Als private Kunstschule für Frauen und Mädchen wurde diese Bildungseinrichtung 1897 gegründet. Maßgebliche Initiatorinnen waren neben Rosa Mayreder die Malerinnen Tina Blau (1845-1916) und Olga Prager (1872-1930). A.F. Seligmann, bei dem Prager Privatunterricht nahm, wurde zum ersten Leiter bis 1908 gewählt; danach übte der Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942) bis 1926 die Direktionsfunktion aus. Von 1927 bis 1938 folgte ihm der Bildhauer Heinrich Zita (1882-1951) in diese Funktion nach.

Die WFA blühte rasch auf und bot nach 1918 auch drei akademische Klassen (Bildhauerei, Malerei, Graphik) an. In diesen lehrten u.a. Rudolf Jettmar, Josef Stoitzner und Ludwig Michalek. Die Hauptlehrer wurden um 1920 als Professoren in den Staatsdienst übernommen. 1926 wurde der Verein umbenannt in Wiener Frauenakademie und Schule für freie und angewandte Kunst; im selben Jahr fing die Stadt Wien an, einen oder zwei Freiplätze zu finanzieren, die öffent. Ausgeschrieben wurden. 1928 wurde das dreißigjährige Bestehen gefeiert, u.a. mit einer Ausstellung sowie mit Resonanz in allen Zeitungen und einem Radiovortrag, gestaltet von Richard Harlfinger, der seit 1917 selbst an der WFA als Lehrer tätig war. 1929 trat die WFA Mitglied dem ›Bund österreichischer Frauenvereine‹ bei. Die bis 1936 über verschiedene Lokale im 1. Bezirk verteilte und erst ab 1936 im 3. Bezirk (Siegelgasse 2–4) in einem renovierten Schulbau angesiedelte Schule zählte um 1930 rund 300 Schülerinnen und 17 Lehrkräfte. Sie wurde in zahlreichen Tageszeitungen beworben bzw. es wurde in Zeitungen von der AZ über die NFP, NWJ bis hin zu Der Tag und zur WrZtg. über ihr Angebot bzw. ihre Aktivitäten berichtet. Seit 1928 wurden regelmäßig Ausstellungen im ›Österreichischen Museum für Kunst und Industrie‹ eingerichtet. Mit der Wirtschaftskrise nach 1933 ging und der sog. 1000 Mark-Sperre 1933 ging auch die Zahl der Schülerinnen um rund 40% zurück. Nichtsdestotrotz konnte die WFA mit ihrer Ausstellung zur Mode im Wandel der Zeit (gemeins. mit der Zs. Moderne Welt und der Sezession) im April desselben Jahres beträchtliche Resonanz erzielen. Das vierzigjährige Bestandsjubiläum 1937 wurde nur mehr durch eine kleine Ausstellung und einen Radiobeitrag publik gemacht. Nach dem Anschluss wurde diese Einrichtung im Nov. 1938 der Gemeinde Wien übertragen (formell am 1.3.1939 übernommen) und Teil der NS-Kunstpropaganda.


Quellen und Dokumente

Jily Kjäer: Die Entwicklung der Wiener Frauenakademie. In: Wiener Frauenakademie (1928), H. 4, S. 4, Ina Frank: Ausstellung der Wiener Frauenakademie. In: Die Österreicherin (1928), H. 5, S. 6f., Ankündigung in: Radio Wien (1928), H. 26, S. 911, A. F. Seligmann: Mode im Wandel der Jahrhunderte. Eine Veranstaltung der Wiener Frauenakademie. In: Die Moderne Welt 14 (1933), H. 7, S. 10, Frauenakademie – „Kunstschule der Stadt Wien“. Uebernahme in die Obhut der Gemeinde. In: Kleine Volks-Zeitung, 1.3.1939, S. 5.

Literatur

S. Plakolm-Forsthuber: Vom Ende der Wiener Frauenakademie in der NS-Zeit. In: H. Seiger, M. Lunardi, P.J. Populorum (Hgg.): Die Wiener Akademie der bildenden Künste und die faschistische Kulturpolitik. Wien 1990, 217-246; P. Melichar: Der Wiener Kunstmarkt der Zwischenkriegszeit. In: ÖZG, 17/2006 (Online verfügbar); O. Stieglitz, G. Zeillinger (Hgg.): Der Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942). Zwischen Ringstraße, Künstlerhaus und Frauenkunstschule. = Europ. Hochschulschriften. Reihe XXVIII, Kunstgeschichte, Bd. 426. Frankfurt/M. u.a. 2008, 121-177.

(PHK)