als Herbert Bauer geb. am 4.8.1884 in Szeged – gest. am 15.7.1949 in Budapest; Ästhetiker, Drehbuchautor, Filmkritiker, Regisseur, Librettist, Schriftsteller

Das Porträtmodul von Gustav Frank finden Sie hier.

Nach dem Studium der Philosophie in Budapest, u.a. bei Georg Simmel und Wilhelm Dilthey, und in Paris bei Henri Bergson wandte sich B. der Literatur zu  und begann Lyrik, Dramen, Märchen, Novellen und Libretti zu schreiben. Bekannt ist z.B. der Märchenzyklus Der Mantel der Träume. 1919 floh B., der u.a. mit György Lukács befreundet und kommunistisch orientiert war, nach der gewaltsamen Beendigung der Räterepublik unter Bela Kun nach Wien, wo er neben seiner schriftstellerischen und journalistisch-kritischen Tätigkeit in ungarischen Exilblättern wie Bécsi Magyar Ujság oder in der angesehenen Ztg. Der Tag, mit dem Film in Berührung kam. Im Tag verfasste er neben rund 200 Film- auch Theaterkritiken, z.B. zu Georg Kaisers Kolportage, Franz Werfels Der Spiegelmensch, Robert Musils Vinzenz, Arthur Schnitzlers Komödie der Verführung oder Hugo v. Hofmannsthals Der Schwierige. Mit seiner Schrift Der sichtbare Mensch (1924) legte B. einen Kerntext der modernen Filmtheorie und Filmästhetik vor, den sowohl Hofmannsthal wie Schnitzler aufmerksam registrierten. 1926 übersiedelte er nach Berlin, erzielte mit dem Film Narkose (1929, nach Stefan Zweigs Briefe einer Unbekannten) einen Achtungserfolg. Im Zuge des Ersten Internationalen Kongresses des unabhängigen Films in La Sarraz (Schweiz) traf er sich 1929 mit Sergej Eisenstein, mit dem er bereits seit Jahren in wechselseitiger kritischer Bezugnahme auf das jeweilige Werk stand. Kurz danach veröffentlichte B. sein zweites filmtheoretisches Werk Der Geist des Films (1930), um danach als Drehbuchautor zu arbeiten, aber auch seinen ersten (und einzigen) Roman Unmögliche Menschen (1930) vorzulegen. Für die Verfilmung von Brechts Dreigroschenoper (1931) durch W. G. Pabst, gegen die Brecht gerichtlich vorzugehen suchte, zeichnete B., gemeinsam mit Leo Lania und Ladislaus Vadja ebenso für das Drehbuch verantwortlich wie für Leni Riefenstahls Debüt Das blaue Licht (1932). 1931 folgte B. der Einladung einer sowjetischen Filmgesellschaft nach Moskau, wo er ab 1933 an der Filmhochschule wirkte. Daraus ging die 1937 fertig gestellte, aber erst 1945 veröffentlichte Schrift Isskustwo Kino (Filmkunst) hervor, die den ideologischen Zwängen Tribut zollte und unübersetzt blieb. 1946 kehrte Balázs nach Budapest zurück, um seine letzte Schrift Filmkultur 1948 fertig zu stellen.


Quellen und Dokumente

Die Geschichte von der Lógodygasse, vom Frühling, vom Tod und von der Ferne. In: Die Moderne Welt 5 (1923), H. 11, S. 11ff., Der Detektivroman. In: Die Rote Fahne, 16.5.1922, S. 4.

Fritz Rosenfeld: Die “Dreigroschenoper” im Film. In: AZ, 29.5.1931, S. 9.

Literatur

Hanno Loewy: Béla Balázs – Märchen, Ritual und Film (Berlin 2003); Bernhard Fetz: Schrift. Film. Leben. Der Schriftsteller und Filmtheoretiker B. Balázs; Amalia Kerekes: Béla vergisst die Ismen. Béla Balázs’ Wiener Schriften zur ungarischen Avantgarde. Beide in: Pál Dereky, Zoltán Kékesi, Pál Kelemen (Hgg.): Mitteleuropäische Avantagarden. (Frankfurt/M. 2006)

(PHK)