geb. am 13.8.1874 in Lemberg (Lviv) – gest. am 30.1. 1947 in London; Kulturfunktionär, Journalist, Kritiker

Bach studierte an der Universität Wien Philosophie, u.a. bei Ernst Mach, und schloss 1897 mit einer Diss. über David Hume ab. Früh mit Arnold Schönberg und Alexander Zemlinski befreundet wendet sich B. der journalistischen Arbeit zu, zunächst in der Zs. Die Zeit, in der Neuen Freie Presse und wird ab 1904 Musikkritiker der Arbeiter-Zeitung (AZ), wo er sich, neben Paul A. Pisk, für die zeitgenössische ‚neue Musik’ einsetzt. 1905 begründet B. die Arbeitersymphonie-Konzerte, die in den 1920er Jahren fester Bestandteil der Kultur des Roten Wien waren, insbes. im Zusammenwirken mit Anton v. Webern. 1906-11 auch Mitglied der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft, die er im Zuge des Konflikts zwischen Alfred Adler und Sigmund Freud verlässt. Seit 1917 Feuilletonredakteur der AZ war er neben Otto Koenig auch für die Sparten Kultur und Literatur, Musik- und Theaterkritik, aber auch Film-Kultur (Rubrik: Kunst und Wissen) sowie für grundsätzliche Orientierungen, z.B. im Umfeld der Fragen Kunst und Sozialismus, Kunst und Klassencharakter zuständig. 1918-22 gab B. gemeinsam mit Julius Bittner die kulturkrit. Zs. Der Merker heraus, 1919 zählte er zu den Begründern der Sozialdemokratischen Kunststelle, der er bis 1934 als Präsident vorstand. 1924 war Bach maßgeblich in das Int. Musik- und Theaterfest der Stadt Wien eingebunden, in deren Rahmen z.B. Schönbergs Oper Die glückliche Hand uraufgeführt wurde, Fernand Léger sein ballett méchanique, Kurt Schwitters ein Modell der Merz-Bühne oder Friedrich Kiesler seine Raumbühne vorstellte. Er zählte darüber hinaus zum Bekanntenkreis von Arthur Schnitzler und setzte sich für Aufführungen seiner Stücke ein. 1926 übernahm B. auch die Hg. der sozialdemokratischen Kultur-Programm Zs. Kunst und Volk. 1928 verteidigte er die skandalumwitterte Aufführung der sog. (Jazz-)Oper Jonny spielt auf von Ernst Krenek, insbesondere gegen den NFP-Musikkritiker Julius Korngold, 1929 begrüßte er die Wiener Erstaufführung von Brechts Dreigroschenoper im Raimundtheater. 1933 legte er seine Funktion in der AZ zurück, 1939 emigrierte er nach Großbritannien, wo er u.a. Präsident der Union der österreichischen Journalisten in England war und am Kulturprogramm des Austrian Centre teilnahm.


Quellen und Dokumente

Die Künstler und der Sozialismus. Arbeiter-Zeitung, 9.2.1919, S. 2f., Alfons Petzold. In: Arbeiter-Zeitung, 27.1.1923, S. 4, Das Mysterium des Dichters. (“Die Schwester” von Hans Kaltneker. Uraufführung in der Renaissancebühne.). In: Arbeiter-Zeitung, 13.12.1923, S. 5.

Literatur

Bodil v. Thülen: Arnold Schönberg. Eine Kunstauslegung der Moderne. Würzburg 1996; Henriette Kotla-Werner: David Josef Bach. In: F. Stadler (Hg.): Vertriebene Vernunft. Bd. 2, Münster-Wien 2004; Edward Timms: Die Sammlung David Josef Bach. Eine Zeitkapsel aus den Zwanziger Jahren (unveröff. Typoskript, 2002; zur Verf. gestellt 2007); Klaus Dieter Paar: David Josef Bach. Austromarxistische Kunstpolitik am Beispiel der Musik. Dipl.Arb. Wien 2012 [Online verfügbar].

(PHK)