eigentlich Josef Kolarić, geb. am 1.5.1888 in Hatzfeld/Banat – gest. 1963 in Wien; Schriftsteller

P. S. wurde als Sohn eines Handwerkers im Banat geboren. Nach einer Lehre zum Goldschmied arbeitete S. in Temesvar und Budapest, wo er der ungarischen sozialdemokratischen Partei beitrat. 1907 übersiedelte er arbeitssuchend nach Süddeutschland, wurde SPD-Mitglied und reiste 1908 über Hamburg nach New York aus. Auch dort als Goldschmied und Schlosser häufig arbeitslos, engagierte er sich bei der ungarischen Sektion der amerikanischen Sozialdemokratie. Vermutlich ausgewiesen, kehrte S. über Jugoslawien, das Banat und Slowenien nach Europa zurück und schloss sich der jugoslawischen KP an. 1921 emigrierte er nach Österreich, fungierte aber wohl weiter als kommunistischer Verbindungsmann auf den Balkan.

Ab 1921 veröffentlichte S. Texte in Die Rote Fahne und bildete mit Ernst Fabri und Hans Maier schon vor der Gründung des Bundes der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs die zentrale Achse der kommunistischen Literaturbewegung in Österreich. 1923 veröffentlichte S. in der Reihe Unten und Oben im Berliner Malik-Verlag die Sammlung Die Hütte. Zehn Erzählungen, zu der die Schriftstellerin und Journalistin Frida Rubiner ein Vorwort verfasste. 1925 wurde das Werk in Moskau auf Russisch neu aufgelegt, im selben Jahr dort zudem eine Anthologie von Texten S.s und Oskar Maria Grafs unter dem Titel Arbeitendes Deutschland. Erzählungen schreibender Arbeiter veröffentlicht. Publizistisch trat S. auch in der Berliner Roten Fahne, der Süddeutschen Arbeiterzeitung in Stuttgart, der Illustrierten Roten Woche und dem kurzlebigen BPRSÖ-Organ Durchbruch v.a. mit Erzählungen und Reportagen in Erscheinung. Unterbrochen wurde dies durch einen Moskau-Aufenthalt zwischen 1925-1928, bei dem S., seit 1924 KPÖ-Mitglied, an der Komintern-Kaderschmiede KUNMZ studierte. Anschließend kehrte S. nach Österreich zurück und wurde Betriebsrat in den Steyr-Werken sowie KPÖ-Ortsgruppenleiter. Die Veröffentlichung eines laut Fabri seit ca. 1928 vorliegenden Romans gelang S. auch nach der Gründung des BPRSÖ 1930, an der S. maßgeblich beteiligt war, nicht. Dennoch führte Béla Illés, Sekretär der Internationalen Vereinigung revolutionärer Schriftsteller, S. neben Fabri, Maier und Franz Janiczek in einem Interview als in der Sowjetunion vielgelesenen proletarischen Autor an.

1931/32 übersiedelte er nach Wien und leitete bis zur neuerlichen Emigration nach Moskau im November 1932 das Wiener Büro des Bundes der Freunde der Sowjetunion. In Moskau wirkte S. als Praktikant der Profintern, später als Schulwart und Lehrer an der Karl-Liebknecht-Schule. Nach vorübergehender Inhaftierung im Rahmen des stalinistischen Terrors blieb S. bis zur Rückkehr nach Wien 1948 in Russland.


Quellen und Dokumente

Ausgewählte Beiträge Peter Schnurs: Die große Operation. In: Die Rote Fahne, 30.6.1921, S. 2f., Das Bungalow. In: Die Rote Fahne, 6.8.1921, S. 2, Die Kohlenschaufler. In: Die Rote Fahne, 19.10.1921, S. 2f. sowie neuerlich in: Die Rote Fahne, 20.3.1927, S. 5f., Hast die Signale gehört, Prolet? In: Die Rote Fahne, 13.4.1930, S. 7, Die Wahrheit setzt sich durch. In: Die Rote Fahne, 9.1.1932, S. 7, Herr und Knecht. In: Der Durchbruch 1 (1932), S. 9-12, Die Vorbereitungen zum 1. Mai in Moskau. In: Die Rote Fahne, 26.4.1933, S. 6.

H.: Bücherschau. Peter Schnur: Die Hütte. In: Die Rote Fahne, 25.4.1923, S. 6, Ernst Fabri: [An das] Internationale Büro für Revolutionäre Literatur. Moskau (30.1.1930) [digitalisiert, S. 345-347], h.g.: Die Literatur der Weltrevolution. Interview mit Bela Illes, Sekretär der Internationalen Vereinigung revolutionärer Schriftsteller, Moskau. In: Die Rote Fahne, 15.11.1931, S. 9.

Literatur

Gerald Musger: Der “Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs”. Eine Dokumentation. Graz, Phil. Diss., 1977, N.N.: Schnur, Peter in: Datenbank der österreichischen Stalin-Opfer.

(ME)