geb. am 9.1.1860 in Nikolsburg, Mähren (Mikulov, Tschechien) – gest. am 8.12.1933 in Wien; Schriftsteller, Journalist

Ps.: Florian

In einer jüdischen Familie in Mähren aufgewachsen und zum Studium der Rechtswissenschaften nach Wien übersiedelt, wirkte W. bereits in den Achtzigerjahren an Heinrich Friedjungs Deutscher Wochenschrift mit und veröffentlichte u.a. mit Carl Karlweis, dem Vater des Schauspielers Oscar sowie der Schriftstellerin Marta Karlweis, Adam Müller-Guttenbrunn und Robert Hirschfeld die Flugschriftensammlung Gegen den Strom. Ebenso trat W., bis zum Austritt 1893 Mitglied der jüdischen Kultusgemeinde, mit dem Essay St. Georg von Zwettl gegen Ritter Georg von Schönerer in Erscheinung. Ab 1889 für die Wiener Allgemeine Zeitung aktiv, wurde W. nach dem Abschluss seines sozialen Romans Armer Leute Kinder auf Einladung Viktor Adlers Burgtheaterreferent der Arbeiter-Zeitung, die auch seinen Roman abdruckte, und propagierte nach der Mitwirkung an Friedrich Fels‘ Wiener Neuen Bühne die Werke Henrik Ibsens. Zwischen 1893 und 1898 gab er mit Heinrich Osten die aus der Wiener Literatur Zeitung hervorgegangene Neue Revue heraus und fusionierte sie anschließend mit der Zs. Die Wage. In derselben Phase versuchte W. als Chefredakteur die Popularisierung des Extrablatts und schrieb für Die Zeit, deren Erster Leitartikler er zur Jahrhundertwende werden sollte. Später schloss er sich als Rezensent und Feuilletonist der in der Tradition der Zeit stehenden Montagszeitung Der Morgen an, publizierte aber auch Feuilletons und Gedichte in der Neuen Freien Presse

Zwischen 1913 und 1926 fungierte W. als Präsident des Presseclubs Concordia und wirkte maßgeblich an der Ausgestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen des Journalismus in der Ersten Republik mit. Nach seinem Rückzug als Präsident der Concordia beleuchtete er als Feuilletonist des Neuen Wiener Journalnicht nur soziale Phänomene, sondern positionierte sich in wiederholten Polemiken gegen die Arbeiter-Zeitung (“Rotes Räuberhandwerk”, Neues Wiener Journal, 2.2.1930) zunehmend gegen die österreichische Sozialdemokratie und die ideologische Rahmung des Wiener Gesellschafts- und Kulturlebens. W., 1921 vom Journalisten und späteren Romanautor Kurt Sonnenfeld an die Spitze einer Reihe über Wiener Publizistengestellt, entstammte einer Publizistendynastie: Sein Neffe Moritz Wengraf leitete die Redaktion des Neuen Wiener Tagblatts, dessen Sohn Richard Wengraf war literarischer Direktor des Rikola-Verlags, in dem W. 1923 seine Lyriksammlung Bunter Abend veröffentlichen konnte. Sein Sohn war der Burgschauspieler Hans Wengraf.


Werke

Die gebildete Welt (1886), Wie man ein Socialist wird (1887), Wie wir wirtschaften (1887), Grössenwahn (1888), Die Phrase (1893), Immer die Frauen (1930)

Quellen und Dokumente

Kaffeehaus und Literatur. In: Wiener Literatur-Zeitung, 15.5.1891, S. 1f., Armer Leute Kinder. In: Arbeiter-Zeitung, 14.4.1893, S. 9 (Beginn) bis 13.10.1893, S. 9 (Schluss), Kabarettelend. In: Der Morgen, 25.10.1920, S. 5, Oh diese Modetänze! In: Der Morgen, 17.1.1921, S. 4f., Der Dichter einer untergegangenen Welt. Zu Arthur Schnitzlers sechzigstem Geburtstag. In: Neue Freie Presse, 15.5.1922, S. 6, Die Kunst auszuruhen. In: Der Morgen, 13.8.1923, S. 6, Die zehn Gebote der Glücklichen. In: Der Morgen, 11.2.1924, S. 5, Wiener Makame. In: Neue Freie Presse, 29.9.1924, S. 1-3, „Gegen den Strom“. Aus meinen Erinnerungen. In: Neues Wiener Journal, 9.11.1924, S. 13f., Hygiene. In: Neues Wiener Journal, 21.6.1925, S. 14, Bodenständig. Der Mischcharakter der Wiener Bevölkerung. In: Neues Wiener Journal, 29.8.1925, S. 1f., Geschichte und Politik. Wo ist die Wahrheit? In: Neues Wiener Journal, 13.9.1925, S. 1f., Konversation und Gesellschaft. In: Neues Wiener Journal, 20.9.1925, S. 10, Der neue Text zu Johann Strauß‘ „Donauwalzer“. In: Neues Wiener Journal, 14.11.1925, S. 3, Zeitung und Zeitungsgeschäft. In: Der Morgen, 15.2.1926, S. 9, Die Pressekorruption und die Paragraphenreiter. In: Der Morgen, 19.4.1926, S. 5, Entartung des austromarxistischen Parteigeistes. In: Neues Wiener Journal, 9.10.1927, S. 1f., Klassenherrschaft. Eine grobe Tendenzlüge. In: Neues Wiener Journal, 29.11.1927, S. 1f., Die schamlose Phrase. Zur Psychologie des Parteirednertums. In: Neues Wiener Journal, 18.12.1927, S. 6f.

Kurt Sonnenfeld: Wiener Publizisten. In: Wiener Montags-Journal, 13.6.1921, S. 3f., -er: „Bunter Abend.“ Fünfzig Gedichte und Lieder von E. W. In: Neue Freie Presse, 6.4.1924, S. 33, Dr. E. W. gestorben. In: Neues Wiener Journal, 9.12.1933, S. 5f., E. W. gestorben. In: Wiener Zeitung, 9.12.1933, S. 4, Hans Wengraf: Mein Vater Dr. E. W. In: Neues Wiener Journal, 14.12.1933, S. 5f.

Literatur

Harold B. Segel: The Vienna Coffeehouse Wits. 1890-1938, S. 383-386 (1993), Anna L. Staudacher: „… meldet den Austritt aus dem mosaischen Glauben“. 18000 Austritte aus dem Judentum in Wien. 1868-1814: Namen – Quellen – Daten, S. 654 (2009).

Eintrag bei wien.gv.at.

(ME)