaucher-Schüller: „Beim Südtiroler Platz“: Das Wirken der Suschitzky-Frauen (2017); online verfügbar unter: http://www.tanz.at/index.php/wiener-tanzgeschichten/1692-beim-suedtirolerplatz-das-wirken-der-suschitzky-frauen-i-2

(PHK)