geb. am 26.4. 1896 in Lemberg (k.k. Österreich, heute: Lwiw, Ukraine), gest. am 5.4.1980 in Maria Gugging/Langenzersdorf (Österreich); Komponist, Pionier der Maschinen- und der elektronischen Musik, Exilant und Remigrant.

Aufgrund der Übersiedelung seiner Eltern Ida und Jakob Brand, besuchte bzw. absolvierte M.B. in Wien u.a. anderen Orten verschiedene Schulen, insbes. in St. Gallen, bevor er 1919 bei Franz Schreker in Wien und ab 1921 in Berlin Musik und Komposition studierte. 1924, nach Beendigung des Studiums, kehrte er nach Wien zurück, wo er A. Schönbergs Bläserquintett op. 26 hörte, das ihn sehr beeindruckte, weil es dodekaphonisch ausgeführt wurde. Als Komponist trat er öffentlich erstmals im Juli 1924 anl. einer als Reinhardt-Ersatz qualifizierten Inszenierung des altflämischen Märchens Mariechen von Nymwegen im Burggarten auf, für das er die Begleitmusik verfasste. Dieser ersten, zurückhaltend aufgenommenen Arbeit folgte die Musik für die UA des Schauspiels Der Knecht von R. Billinger (im Rahmen des Wiener Musik- und Theaterfestes) im Okt. 1924 NWJ, 10.10.1924, 11/ NFP 12.10.1924,14).

1925 kam es im Rahmen des 3.Kammermusikkonzerts im Musikverein-Festsaal zur UA des dreisätzigen Orchesterstücks Eine Nachtmusik (neben Werken von M. Reger u. O. Respighi), 1926 komponierte Brand die Musik zur Rote Hilfe-Revue. Für den 7.12. 1927 war die UA der Fünf Hebräischen Gesänge nach E. Lasker-Schüler im Rahmen der Abende der Gesellsch. für neue Musik angekündigt (Der Tag, 6.12.1927), die dann im Mai 1928 unter Erwin Stein uraufgeführt wurden u. ob ihrer eigenartigen Anordnung der Zwölftonreihe einen so kundigen Rezensenten wie P. A. Pisk beeindruckten. Im Mai 1928 vermeldete die Ztd. Der Tag die Fertigstellung der Oper Maschinist Hopkins, die im April 1929 mit großem Erfolg u. Resonanz in Duisburg, gefolgt nochmals von einer Auff. im Rahmen des Tonkünstlerfestes 1929 in Duisburg, von Dresden, Berlin und Breslau (ur)aufgeführt wurde und zu den meistgespielten zeitgenöss. ‚neuen‘ Opern sowie zu einem der Begründungswerke des Genres Maschinenoper zählte. Theoretisch hatte er dieses bereits in seinem Beitrag Mechanische Musik und das Problem der Oper in der Themennr. der Musikblätter des Anbruch 1926 vorweggenommen. Brand selbst verstand sein Werk als Zeitoper u. sprach sich dafür aus, dass das Publikum nur dann für die Oper zu gewinnen sei, wenn sie Probleme aufgreife, „die uns heute alle bewegen“ (NWJ, 28.12.1929). In einer Übersicht der Ztg. Der Tag (25.12.1930) rangierte Brands Maschinist mit 120 Aufführungen an 20 Bühnen (darunter allerdings noch keine österreichische) nach R. Strauß, aber noch knapp vor Krenek als meistgespielte zeitgenöss. Oper auch im Jahr 1930; in Wien dagegen lancierte das NWJ in Gestalt von R. Lothar einen scharfen Angriff auf sie und bezeichnete die Oper anlässl. der Berliner Auff. als „reine Verstandesangelegenheit“, versehen mit einer Musik, der das Rückgrat fehle. Ende Okt. 1931 berichtet das Musikfeuilleton von der Fertigstellung einer neuen Oper unter dem Titel Requiem, die jedoch keine Auff. erlebte, weil sich ihre definitive Fertigstellung zumind. Bis 1935 verzögerte. 1932 unternahm Brand auch einen Ausflug in die Kurzfilm-Szene und verf. Drehbücher für drei Kurzfilme. Mit Hans Heinsheimer gründete er zudem die ›Wiener Opernproduktion‹, in deren Rahmen er die Aufführung von Brecht/Weils Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny am Raimundtheater ermöglichte, die D.J. Bach geradezu hymnisch besprach.

