geb. am 20.5.1905 in Wien (Lemberg?) – gest. am 4.7.1994 in Berlin; Schriftstellerin, Kabarettistin, Regisseurin

Ps.: Elisabeth Frank, Hannchen Lobesam, Hedda

Z. wuchs als Tochter eines tschechoslowakischen Staatsbeamten in Wien auf, wo sie gegen den väterlichen Wunsch 1923-25 an der Schauspielakademie studierte und Elevin am Raimundtheater wurde. Nach ihrem Debüt in Wien folgten Engagements u.a. an der Stuttgarter Volksbühne, in Baden-Baden, Wilhelmshaven, Bunzlau und Zwickau, bei denen sie ihren späteren Ehemann, den Schriftsteller Fritz Erpenbeck, und den in der KPD aktiven Schriftsteller Ludwig Renn kennenlernte, der sie ideologisch nachhaltig beeinflusste. Z. ließ sich 1929 in Berlin nieder und schloss sich als Reaktion auf die Polizeigewalt gegen Menschenrechtsaktivisten der KPD, dem Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Deutschlands um Johannes R. Becher und der Arbeiterkorrespondenzbewegung an. Sie arbeitete als Reporterin für die Berliner Rote Fahne, die Arbeiter-Illustrierten-Zeitung (AIZ), Welt am Abend, die Arbeiterstimme sowie für die Zs. Weg der Frau und Magazin für alle und veröffentlichte Erzählungen, Gedichte und Songs, die sie auf Arbeiterversammlungen selbst ebenso vortrug wie Texte des für sie prägend wirkenden Satirikers Erich Weinert. Neben Arbeiten über Verelendung und Massenarbeitslosigkeit vertrat Z. prononciert antifaschistische Positionen (z.B. Ballade vom großen TrommlerPG Äpfelchen). Eine Reihe von Texten erschien auch im Feuilleton der Wiener Roten Fahnesowie in der Illustrierten Roten Woche.

Nach der Machtübernahme Hitlers emigrierte Z. im März 1933 über Wien und Prag, wo ihr Mann als Herausgeber der AIZ im Exil fungierte. Z. publizierte nun unter dem Pseudonym Elisabeth Frank u.a. in der Neuen Weltbühne und baute in Prag ab Mai 1933 das politische Exilkabarett Studio 1934 auf, für das sie drei Programme verfasste und dem u.a. der Regisseur Hanuš Burger und Albin Stübs angehörten. 1935 übersiedelte sie mit ihrem Mann, der als Korrespondent weiter für die AIZ arbeitete, in die Sowjetunion, wo beide in Gustav von Wangenheims Exilfilm Kämpfer (1936) vor der Kamera standen. Im selben Jahr, in dem er auch die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, erschien mit Unter Dächern Z.s erster Gedichtband, dem 1939 mit Das ist geschehen ein zweiter folgte. Ebenfalls 1939 entstand ihr Dramendebüt Caféhaus Payer, das eine Wiener Familie nach dem „Anschluss“ zeigt. 1941 überarbeitet, wurde es im Juni 1945 in Rostock uraufgeführt.

Neben den literarischen Arbeiten betätigte sich Z. im Exil vorrangig als Redakteurin der Deutschen ZentralzeitungZwei Welten und Internationale Literatur sowie als Hörspielautorin und Sprecherin für den Moskauer Rundfunk, für den sie ab dem Herbst 1941 auch am Aufbau von illegal nach Deutschland sendenden Rundfunkstationen in der Stadt Ufa im Ural vorantrieb. Im Juni 1945 kehrte sie nach Berlin zurück, wo sie sich der SED anschloss, die Spielleitung im Haus des Rundfunks übernahm und u.a. Ernst Fischers Das Märchen von singenden Knöchlein sowie ihre zweite Gedichtsammlung Das ist geschehen, erschienen 1939, ebenso wie Anna Seghers‘ Das siebte Kreuz und Johannes R. Bechers Winterschlacht als Hörspiel realisierte. Als staatstreue und hochdekorierte Vertreterin der DDR-Literatur publizierte Z. bis zu ihrem Tod. Ihr Sohn ist der Physiker und Autor John Erpenbeck (*1942), dessen Tochter die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck (*1967).


Werke (Auswahl)

Alltag eines nicht alltäglichen Landes (1950), General Landt (1950/51 als Hörspiel, 1957 als Drama), Der Teufelskreis (1953), Nur eine Frau (1954), Ravensbrücker Ballade (1961), Ahnen und Erben (1968-73), Selbstbefragung. Erinnerungen (1986)

Quellen und Dokumente

Kunst- und Denkmalschutz. In: Die Rote Fahne, 3.8.1930, S. 5, Die streitbare Kirche. In: Die Rote Fahne, 24.8.1930, S. 7f, „… uff eenmal wie umjewandelt“. Interview der Genossin Hedda mit einer Siemens-Metallarbeiterin. In: Die Rote Fahne [Berlin], 23.11.1930, S. 12, Die Gräfin lächelte milde. In: Die Rote Fahne [Berlin], 29.11.1930, S. 11, Schämen sie sich nicht? In: Die Rote Fahne, 21.2.1932, S. 9, Frauen kämpfen. In: Illustrierte Rote Woche 1 (1932), H. 15, S. 12.

Literatur

Lexikon sozialistischer deutscher Literatur, 563-565 (1964), Killy Literaturlexikon Bd. 12, 688f (2011), Simone Barck: Z., H. In: S. B. (Hg.): Lexikon sozialistischer Literatur. Ihre Geschichte in Deutschland bis 1945, 517-519 (1994), Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft: 18. bis 20. Jahrhundert. Bd. 1, 1519 (2002), Bernd-Rainer Barth, Peter Erler: Zinner, Hedda. In: Wer war wer in der DDR? (2010) [Onlinefassung], Jana Rahders: Kann man sein Leben lang die Wahrheit verleugnen? Das sozialistische Weltbild der DDR-Autorin Hedda Zinner. In: Siegfried Lokatis (Hrsg.): Vom Autor zur Zensurakte. Abenteuer im Leseland DDR, 73-80 (2014).

Lilli Ruks: Hedda Zinner. Eintrag bei Traum und Trauma. Die Sowjetunion als Exilland für deutsche Schriftsteller (1933-45).

Sowjetzone. Der Anti-Teufelsgeneral [Rez. zu General Landt]. In: Der Spiegel 27 (1957), Die Schriftstellerin Hedda Zinner ist 89jährig gestorben. Von der Schauspielerin zur politischen Schriftstellerin. In: Berliner Zeitung, 5.7.1994, Hedda Zinner. Zu ihrem 20. Todestag. Die Linke online (2014).

(ME)