eigentl. Otto Friedländer-Zoff, geb. am 9.4.1890 in Prag – gest. am 14.12.1963 in München; Dramaturg, Schriftsteller, Feuilletonist, Bohèmien, Emigrant

Aus einer Beamtenfamilie kommend, die 1892 nach St. Pölten u. anschließend nach Hainfeld übersiedelte, absolvierte Z. seine schulische Laufbahn in Wien, wo er bereits 1906 das Studium der Kunst- u. Literaturgeschichte aufnahm u. 1914 promovierte. 1912 trat Z. in der Zs. Brenner mit Ged. u. Erzählungen, z.B. Dina (H.22/1912) hervor u. veröffentl. 1913 seinen ersten Roman Das Haus am Weg. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er, journalistisch tätig, in Berlin, wo er u.a. für das Berliner Tageblatt, den Berliner Börsen-CourierMärz, die Neue RundschauBeitr. verfasste u. 1916-17 Lektor des S. Fischer Verlags war. Für die ›Österreich-Bibliothek‹ bei Insel war Z. auch als Hg. des patriot. Bändchens 1809. Dokumente aus Österreichs Krieg gegen Napoleon tätig. Seit 1917 arbeitete er als Dramaturg an den Münchner Kammerspielen, wo er ab 1919-23 die stv. Direktion innehatte. 1918-20 partizip. Z. an der express. Bewegung, u.a. mit dem Trauerspiel Kerker und Erlösung (1919). In den 1920er Jahren überwogen, z.T. sehr erfolgreich, dramat. Bearbeitungen literar.Vorlagen, z.B. 1923 Die Freier nach J.v. Eichendorff, Das Kaffeehaus nach C. Goldoni,  Die Andacht zum Kreuz (1925) nach Calderon oder Die ungöttliche Komödie nach Krasinski (1927). Sein Schauspiel Maria Orlowa (UA 1926), mit Max Ophüls in einer Rolle, wurde dagegen reserviert bis ablehnend, für A. Polgar im Morgen „peinliches Theater“,  aufgenommen. Seit 1926 wurden regelmäßig Texte von ihm auch in versch.  Radioprogrammen (Wien, Breslau, München) gesendet; Radiodramen wie z.B. die freie Nachdichtung von Calderons Die Locken des Absalon (1929), Hörspiele wie Revolution in China (1930) u. Prosa, die Z. als ›Mikrophon-Feuilletons‹ ( z.B. 1932  über Die Elevin) bezeichnete. 1929 erschien sein vielleicht wichtigster Roman, Die Liebenden, der recht kontrovers aufgenommen worden ist als ein Roman mit teils neusachlichen, teils reißerisch-konventionellen Zügen. Seit 1931 lebt Z. häufig in Italien, 1933 ehelicht er Liselotte Kalischer, mit der er, nachdem seine Bücher auf die Verbotsliste gekommen waren, nach Italien flüchtet. Dort trifft er sich oft mit Guido v. Kaschnitz u. versucht sich mit Glücksspiel durchzuschlagen, erhält aber ab 1936 wieder die Möglichkeit in deutschen Verlagen zu publizieren, z.B. 1937 seine histor. Darstellung Die Hugenotten. 1940 trifft sich Z. mit geflüchteten dt. Intellektuellen wie W. Benjamin an der Riviera u. versucht ein Visum für die USA zu erhalten. Dieses besorgt ihm der Ex-Gatte seiner Frau, der in New York lebt, sodass beide 1941 in die USA einreisen können. Obwohl Z. in New York Kontakte und Freundschaften wie zum Verleger K. Wolff, zu Hermann Kesten oder Bertolt Brecht (in erster Ehe mit einer Schwester Z.s. verh.) reaktivieren konnte, vermochte er literar. kaum mehr Fuß zu fassen. In der Nachkriegszeit nimmt Z. Korrespondentenarbeit für versch. deutsche Zeitungen an. Erst Ende der 1950er Jahre gelingen ihm mit Nachdichtungen, z.B. König Hirsch (1959), wieder gelegentliche Erfolge.


Weitere Werke

Der Schneesturm (Trauerspiel, 1919); Der Winterrock (Roman, 1919); Tizian (1922); Das Leben des Peter Paul Rubens (1923); Die Stegreifkomödie (1926); Rosen und Vergißmeinnicht (Komödie, 1933); Franz Schubert. Das wahre Gesicht seines Lebens (1939); Die Glocken von London (frei nach Ch. Dickens, 1960); Tagebücher aus der Emigration (1939-1944; 1968);

Quellen und Dokumente

Theaterreise durch Deutschland. In: Neues Wiener Journal, 1.5.1924, S. 8f,; Urias [Erzählung]. In: Österreichische Illustrierte Zeitung, 25.8.1929, S. 8-10,; Negersage. In: Wiener Bilder, 3.3.1935, S. 17f.

Hermann Menkes: Neue Erzählungen. E. v. Keyserling: „Feiertagskinder.“ – O. Z.: „Der Winterrock. In: Neues Wiener Journal, 1.8.1919, S. 3, -zel: [Rez. zur Aufführung von Die Freier in Klagenfurt]. In: Arbeiterwille, 17.2.1925, S. 12, Hans Brecka: Akademietheater. „Maria Orlowa“. Ein Schauspiel von O. Z. In: Reichspost, 6.2.1926, S. 6, Alfred Polgar: Theater. „Maria Orlowa“. In: Der Morgen, 8.2.1926, S. 4.

Nachlass: Literaturarchiv Marbach (15 Briefe); Zu weiteren Beständen: Kalliope.

Literatur

U. Keller: Otto Zoffs dramatische Werke: vom Theater zum Hörspiel (Diss. 1986 Wien, publiz. 1988); P. Engel: Repräsentant einer versunkenen Welt. Der Erzähler u. Dramatiker O. Zoff. In: H. Binder (Hg.): Brennpunkt Berlin (1995), 291-317.

Eintrag bei verbrannte-und-verbannte.de.

(PHK)