eigentlich Ellinor Wachsmuth, geb. 1895 in Dresden – gest. 3.4. 1973 in Wien; Tänzerin, Tanzpädagogin.

Tordis stammte aus einer Familie mit Affinitäten zur bildenden Kunst bzw. zu Tanz und Choreographie, erhielt eine reformpädagogische Ausbildung in Wickersdorf (Thüringen) und studierte anschließend in München bei Alexander Sacharoff und Magda Bauer. Um 1920 wurde sie Mitglied des Ellen Petz-Kainer-Balletts, mit dem sie im Jänner 1921 im Deutschen Volkstheater ihr Wien-Debüt gab. Bereits 1922 trat sie in der Secession mit einem eigenen Tanzabend in Erscheinung, dem in rascher Folge weitere in Wien, Budapest und Deutschland folgten, darunter im Großen Konzerthaussaal. Ihr Stil wurde als betont formenstreng, an der klassischen Musik orientiert wahrgenommen, so M. Ermers in einer Tordis mit anderen bereits arriviertenTänzerinnen wie z.B. Sent M’Ahesa vergleichenden Charakteristik im Tag.  Auch im Rahmen des Musik- und Theaterfestes der Stadt Wien im Okt. 1924 trat sie mit einem eigenen Programm in Erscheinung.  In diesen Jahren wirkte sie zudem an Produktionen von C. Bauroff mit, z.B. an der Tanzdichtung Das Licht ruft (Theater in der Josefstadt), baute ihre eigene Tanzschule auf und näherte sich als gymnast. Erzieherin der Kinderfreunde der Sozialdemokratie an. Ihr spezifischer Stil führte bereits 1925 dazu, dass erste Feuilletons (z.B. im Tag) über ihn erschienen. Es folgten weitere, z.B. die programmat. ausgerichteten Überlegungen in der Zs. Die Bühne Die Verkörperung der Melodie. 1926 gestaltete bzw. tanzte sie einen vielbeachteten J.S. Bach-Abend, und am 1. Mai 1926 gestaltete sie den künstlerischen Teil der Maifeiern des Kunststelle im Großen Konzerthaussaal mit (gemeinsam mit ihrer Schülerin, der späteren Schauspielerin Vilma Degischer-Thimig) mit. Ihre Kurse wurden in den Folgejahren regelmäßig in den sozialdemokr. Volksheimen Ottakring und Stöbergasse angeboten, ab 1928 war sie auch bei den Republikfeiern (bis 1933) immer wieder vertreten. Im Dez. 1927 schlossen sich mehrere Tanzschulen (Geert, Kornauer, Tordis) und Tänzerinnen (Marga Bach, Vilma Degischer, Maru Kosjera u.a.) unter der Leitung von E. Tordis zur sog. Wiener Tanztruppe zusammen und blieben gleichzeitig als unabhängige Einrichtungen bestehen. Im Zuge der Republikfeierlichkeiten 1928 wirkte Tordis an einer Revolutionsfeier und einem Requiem für Viktor Adler in der Renaissancebühne mit. In der Zs. Kunst und Volk veröffentlichte sie 1929 schließlich einen programmatischen Beitrag unter dem Titel Bewegungschöre. 1930 zeigte sich u.a. auch E. Fischer tief beeindruckt von einem ihrer Tanzabende, den sie gem. mit ihrer Schülerin V. Degischer im Zeichen der Musik von Händel und Mozart gestaltete. Im Juli dess. Jahres nahm sie ferner, neben der Tanzschule Hellerau-Laxenburg und jener von Gertrud Krauss, am Internat. Tanzkongress in München teil. Nach längerer Pause aufgrund einer Verletzung trat sie Ende 1931 wieder auf, und nun auch mit modernen Tänzen zur Musik von Ravel und Skrjabin, sodass ihr die NFP das Prädikat als Tänzerin „kat‘ exochen“ zusprach. 1933-34 ging ihre öffentl. Präsenz, nicht zuletzt wegen der angespannten wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen, sichtbar zurück; Tordis bot nun vorwiegend Tanz- und Gymnastikkurse an und entwickelte 1934 Tänze nach (klassischen) Gemäldevorlagen, die im Zuge eines Tanzabends in der Urania am 9. 3. 1934 zur Vorführung kamen. Für den Internat. Tanzkongress im Mai 1934, der auch in Wien stattfand, wurde sie in die Jury delegiert, wie G. Wiesenthal in einem Beitrag für das NWJ berichtete (NWJ, 8.5.1934,5). Für die von J. Gregor kuratierte Internat. Theaterausstellung im Aug.-Sept. 1936 wirkte Tordis (gem. mit M. Kosjera) an Barockballett- Aufführungen mit (NWJ, 16.9.1936, 11); im Juli 1937 tanzte sie mit ihrer Gruppe in Paris anlässl. der Weltausstellung Mozart-Ballette. Ihren letzten öffentlichen Auftritt in der Ersten Republik hatte sie am 8.1.1938 im Rahmenprogramm des Balls des Frauen-Notdienstes. Nach dem Anschluss zog sie sich zwar anfangs aus der Öffentlichkeit zurück, trat aber dann doch noch 1939-42 für verschiedene NS-Veranstaltungen wieder tänzerisch in Erscheinung, z.B. 1940 im Zuge einer Matinee in der Komödie. Nach 1945 gelang es ihr, als Lehrende an die Konzepte und Erfahrungen vor 1934 anzuknüpfen, wie der Beitrag im Neuen Österreich Tanz als Ausdruck der Zeit deutlich macht; sie wurde bereits im Juni an die Akademie für Musik und darstellende Kunst berufen.

Quellen und Dokumente:

Hanna Berger: Moderne Tanzkunst; online verfügbar: Wiener Revue, H.2, August 1945, S. 20; G. Oberzaucher-Schüller: Das erlebte Körpergepäck des Simon Wachsmuth. Online verfügbar unter tanz.at, 12.11.2016; M. Ermers: Die Kunst des Tanzes. In: Der Tag, 28.2.1923, S. 7; Tanzabend mit C. Bauroff. In: AZ, 15.10.1924, S. 9; A. Sandt: Wege zu neuem Idealismus. Schulvorführungen der E. Tordis. In; Der Tag, 4.4.1925, S. 4; H.P.: E. Tordis. In: Die Bühne, H. 11/1925, S. 23; E. Tordis-Bachabend. In: Der Tag, 7.12.1926, S. 4; N.N.: Künstlerische Republikfeiern. In: AZ, 15.11.1928, S.11; E. Tordis: Bewegungschöre. In: Kunst und Volk 1929, S. 177-179; e.f.[ischer]: Körper. Fahne. Musik. Tanzabend E. Tordis. In. AZ, 7.2.1930, S. 7; Tanzabend Dez. 1931. In: Der Wiener Tag, 6.12.1931, S. 21; Gemälde. In: Die Bühne, H. 7/1934, S. 11; E. Albrecht: Tordis Matinee. In: Die Bühne, H. 7/1940, S. 7. D. Brehm: Tanz als Ausdruck der Zeit. Gespräch mit E. Tordis. In: Neues Österreich, 24.6.1945, S. 4.

(PHK)