geb. am 21.5.1882 in Wien – gest. nach November 1942 im KZ Auschwitz (?); Schriftsteller, Kritiker, Übersetzer, Komponist

Ps.: Ettore Zanotti

Der in Wien aufgewachsene Sohn eines jüdischen Kaufmanns brach ein Chemie-Studium ab und gab bereits 1902/03 neben einer ersten Erzählung (Der junge Fellner. Ein junger Mensch aus gutem Hause, 1902) die Zs. Das Varieté. Organ für die gesamte Artistenwelt und 1905-1908 Die Kritik. Monatsschrift für das gesamte Kunstleben heraus. Ab 1906 publizierte H. regelmäßig Feuilletons, Theater- und Operettenkritiken in der Neuen Freien Presse (NFP). 1907 wurde er ständiger Mitarbeiter, 1922 Redaktionsmitglied. Sein Essay Heine als Feuilletonist, in dem er Heine als „erste[n] Prosaschreiber ohne Perücke und Zopf“ hervorhob, wurde zum Stichwortgeber für Karl Kraus‘ Um Heine (1906) sowie Heine und die Folgen (1910). Bereits vor 1914 stieg H. zum maßgeblichen Lokalfeuilletonisten der NFP auf, gehörte dem Kriegspressequartier an und berichtete u.a. aus Südtirol und Galizien.

1918-26 übernahm er die Position des verantwortlichen Redakteurs des neugegründeten Magazins Die Moderne Welt, veröffentlichte im Lokalteil der NFP aber bis unmittelbar vor dem „Anschluss“ weiterhin neben Kritiken nahezu wöchentlich Feuilletons zum bürgerlichen Wiener Gesellschaftsleben und alltagskulturellen Phänomenen. Als Ombudsmann der NFP leitete H. zwischen September 1925 und November 1932 zudem die zunächst meist zweimal wöchentlich im Lokalteil, später in der Sonntagsbeilage erscheinende Rubrik Beschwerdebuch. Hermann Broch stellte H. bereits 1921 in eine Reihe mit den Lokalfeuilletonisten Eduard Pötzl und Daniel Spitzer, anlässlich H.s Buch von Wien (1927) resümierte Felix Salten sein Werk; er zeige sich „fast immer als Schriftsteller von ausgesprochen journalistischem Temperament“. H. war u.a. Mitglied des PEN-Clubs, der Concordia sowie des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller.

Neben seiner publizistischen Tätigkeit verfasste H., 1910-13 mit Hans Grünecker Leiter des Possentheaters Max und Moritz, auch Lustspiele wie das in Wien, Berlin und Prag aufgeführte Stück Die verflixte Liebe (1914) sowie Libretti u.a. für Julius Bittner, Edmund Eysler, Oscar Straus und Robert Stolz, Revuen u.a. mit Karl Farkas (Die Reise in die Halbwelt in 120 Minuten, 1925, auch mit Kompositionen H.s), Paul Frank (u.a. Geschäft mit Amerika, 1929) und Rudolf Oesterreicher (u.a. Viel Liebe – wenig Geld, 1935 mit Hans Moser im Deutschen Volkstheater uraufgeführt). Weiters schrieb H. mit Curt Siodmak und Billy Wilder das Drehbuch zu Der Mann, der seinen Mörder sucht (1931 mit Heinz Rühmann verfilmt) und besorgte zahlreiche Übersetzungen und Bearbeitungen von Bühnenstücken.


Weitere Werke (Auswahl)

Wir kennen uns. Gemütliche, gereizte und nachdenkliche Skizze aus Wien (1909), Die plötzliche Insel. Novellen (1912), Die klingende Stadt. Skizzen aus dem lauten und aus dem stilleren Wien (1912), Wo sind die Zeiten … Zehn Jahre Wien in Skizzen (1921), Tennis, Bridge und Eheglück. Die Geschichten von Manzi und Mully (1927)

Dokumente und Quellen

Weitere Beiträge L. H.s: Heine als Feuilletonist. In: Neue Freie Presse, 25.2.1906, S. 31-33, Bilder vom Tage der Nationalversammlung. In: Neue Freie Presse, 13.11.1918, S. 1f., Das schadhafte Wien. Material für die Wiedergutmachungskommission. In: Neue Freie Presse, 14.9.1919, S. 9f., Großstadt zu verkaufen. Offert an einen Ausländer. In: Neue Freie Presse, 12.10.1919, S. 10, Premieren von Aussen. Rand- und Füllbemerkungen eines Theatermüden. In: Moderne Welt III (1920), H. 3, S. 22f., Artur Schnitzler, der Arzt. Ein ungeschriebenes Kapitel seiner Biographie. In: Neue Freie Presse, 15.5.1922, S. 1f., Beschwerdebuch. Eine Rubrik für alle. In: Neue Freie Presse, 20.9.1925, S. 12, Brief an die mondäne Dame. Skeptisch-galante Bemerkungen. In: Moderne Welt VII (1926), H. 20, S. 4, 17, Das häusliche Kino. Filmtagebuch eines Ehemanns. In: Photo-Sport, April 1927, S. 6-8, Der Auto-Baedeker. Gemütlicher Reiseführer für Eilige. In: Neue Freie Presse, 10.7.1932, S. 10f., “G’schichten aus dem Wiener Wald”. In: Neue Freie Presse, 29.9.1934, S. 10, Was halten Sie von 1938? Ein Gespräch um null Uhr null. In: Neue Freie Presse, 1.1.1938, S. 10.

Karl Kraus: Ein loser Scherzbold. In: Die Fackel XIV (1912), H. 363-365, 60-62, N.N.: Der ewige Feuilletonist. In: Arbeiter-Zeitung, 20.8.1915, S. 6, N.N.: Der wohlgenährte Herr Ludwig Hirschfeld. In: Arbeiter-Zeitung, 7.7.1916, S. 4, Hermann Broch: Ludwig Hirschfeld: Wo sind die Zeiten. In: H. B.: Schriften zur Literatur I: Kritik (1975), S. 375f., Kurt Sonnenfeld: Was nicht im Baedeker steht. Ludwig Hirschfelds „Buch von Wien“. In: Neue Freie Presse, 13.8.1927, S. 6, Felix Salten: Das Buch von Wien. In: Neue Freie Presse, 27.11.1927, S. 14, -r [Edwin Rollett?]: “Quer durch Wien.” Ein Sommerstück von Karl Farkas und L. H. In: Wiener Zeitung, 1.6.1930, S. 10.

Literatur (Auswahl)

Nina-Kathrin Behr: H., L. In: Lutz Hagestadt (Hg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Bd. 18 (2012), Sp. 595-597, Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Bd. 1 (2002), 554, Dietmar Goltschnigg: Die Fackel ins wunde Herz. Kraus über Heine, eine „Erledigung“? Texte, Analysen, Kommentar (2000), 51f., Andrea-Maria Jánosi: Theaterkritiker als Theaterschriftsteller. Journalismus und Theater in Wien von der Jahrhundertwende bis 1933. Diss. phil. (1987).

Eintrag im Oesterreichischen Musiklexikon [Online verfügbar].

N.N.: Liebe Eltern, es ist jetzt sehr schön in Wien. Wien vom „Anschluss“ bis zum Novemberpogrom 1938. In: Die Presse, 8.11.2008.

(ME)