geb. am 18.1.1900 in Wien – gest. am 26.4.1961 ebenda; Maler, Holzschneider, Grafiker

Als dritter Sohn einer Postbeamtenfamilie absolviert S. die Wiener Kunstgewerbeschule u. a. bei Oskar Strnad. 1920 präsentiert der Kunsthändler Max Hevesi in der Eröffnungsausstellung seiner Galerie erstmals Arbeiten von S. 1922 entstehen in Zusammenarbeit mit dem Kunstkritiker Arthur Roessler erste Buchprojekte, u. a. 13 Druckplatten zu Johannes von Saaz’ Der Ackermann aus Böhmen und 20 zu Roesslers Dialogstück Die Stimmung der Gotik. 1923 gab Erica Tietze-Conrat das Mappenwerk O. R. Schatz. 12 Holzschnitte heraus. Im selben Jahr ist S. zum ersten Mal Gast bei bei der Frühjahrsausstellung des Künstlerbundes Hagen, dem er 1928 beitritt, und er wechselt zum Galeristen Otto Kallir-Nirenstein, der ihn fortan großzügig unterstützt. 1925 erhält S. den österreichischen Staatspreis. Um 1925 kommt S. in Kontakt mit der österreichischen Arbeiterbewegung. 1925/26 gestaltet S. die Bücher des sozialdemokratischen Kulturfunktionärs Josef Luitpold Stern Der entfesselte Prometheus und Der entwurzelte Baum, 1927 folgen der Prachtband Die neue Stadt und Die Rückkehr des Prometheus, beide nach Texten Josef Luitpolds. 1926 entstehen acht Holzschnitte für das Märchen Im Satansbruch von Ernst Preczang, dem Mitbegründer der Büchergilde Gutenberg. Es ist S.’ erste Arbeit für die Büchergilde, der weitere folgen, 1937 noch Upton Sinclairs Co-op, der letzten Band der Büchergilde, der im Prager Exil noch erscheinen konnte. 1929/30 arbeitet S. auch für die Initiative des Verlags Der Strom, mit der „Roman-Rundschau“ bekannte Werke im Zeitschriftenformat zugänglich zu machen. S. illustriert insgesamt vier Nummern u. a. nach Texten von Stefan Zweig, H. G. Wells und Jack London. 1927/28 wendet sich S. in einer Holzschnittserie dem Thema Arbeitswelt zu, wobei er viele der Motive auch als Aquarell ausführt. In seinen Holzschnitten wie seinen Ölbildern übernimmt S. das Dramatische des Expressionismus, das seine von Schiele herkommenden Aktbilder prägt, in die klare Linienführung seiner Bildkompositionen. Auch wo seine Bilder der Neuen Sachlichkeit mit der Eliminierung des Pinselduktus, der nüchternen Detailtreue und dem strengen Aufbau nahestehen, enthalten sie häufig ein Element der Dynamisierung und einen sozialkritischen Kommentar. Während des Zweiten Weltkrieges lebte S., in zweiter Ehe verheiratet mit der Tochter eines jüdischen Industriellen, in Brünn und Prag, am 16. November 1944 wird S. von der Gestapo verhaftet und in verschiedene Arbeitslager verschleppt, zuletzt ins Lager Bistritz. Das Wien der Nachkriegsjahre hält Schatz in Holzschnitten, Ölbildern und Aquarellen fest. Gefördert wird er von Viktor Matejka, der 1947 das Vorwort zu S.’ Mappe mit 18 Holzschnitten nach Peter Roseggers Roman Jakob der Letzte schreibt. 1949 erscheint im Globus Verlag eine Buchausgabe von S.’ 1941 entstandener Mappe Prater mit 48 Aquarellen. Im Rahmen der Initiative „Kunst am Bau“ schuf Schatz bereits in der Ersten Republik Fresken in der Bücherei der Wohnanlage Sandleitenhof im 16. Bezirk und in der später ausgebombten Arbeiterhochschule im 19. Bezirk. Nach 1945 entstehen Mosaike und Wandbilder an sechs Wiener Gemeindebauten und einer Volksschule. Die Kachelmosaike für den Wiener Westbahnhof bleiben unrealisiert, obwohl S. für sein Projekt prämiert wird. Ein 40 qm großes Fresko über das Druckerei- und Zeitungswesen befand sich bis zum Abriss des Kurierhauses in der Wiener Seidengasse im siebten Bezirk.


Literatur

Arthur Roessler: Einiges von und über Otto Rudolf Schatz. In: Österreichische Monatshefte, Nr. 16 (1930), S. 62–75; Fritz Karpfen: „… gesandt zu verkünden …“ O.R. Schatz, Österreichs Maler der Gegenwart, Kämpfer um der Gerechtigkeit Willen. In: Die Zeit. Jg. 2, H. 10 (1949), S. 11–13; Otto Rudolf Schatz: Ein Künstler erzählt von sich selbst. In: Der schöne Brunnen. Jg. 1; H. (1949), S. 352; Jörg Lampe: Die Fresken in der Großdruckerei Waldheim-Eberle. In: Graphische Revue Österreichs H. 11/12 (1953), beigel. Leporello; Wilfried Daim: Otto Rudolf Schatz, Grafik (1978); Wilfried Daim: Otto Rudolf Schatz, Kriegsbriefe (1982); Otto Rudolf Schatz. In: Klaus Schröder: Neue Sachlichkeit, Österreich 1918–1938 (1995), S. 86–105; Wilfried Daim: Meine Kunstabenteuer. Geschichte einer Sammlung (1997); Ernst Presczang: Die Stimme der Arbeit. Ill.: O. R. Schatz. Hg. u. rekonstruiert von Wilfried Daim (1999); Mayr, Brigitte: Otto Rudolf Schatz – Das graphische Werk der Zwischenkriegszeit 1918-1938 (Dip.arb., Innsbruck 1999); Klaus Türk: Bilder der Arbeit. Eine ikonografische Anthologie (2003); Dietrich Kraft, Matthias Boeckl: Otto Rudolf Schatz. 1900–1961 (2010); Hagenbund. Ein europäisches Netzwerk der Moderne 1900 bis 1938 (2014).

Quellen und Dokumente

Otto Rudolf Schatz bei Kunsthandel Widder; Otto Rudolf Schatz bei Artnet;

(EPH)