eigentlich Leopold Heinrich Pollack, geb. 1866 – gest. Anfang September 1924 in Wien; Journalist, Kritiker

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien war L. ab 1889 als Konzipient tätig, ehe er sich dem Journalismus verschrieb. Von Moritz Szeps gefördert, begann er seine Karriere beim Wiener Tagblatt und übernahm bald die Funktion des Feuilletonisten und Kritikers beim Fremdenblatt, dessen Leitartikler er später wurde. Nach der Jahrhundertwende zog L. nach Berlin und schloss sich dem Berliner Lokalanzeiger und der liberalen National-Zeitung an, für die er Theaterkritiken verfasste. Zudem wirkte er im Beirat für Literatur des Scherl-Verlag.

Noch vor dem Krieg nach Wien zurückgekehrt, blieb L. Korrespondent des Berliner Lokalanzeiger und gehörte fortan der Redaktion der Montagszeitung Der Morgen an. 1913 veröffentlichte er zudem eine Sammlung von Parlamentssatiren unter dem Titel Das Hohe Haus in der Karikatur. Max und Moritz im Parlament.

1917 engagierte L. sich maßgeblich für die Organisation der Wiener Presse. 1921 übernahm er die künstlerische Leitung der neueingerichteten und staatlich subventionierten Klassikerbühne und betätigte sich auch als Dramaturg und Regisseur, u.a. bei William Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung und Alexandre Dumas‘ Kean. Vorrangig wirkte L. bis zu seinem frühen Tod jedoch als Theaterkritiker und besprach u.a. Else Feldmanns Der Schrei, den niemand hört, die späte Uraufführung von Arthur Schnitzlers Reigen („ein hochstehendes, für den Dichter und einer [!] Kulturperiode bedeutungsvolles Werk“) und verriss Karl Kraus‘ Die letzte Nacht entschieden.


Quellen und Dokumente

Beiträge von H. L.: Das hohe Haus in der Karikatur. Parlamentssatiren. In: Neues Wiener Journal, 19.10.1913, S. 7f., Volksbühne. [Rez. zu: Else Feldmann: Der Schrei, den niemand hört]. In: Der Morgen, 14.2.1916, S. 4, Die Moral der Gedankenstriche. Der Reigen. 10 Dialoge von Arthur Schnitzler. Aufführung in den Kammerspielen. In: Der Morgen, 31.1.1921, S. 3, Das Theater der Zuschauer. In: Der Morgen, 3.10.1921, S. 5, Die Karl Kraus-Premiere. In: Der Morgen, 5.2.1923, S. 3,

Eine Bühne für die geistigen Arbeiter. In: Der Morgen, 17.1.1921, S. 6, Schriftsteller H. L. gestorben. In: Neues Wiener Journal, 3.9.1924, S. 9, Maximilian Schreier: H. L. [Nachruf]. In: Der Morgen, 8.9.1924, S. 3f., N.N.: In memoriam. Zum ersten Todestag unseres Dr. Heinrich Leoster. In: Der Morgen, 7.9.1925, S. 6.

(ME)