geb. am 27.5.1892 in Wien – gest. am 11.1.1981 in Moskau; (Film)Architekt, Szenenbildner

Aus einer jüdischen Familie kommend, besuchte Berger zunächst die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt und ab 1911-15 die Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Dort hatte er u.a. Josef Hoffmann und Oskar Strnad als prägende Lehrer. Den Ersten Weltkrieg überstand er nach einem Einsatz an der Isonzofront (1915) vorwiegend in Belgrad. 1919 trat er aus der Israelitischen Kultusgemeinde aus und begann sich, neben kleineren Architekturarbeiten, für den Film zu interessieren. So wirkte er 1918 im (Kriminal)Film Der Schatz der Berge als Schauspieler mit und stattete 1919 erstmals einen „Sensationsfilm“ der Sascha-Film, Die Jagd nach dem Glück (Regie: Fritz Freissler), innenarchitektonisch aus (Die Kinowoche H.10/1919,11), woraufhin er 1920 beruflich ganz zur Sascha-Film wechselte. Im selben Jahr fertigte er auch die Lithographien zu H. Sonnenscheins Die Legende vom weltverkommenen Sonka (E.P. Tal) an. 1921 folgten die Dekorationen für den Helios-Vita-Film Don Ramiro und im Okt. 1923 zeichnete er für die Kulissen der 1809 spielenden Medardus-Verfilmung (auf der Basis von Schnitzlers Bühnenstück Der junge Medardus) mitverantwortlich und arbeitete erstmals mit M. Kerstesz enger zusammen. Ebenfalls 1923 war er, gemeins. mit F. Lampl u.a. Mitbegründer der Glas-Keramik-Werkstätten Bimini.

1924 war Berger in drei großen Historienfilmen für die Ausstattung zuständig (tw. gemeins. mit Emil Stepanek und bzw. oder mit Julius v Borsody): Harun al Raschid, Die Sklavenkönigin und Salammbó. Ab 1925 verlagerte sich dies stärker auf die Ausstattung von Unterhaltungsfilmen, beginnend mit Das Spielzeug von Paris (engl.Vorlage : Red Heels von M. Lawrence), sowie für die Revuebühne im Apollo-Theater, 1926 ferner für jene in Die Pratermizzi sowie in der Lustspielverfilmung Das Kamel geht durch das Nadelöhr aber auch im Max Neufeld-Film Die Brandstifter Europas und 1927 für Café Elektric. 1925-26 war er auch für Wohnblöcke des Bauprogramms des ›Roten Wien‹, z.B. für jenen in der Schlachthausgasse vorgesehen (Der Tag, 7.5.1926,7), wo er mit seinem Bruder Josef zusammenarbeitete. Auch für Tanzabende und -matineen von G. Geert und H. Holger entwarf Berger wiederholt die Kostüme. Auch beim Tingel-Tangel-Film war Berger beteiligt.

In: Das Kino-Journal 20 (1927), Nr. 875, S. 19

1928 verf. er u.a. Essays wie z.B. über Die Luftschlösser des Films bzw. über Elementarkatastrophen im Filmatelier; im selben Jahr war Berger für die Interieur-Gestaltung der Verfilmung des Bettauer Romans Das Entfesselte Wien unter dem Titel Schwüle Stunden zuständig, welche von F. Rosenfeld in der AZ als vergebene Chance kritisch kommentiert wurde. 1929-30 waren ebenfalls sehr produktive Jahre für Berger; einerseits stattete er Filme wie C. Wienes Revolution der Jugend oder Revuen wie jene der sozialdem. Genossenschaften Ein Tanz um die Welt, die im Arbeiterheim Favoriten unter Mitwirkung der Tanzgruppe Geert ihre UA am 2.10.1929 hatte, sowie Flieg mit mir durch Österreich (1930), mit Bühnenaufbauten bzw. Kostümen aus, andererseits betätigte er sich verstärkt als Drehbuchautor, meist gemeinsam mit Siegfried Bernfeld, etwa für die Tonfilmrevue Apollo, Apollo oder für den Neufeld-Film Nachtlokal, ferner für die Sascha-British Internat. Pictures-Koproduktion Champagner (F. Porges bezeichnete in diesem Kontext Berger als einen „der besten Filmarchitekten“) sowie für eine österr.-tschech.-polnische Produktion unter dem Titel Karussell (Die Stunde, 11.9.1929,9). 1930 war er auch an der Verfilmung der Oberst Redl-Reportage von E. E. Kisch und an der Gründung der Gruppe ›Film der Jungen‹ (Der Tag, 27.3.1930, 8) beteiligt; 1931, wieder gemeins. mit Bernfeld, am Drehbuch für den unter der Regie von Otto L. Preminger gedrehten Film Die große Liebe, einem Mutter-Sohn-Nachkriegsdrama. 1932 legte Berger nicht nur den utopistischen Propagandafilm für die sozialdemokrat. Wahlbewegung Die vom 17er Haus vor (AZ, 2.4.1932, 5), sondern war an der Ausstattung bzw. am Bühnenbild von mehreren Filmen und Sketches beteiligt, so z.B. an dem von Neufeld inszenierten Sehnsucht 202, am Sascha-Film Hochzeit zu dritt, am Tonfilmsketch von Farkas Die Justizmaschine oder am René Claire-Film Es lebe die Freiheit. Zudem legte er den programmatischen, auch von Radio Wien ausgestrahlten Essay Aus der Werkstatt eines Filmarchitekten vor. 1933 zählte Berger zu den Mitbegründern eines Lehrinstituts für Tonfilmkunst in Wien; er initiierte zehn Kurzfilmprojekte, von denen aber nur zwei, Der Herr Scheidungsgrund und Das große Los realisiert wurden.

