geb. am 7.6.1900 in Wien – gest. am 2.4.1991 in Madrid; Tänzerin, Choreographin, Schauspielerin und Fernsehmoderatorin

Abgesehen von Geburts- und Sterbedatum gibt es von Gisa Groß, die besser unter ihrem Künstlernamen Gisa Geert bekannt war, nur wenige biografische Belege. Als Schülerin Gertrud Bodenwiesers, entwickelte sich G. in den 1920er Jahren zu einer namhaften Tänzerin. 1924 war sie bei der Einweihung von Kieslers Raumbühne beteiligt; bekannt wurde G. aber v.a. durch die von ihr initiierte Parodie eines Hochzeitstanzes, in dessen Kostüm sie zur einen Hälfte als Bräutigam und zur anderen Hälfte als Braut gekleidet war. Neben immer wieder gut besuchten Tanzabenden und Aufführungen wie etwa bei der Redoute der Bühne, studierte G. die Tänze des Festzugs der Gewerbe von 1929 ein. Im selben Jahr veröffentliche G. in der von D. J. Bach herausgegebenen Zeitschrift Kunst und Volk einen Artikel über Körper- und Festkultur. Die Körperbewegung als neue Ausdrucksform menschlichen Empfindens müsse für kulturelle Festivitäten erst entdeckt werden. Die „einende Harmonie der Massenbewegung“ brauche „keinen eingelernten Drill“ – wie es etwa beim rigiden Balletttanz der Fall sei –, denn „die große mitreißende Gewalt des Bewegungschores“ sei ein „edles Mittel zum gesteigerten Lebensgenuss“ (Geert, in: Kunst und Volk. IV (Nov. 1929), H3, S. 76). Mit der diesbezüglich einhergehenden Überzeugung, der Solotanz werde immer bedeutungsloser, gründete G. das Tänzerinnen-Kollektiv Blaue Truppe. Darüber hinaus unterrichtete G. den Bewegungschor der sozialdemokratischen Kunststelle und trug wesentlich zur Förderung des Laientanzes in Wien bei. 1934 zog es G. nach Italien, wo sie mit ihrem choreographischen Engagement auch in der Film- und Fernsehindustrie (z.B. Un due tre, 1954-59) bekannt wurde. Neben dem Begründer der italienischen futuristischen Fotografie Anton Giulio Bragaglia arbeitete G. in der Nachkriegszeit mit bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern wie Wanda Osiris, Totò, Isa Barzizza, Ugo Tognazzi, Raimondo Vianello oder Vittorio Gassman zusammen. Gisa Geert starb am 2. April 1991 in Madrid.


Quellen und Dokumente

Körperkultur und Festkultur. In: Kunst und Volk. IV (11/1929) H. 3, S. 76.

Ballet im Konzerthaus. In: Neues Wiener Journal, 15.2.1929, S.12; Der Tanz des eigenen Ich. Gertrud Bodenwieser und ihre Schule. In: Die Bühne, H. 17 (1925), S. 34f; E’ Morta Gisa Geert Coreografa Della Rivista. In: La Repubblica.it, 3.4.1991; Ganz Wien war auf den Beinen. Das tanzende Gewerbe. – Ein Schauspiel für Hundertausende. In: Arbeiter Zeitung, 10.6.1929, S. 3; Reifeprüfung fürs Brettl. In: Arbeiter-Zeitung, 29.8.1924, S. 7; Müller, Margarete: Der Mensch schwebt in den Lüften. In: Die Bühne, H. 147 (1927), S. 28f; Rosenfeld, Fritz: Das tanzende Wien. In: Salzburger Wacht, 6.8.1932, S. 10; Tanzabende. Lisl Rinaldini.–Gisa Gehrt. In: Wiener Morgenzeitung, 13.5.1924, S. 7; Tanzabende im Burggarten. In: Wiener Morgenzeitung, 17.7.1924, S.8; Tschaikowskys „Nussknacker“. In: Die Bühne, H. 219 (1929), S. 12; Vom Theater. In: Das Interessante Blatt, 4.3.1926, S. 15; X.: Zwei Tanzabende. Gisa Geert. In: Das Kleine Blatt, 18.6.1932, S. 10.

(MP)