geb. am 13.2.1897 in Wien – gest. am 4.7.1955 in London; Schriftsteller, Bibliothekar, Historiker, Volksbildner

Ps.: Dubsky, Bedřich; Sladek, Wenzel; Sladek, Václav; Huegel, F.D.

F. Brügel wuchs als Sohn von Ludwig Brügel in Prag auf. Nach Erlangung des Doktorgrades der Philosophie an der Universität Wien 1921 wandte er sich fortan der literarischen Arbeit zu. Ab dem Jahr 1922 widmete sich B. der Erweiterung der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek der Arbeiterkammer Wien, für die er u.a. die Privatbibliotheken Victor Adlers, Engelbert Pernerstorfers und Anton Mengers erwarb. In den 1920er Jahren veröffentlichte er regelmäßig in den wichtigsten Organen der SDAP wie die AZ, Bildungsarbeit u. Der Kampf Gedichte, Kritiken und Essays. Darüber hinaus zählt er neben Josef Luitpold Stern, Theodor Kramer, Rudolf Brunngraber u.a. zu den Gründungsmitgliedern der Vereinigung Sozialistischer Schriftsteller – ein Widerstandsversuch, der durch die Zwangsauflösung des Vereins 1934 nur ein Jahr Bestand haben sollte.

Trotz der inhaltlichen Vielfalt seiner Lyrik sind Akzentuierungen auf existenzielle und politische Fragestellungen erkennbar. So erschien B.‘s erster Gedichtband 1923 unter dem Titel Zueignung – romantische Topoi und Deutungsspielräume finden sich in den noch im selben Jahr in der Arbeiter-Zeitung publizierten Gedichten jedoch nicht. Aktivistisch und parteilich sind jene Werke, die 1932 schließlich unter dem Titel Die Hauptsache ist… Songs in Buchform erschienen und exemplarisch für B.‘s sozialistisch geprägtes Schaffen sind. So erschien die Februarballade 1935 im Exil-Verlag Der Kampf als Reaktion auf den entscheidenden Wendepunkt im Leben B.s: die Februarkämpfe zwangen ihn, als Mitglied des Republikanischen Schutzbundes, zur Emigration in die Tschechoslowakei.

Aus: Arbeiter-Zeitung, 11.11.1933, S. 6

Nach 1934 engagierte sich B. mit zahlreichen Publikationen stark in der Brünner und Prager Exilszene. Einen Höhepunkt B.s literarischer Tätigkeit stellt der Gedichtband „Gedichte aus Europa“ (1937) dar – ein Werk, das für seine formale und inhaltliche Vielfalt u.a. von Max Hermann-Neisse gelobt wurde. 1939 flüchtete B. zusammen mit seiner Frau Vera Dubska über Frankreich, Spanien und Portugal nach London.


Weitere Werke (Auswahl)

Klage um Adonis (1931); Nachdichtungen von vier Dramen des „Aeschylos“ (1923-1927) und diverse weitere Gedichte, darunter Flüsterlied (In: Die Rote Fahne bzw. Das Wort Nr.1/ 1936) und Die Arbeiter von Wien (In: Die Unzufriedene 1926) Führung und Verführung. Eine Antwort an Rudolf Borchardt (1931, Essay); Deutsche Freiheit an der Wolga (1937);Der deutsche Sozialismus von Ludwig Gall bis Karl Marx (1931); Verschwörer. Roman (1951)

Quellen und Dokumente

Aus Viktor Adlers Jugendjahren. In: Arbeiter-Zeitung, 11.11.1933, S. 6.

A. A-r.: Dichtung und Gegenwart. In: Arbeiter-Zeitung, 12.10.1933, S. 6, N.N.: Ideal und Wirklichkeit [Sammelrezension]. In: Arbeiter-Zeitung, 11.2.1933, S. 9, N.N.: Ausbürgerung eines Schriftstellers. In: Arbeiter-Zeitung, 20.1.1935, S. 7.

Teilnachlass: Wien-Bibliothek; Signatur ZPH 1242 bzw. ZPH 1495.

Literatur

Jürgen Serke: Böhmische Dörfer. Wanderungen durch eine verlassene literarische Landschaft (1987), Julius Stieber: Studien zu Fritz Brügel und seiner politischen Lyrik. Vom Aufbruch der österreichischen Sozialdemokratie in den zwanziger Jahren bis zu deren Niederlage im Februar 1934. Diplomarbeit (1991), Ders.: Fritz Brügel im Exil 1934-1955. Studien zu Leben und Werk eines sozialdemokratischen Schriftstellers. Dissertation (1998), Siglinde Bolbecher, Siglinde, Konstantin Kaiser: Lexikon der Österreichischen Exilliteratur (1999), Eckart Früh: Fritz Brügel. In: Noch mehr (2001); Gerd Callesen: Fritz Brügel. In: Günter Benser/Michael Schneider (Hg.): Bewahren, Verbreiten, Aufklären: Archivare, Bibliothekare und Sammler der Quellen der deutschsprachigen Arbeiterbewegung (2009), 53-57 [online abrufbar], Julius Stieber: F. B.s Arbeiterdichtung der österreichischen Zwischenkriegszeit. In: Konstantin Kaiser et al. (Hg.): Rote Tränen. Die Zerstörung der Arbeiterkultur durch Faschismus und Nationalsozialismus, 298-311 (2017).

Harmut Binder: [Rezension zu Fritz Brügels Verschwörer]. In: Neue Zürcher Zeitung, 15.8.1988, S. 20.

Grundlegende Daten im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Biographie in: Das Rote Wien.

Nachlass und Biographie bei: Theodor-Kramer-Gesellschaft.

(SK)