Insgesamt verschlechterte sich die Auftragslage deutlich, und Berger wirkte auch nur mehr an wenigen filmarchitektonischen Ausstattungen, z.B. an Großfürstin Alexandra (mit M. Jeritza, P. Hartmann u. L. Slezak in den Hauptrollen) sowie Abenteuer am Lido, mit. 1935 war das letzte erfolgreiche Jahr für Berger in Österreich: er stattet die Filme Heute ist der schönste Tag, Letzte Liebe, Bretter, die die Welt bedeuten und v.a. den Bashkirtzeff-Film Tagebuch der Geliebten, ein Tobis-Sascha „Großfilm“ (mit Lili Darvas, Hans Jaray u. Attila Hörbiger in den Hauptrollen) aus. 1936 kam wohl noch der von ihm ausgestattete u. von R. Oswald inszenierte Unterhaltungsfilm Heut‘ ist der schönste Tag in die Kinos, doch Berger, den das 1936 vom austrofaschist. Ständestaat ausgesprochene Arbeitsverbot für jüdische Bürger in der Filmbranche hart traf, entschloss sich über Prag nach Moskau zu emigrieren, wo er fortan blieb und auch als Filmarchitekt für Meschrabpom tätig sein konnte.


Weitere Ausstattungen und/oder Regietätigkeiten:

Die Kaiserjäger (1928); Liebe im Mai (1928); Luxus (1928); Parade der Liebesparade (Revue-Ausstattung 1930), Micky der Schießbube (1931); Lumpenkavaliere (1932); Karneval und Liebe (1934); Hoheit tanzt Walzer (1935).

Literatur

Ch. Dewald:  Artur Berger: Vom Architekten des „Roten Wien“ zum Filmausstatter der sowjetischen Mosfilm (2012).  online verfügbar unter: https://www.oeaw.ac.at/fileadmin/Institute/INZ/Bio_Archiv/bio_2012_05.htm

https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_B/Berger_Artur_1892_1981.xml

https://www.film.at/die_vom_17er_haus

Quellen und Dokumente

(Plakat:) Der Schatz im Berge. In: Neue Kino-Rundschau, 1.6.1918, S. 20; N.N: Die Sklavenkönigin. In: Wiener Morgenzeitung, 24.10.1924, S. 7; (Plakat:) Die Brandstifter Europas. In: Der Filmbote, 10.7.1926, S. 19; (Plakat:) Das Kamel geht durch das Nadelöhr. In: Der Filmbote, 9.10.1926, S. 11; (Plakat:) Schlagerfilm Tingl-Tangl. In: Das Kino-Journal, 7.5.1927, S. 19; A. Berger: Die Luftschlösser des Films. In: Mein Film, H. 113/1928, S. 13-14; A. Berger: Elementarkatastrrophen im Filmatelier. In: Mein Film, H. 114/1928, S. 7-8; F. Rosenfeld über Schwüle Stunden. In: AZ, 21.10.1928, S. 21; F. Porges über Champagner. In: Der Tag, 29.3.1929; S. 6; N.N.: Apollo, Apollo. In: Die Stunde, 30.11.1929, S. 8; F. Porges über Apollo, Apollo. In: Der Tag, 29.11.1929, S. 4; N.N.: Nachtlokal. In: Der Tag, 7.12.1929, S.6; F. Argus über Oberst Redl-Film. In: Mein Film. H. 260/1930, S. 10-11; N.N.: Kleine Szene aus der Großen Liebe. In: Mein Film, H. 302/1931, S. 10; A. Berger: Aus der Werkstatt eines Filmarchitekten. In: Mein Film. H. 349/1932, S. 9-10; N.N.: Ein Rückblick aus dem Jahre 2032 (Zu: Die vom 17er Haus). In: AZ, 2.4.1932, S. 5; A. Berger über Sehnsucht 202. In: Die Stunde, 22.8.1932, S. 4; N.N.: Wiener Kurzfilme. In: Mein Film, H. 370/1933, S. 10; L. Darvas über Bashkirtzeff-Film. In: Mein Film, H. 503/1935, S. 17-18.

(PHK)