1933 gründete er mit dem Schriftsteller Richard Götz eine sog. Autorenfirma, die sich altwiener Stoffen widmen und diese mit zeitgenöss. Formen verknüpfen sollte (Die Stunde, 18.8.1933). Das erste Ergebnis, die Oper Die Zauberreise, wurde vom Neuen Deutschen Theater in Prag zur Auff. erworben, 1934 wurde sie auch für das Programm des neueingerichteten Wiener Opernstudio angekündigt, 1935 für die Kammerspiele (NWJ, 25.8.1935). Die Produktionsbedingungen für zeitgenössische Opern waren in diesen Jahren denkbar ungünstig u. Brands innovativen Ansätze fanden bis 1938 kaum mehr Gehör. 1938 flüchtete er aufgrund seiner jüdischen Herkunft über Prag nach Brasilien, von dort übersiedelte er 1940 in die USA, in denen er bis 1975 blieb. Mit seinen USA-Jahren ist einerseits das Oratorium The Gate (UA  Metropolitan Opera N.Y., 1944) verknüpft, andererseits sein Interesse seit Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre für elektronische Musik, als er den Pionier des Synthesizers, Robert Moog, kennenlernte.


Weitere Werke

Kleopatra (Oper, 1934–37, unvollendet); Die Chronik (Szenische Kantate, 1938, unvollendet); A Musical Freud (Oper, 1941); Stormy Interlude (Oper, 1955), Vokalmusik, darunter u.a.:  The Ballad of Lidice (Sologesang und Klavier, 1942); Instrumentalkompositionen, darunter: United Nations (Marsch, 1942); Elektronische Kompositionen.

Quellen und Dokumente

Uraufführung Maschinist Hopkins, 1929. In: Ausstellung Wienbibliothek 2016; N.N.: Mariechen von Nymwegen. In: Der Tag, 20.7.1924, S. 10; H. Liebstoeckl: Reinhardt-Ersatz im Burggarten. In: Die Stunde, 20.7.1924, S. 6; E. Schaeffer: Konzerte. Eine Nachtmusik. In: Wiener Zeitung, 8.4.1925, S. 3; N.N.: Die Rote- Hilfe-Revue. In: Rote Fahne, 28.11.1926, S. 3; pp (P. Pisk): Neue Kammermusik (Zu: Hebräische Gesänge). In: AZ, 7.5.1928, S. 8; G.K.: Uraufführung eines Wiener Komponisten in Duisburg (zu: Maschinist Hopkins). In. Der Tag, 16.4.1928, S. 7; Die aktuelle Oper. Gespräch mit M. Brand. In: NWJ, 28.12.1929, S. 6;R. Lothar: Berliner Theater. In: NWJ, 1.4.1930, S. 3-4; M. Brand: Ein neuer Tonfilmversuch. In: Mein Film, Nr. 350/1932, S. 11; N.N.: Wiener Opernstudio. In: Der Abend, 23.4.1932, S. 4; D. Bach: Der Song vom untergehenden Kapitalismus. (Zu Aufstieg u. Fall der Stadt Mahagonny in Insz. von Brand/Heinsheimer). In: AZ, 4.5.1932, S 6; N.N.: Neue Autorenfirma. Brand und R. Götz. In: Die Stunde, 18.8.1933, S. 6;

Literatur

Th. Brezinka: Max Brand (1896–1980). Leben und Werk. München 1995; E. Schimana (Hg.): Maschinen für die Oper. Der Komponist Max Brand. Wien 2016; M. Hoffmann: „…bald heulen Sirenen ihr Lied“: Max Brands Oper Maschinist Hopkins aus der Perspektive der russischen Avantgarde. In: P.-H. Kucher, R. Unterberger (Hgg.): Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹. Berlin 2019, 239-259.

(PHK)