Der Gründung der Internationalen Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller (IVRS) gingen verschiedene literaturpolitische Bestrebungen der kommunistischen Bewegungen Europas voraus, etwa der 1918 geschaffene Internationale Proletkult, das 1920 eingerichtete Provisorische Internationale Büro für Proletkult um Anatoli Lunatscharski (1917-1929 sowjetischer Volkskommissar für das Bildungswesen), Max Barthel, John Reed und andere sowie v.a. die von Henri Barbusse und Romain Rolland angeführte internationale Clarté-Bewegung, der u.a. auch Anatole France, Upton Sinclair, Stefan Zweig, Heinrich Mann, Leonhard Frank und Ernst Toller angehörten. Vom V. Weltkongress der Kommunistischen Internationale 1924 ging der Impuls zu einer stärkeren Institutionalisierung der kommunistischen Literaturbewegungen im Sinne einer Literatur-Internationale aus. Dafür wurde 1926 das Internationale Büro für revolutionäre Literatur (IBRL) eingerichtet, dessen Präsidium u.a. Lunatscharski, Barbusse, Johannes R. Becher und F. C. Weiskopf angehörten. Als leitender Sekretär fungierte der ungarische Schriftsteller Béla Illés. 1927 fand in Moskau die I. Internationale Konferenz proletarischer und revolutionärer Schriftsteller statt, an der dreißig Schriftsteller aus elf Nationen teilnahmen (u.a. Becher, Weiskopf, B. Lask, A. Gábor, A. Hollitscher, E. E. Kisch und F. Rubiner) und bei der die Einrichtung nationaler Verbände beschlossen wurde.

Im Oktober 1928 wurde der von Becher dominierte Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Deutschlands (BPRS) in Berlin gegründet, im Februar 1930 der BPRSÖ in Wien. Als Wiener Abordnung reisten im November 1930 Ernst Fabri, Franz Janiczek, Lili Körber und Hans Maier zur II. Internationalen Konferenz proletarischer und revolutionärer Schriftsteller nach Charkow, bei der ausgehend vom IBRL die IVRS gegründet wurde. Unter den rund einhundert Teilnehmern aus 22 Nationen aus Europa, Amerika, Asien und Afrika stellte der dominante deutsche BPRS, der in Berlin eine westeuropäisches IBRL-Dependance geschaffen hatte, mit vierzehn Personen (u.a. E. Glaeser, L. Renn, A. Seghers) nach der russischen Fraktion die größte Gruppe. Becher war als einer von sieben Hauptrednern der einzige Nichtrusse und stieg in das IVRS-Leitungsgremium um Illés auf. Die strikte marxistisch-leninistische Ausrichtung im Kampf gegen Faschismus, Imperialismus und Krieg erfuhr rund um den „Fall Barbusse“ (B. gab in der Zeitschrift Monde 1928-1935 auch Trotzkisten und Liberalen Raum) ab 1928 eine Aufweichung. Nach der Auflösung der russischen Gruppe (RAPP) des Verbandes proletarischer Sowjetschriftsteller (WAPP) und den Amsterdamer Schriftstellerkongress 1932 traten auch bürgerliche Vertreter einer antifaschistischen Literatur neben sozialistischen in Erscheinung. Bis Ende 1932 schlossen sich in der IVRS Gruppen aus sechzehn Nationen zusammen. Neben den Publikationsorganen der einzelnen Verbände wurden mit Bote ausländischer Literatur (1928/30), Literatur der Weltrevolution (1931) und Internationale Literatur (1931-1945) gemeinsame Zeitschriften eingerichtet, wobei letztere auf Russisch, Englisch, Französisch und Deutsch, später auch auf Chinesisch und Spanisch erschien. Als Redakteure fungierten u.a. Becher, Gábor, G. Lukács, S. Tretjakow und E. Weinert, Beiträge verfassten u.a. E. Bloch, L. Feuchtwanger, B. Frei, O. M. Graf, A. Holitscher, K. Kläber, H. Mann, K. Mann, Th. Mann, B. Viertel, F. C. Weiskopf und St. Zweig. Zudem wurden Umfragen, Preisausschreiben, Protestaktionen sowie Russlandreisen organisiert.

Nach der Gründung der Internationalen Schriftstellervereinigung zur Verteidigung der Kultur (IVSK) in Paris wurde die IVRS und ihre noch bestehenden Unterorganisationen Ende 1935 aufgelöst.


Quellen und Dokumente

Verzeichnis der Artikel in Internationale Literatur 1933-1945: Exilpresse digital

Ernst Fabri: Über die Arbeit der österreichischen Sektion der IVRS. In: Internationale Literatur 3 (1933), H. 1, S. 144f. Abgedruckt bei Gerald Musger: Der “Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs (1930 – 1934). Eine Dokumentation. Graz, Univ. Diss., 1977, S. 291-294, N.N.: Bericht über die Tätigkeit des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller im Jahre 1929 [1930]. In: Zur Tradition der deutschen sozialistischen Literatur. Eine Auswahl von Dokumenten. Bd. 1: 1926-1935. Berlin, Weimar: Aufbau 1979, S. 180-194.

N.N.: Der Kongreß in Charkow. Der Rechenschaftsbericht der proletarischen revolutionären Schriftsteller. In: Die Rote Fahne, 20.11.1930, S. 3, h. g.: Der kulturelle Vormarsch des Bolschewismus. Interview mit Bela Illes, Sekretär der Internationalen Vereinigung revolutionärer Schriftsteller, Moskau. In: Die Rote Fahne, 1.11.1931, S. 9, h.g.: Die Literatur der Weltrevolution. Interview mit Bela Illes, Sekretär der Internationalen Vereinigung revolutionärer Schriftsteller, Moskau. In: Die Rote Fahne, 15.11.1931, S. 9.

Literatur

Doris Danzer: Zwischen Vertrauen und Verrat. Deutschsprachige kommunistische Intellektuelle und ihre sozialen Beziehungen (1918-1960) Göttingen: V&R unipress 2012, S. 174ff, Simone Barck: Internationale Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller. In: S. B. et al. (Hg.): Lexikon sozialistischer Literatur. Ihre Geschichte in Deutschland bis 1945. Stuttgart [u.a.]: Metzler 1994, S. 223-226, Thomas Dietzel, Hans-Otto Hügel: Deutsche literarische Zeitschriften 1880-1945. Ein Repertorium. Bd. 1. München [u.a.]: Saur 1988, S. 753, N.N.: Internationale Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller. In: Inge Diersen (Hg.): Lexikon sozialistischer deutscher Literatur. Von den Anfängen bis 1945. Leipzig: Bibliographisches Institut 1964, S. 257-261, Christa Streller, Volker Riedel: Internationale Literatur. Moskau, 1931-1945. Bibliographie einer Zeitschrift. Zwei Bde. Berlin: Aufbau 1985. Heinz Willmann: Antifaschistische Tribüne: „Internationale Literatur“. In: Streller/Riedel 1985, Bd. 1, S. 5-22.

(ME)