eigentl. Učický, geb. 6.7.1899 in Wien, gest. 27.4.1961 in Hamburg; Kameramann, Regisseur

G. Ucicky gilt als Sohn der in Prag geborenen Maria Učická (1880–1928) und des österreichischen Malers Gustav Klimt, dem sie wiederholt Modell stand (Diese Vaterschaft Klimts wurde zwar oft angezweifelt, die Indizien sprechen allerdings dafür). Er wuchs bei seiner Großmutter u. Mutter in Wien auf und begann er eine Lehre im k.u.k. Militär-Geographischen Institut Wien. Diese Ausbildung befriedigte ihn jedoch nicht, denn er strebte eine Schauspielerkarriere an. 1916 sprach er daher bei der Sascha-Film erstmals vor, jedoch zunächst erfolglos, aber er wurde dann als Kameramann genommen, zeigte sich entsprechend talentiert und filmte das Begräbnis von Ks. Franz Joseph. 1917 wurde er eingezogen, jedoch bald dem Kriegspressequartier als Kameramann zugeteilt. Ihm wird die Regie oder die Mitwirkung am Propagandafilm Heldenkampf in Schnee und Eis (1917) zugeschrieben. Nach Kriegsende arbeitete Ucicky vorwiegend wieder für die Sascha-Film, sein Debut als Kameramann hatte er mit Die Dame mit dem schwarzen Handschuh (1919); daneben war er auch für die Veritas- und die Rexa-Film tätig. Bei der Sascha-Film lernte er Michael Kertesz kennen, unter dessen Regie er oft die Kamera führte. 1923 heiratete er H. E. Ptak, die ab 1927 in etwa dreißig Filmen Nebenrollen spielte. Unter der Regie von Kertezs führte er ebf. 1923 bei der Schnitzler-Verfilmung Der junge Medardus die Kamera.

1926 trat Ucicky das erste Mal als Regisseur in Erscheinung und zwar zusammen mit Karl Hans Leiter, Walter Reisch und Artur Berger für das Liebesdrama Die Pratermizzi, das mit H. Thimig, H. Moser u. N. Naldi eine prominente Besetzung aufwies und für Anny Ondra den Durchbruch bedeutete. 1927 hatte Ucicky zuerst die Regie für Das Mädel vom Tingel-Tangel inne, für die AZ ein „Kitschfilm“, dann für den vorw. im Wiener Vorstadt- Milieu spielenden Halbweltfilm Café Elektric (urspr. Titel: Prostitution), in dem Marlene Dietrich u. Willy Forst ihre ersten Hauptrollen spielten; er wurde bereits 1926 als „Sensationsstück“ (Neue Zeitung, 14.7.1926,5) von Felix Fischer auf der Rolandbühne gegeben.

Aus: Die Bühne, H. 155/1927, S. 25

1928 folgte die Verfilmung von W. Hasenclevers Bühnenstück Ein besserer Herr unter leicht abgewandeltem Titel, und im selben Jahr übersiedelte er nach München, wo er für die H. Engel-Film arbeitete, 1929 nach Berlin, um bei der Ufa Regie zu führen, u.a. in den Filmen Der Bigamist (auch: Der Sträfling von Stambul), Der unsterbliche Lump (nach der gleichnamigen Operette von E. Eysler/F. Dörmann/ R. Benatzky) und dem Aufklärungs-Sexualdrama Vererbte Triebe. Der Kampf ums neue Geschlecht, der in Österreich unter dem Titel Erbsünde in die Kinos kam.

1930 führte er Regie in der Sprechfilmkomödie Hokuspokus, geriet aber auch in das völkisch-nationale Umfeld des Ufa-Chefs Hugenberg u. wirkte an zunehmen national(istisch)en Filmprojekten wie einer Serie von Friedrich d. Große-Filme und deutschen Kriegsfilmen wie Morgenrot (1933), der am Tag der NS-Machtergreifung in Deutschland uraufgef. wurde. In der Folge stieg Ucicky zu einem der führenden NS-Filmregisseure auf, beginnend mit Flüchtlinge (1933) über Das Mächen Johanna (1935) hin zum antibrit. Propagandafilm Aufruhr in Damaskus (1939). Zwischendurch drehte er auch einige Kriminal- und Abenteuerfilme, z.B. Savoy-Hotel 217 (1936) und einige Literaturadaptionen nach Kleist und Puschkin. Den Höhepunkt seiner NS-Propagandafilme stellte dabei die Regiearbeit für den antipolnischen Film Heimkehr (1941) dar. Aufgrund dieses Filmes erhielt er 1945 Arbeitsverbot in Deutschland wie in Österreich; diese wurden 1947-48 dann wieder aufgehoben und Ucicky drehte in den 1950er Jahren vorwiegend z.T. sehr erfolgreiche, wenngleich in der Kritik mäßig geschätzte Unterhaltungsfilme, beginnend mit Nach dem Sturm (1948). Während des Krieges betätigte er sich auch als Kunstsammler, d.h. er kaufte arisierte Raubkunst, darunter Werke von E. Schiele, die später Restitutionsprozesse zur Folge hatten.


Weitere (Regie)Arbeiten (Auswahl):

Herzen ohne Titel (1928); Heiratsannoncen (1929); Das Flötenkonzert von Sans-souci (1930); Yorck (1931); Im Geheimdienst (1931), Unter heißem Himmel (1937); Der zerbrochene Krug (1937); Der Postmeister (1940); Der gebieterische Ruf (1944); Cordula (1950); Das Erbe von Björndal (1960)

Literatur

Gerald Trimmel: Der nationalsozialistische Spielfilm „Heimkehr“ und die „NS- Volkstumspolitik“ (1998): https://www.academia.edu/2447792/Der_nationalsozialistische_Spielfilm_Heimkehr_und_die_NS-Volkstumspolitik;   Christoph Brecht, Armin Loacker, Ines Steiner (Hgg.): Professionalist und Propagandist. Der Kameramann und Regisseur Gustav Ucicky, Wien 2014.

Quellen und Dokumente:

N.N.: Die Pratermizzi. In: Der Filmbote, 7.8.1926, S. 12; N.N.: Die Pratermizzi. Ein rascher Besuch bei Anny Ondra. In: Die Bühne, H. 97/1926, S. 23; Cover-Plakat zu Tingeltangel. In: Österreichische Filmzeitung, 21.5.1927, S. 1; F. R(osenfeld): Das Mädel vom Tingeltangel. In: AZ, 23.10.1927, S. 22; N.N.: Café Elektric. In: Mein Film, H.100/1927, S. 14; N.N.: Café Elektric. Ein Wiener Film. In: Die Bühne, H. 155/1927, S. 25; N.N.: Café Elektric. In: Wiener Zeitung, 29.11.1927, S. 5; e.t.: Der Sträfling aus Stambul. In: NWJ, 10.11.1929, S. 28; N.N.: Erbsünde. In: Kleine Volks-Zeitung, 20.11.1929, S. 13; Plakat zu: Savoy Hotel 217. In: Illustrierter Film-Kurier, H. 1356/1936, S. 2; Annonce zu: Heimkehr. In: Neues Wiener Tagblatt, 13.10.1941, S. 6.

(PHK)