geb. am 9.7.1879 in Wien – gest. am 2.1.1960 in Zürich; Politiker, Journalist

Nach seinem Studium der Mathematik, Physik und Chemie in Zürich war der Sohn von Viktor Adler als Redakteur der sozialdemokratischen Tageszeitung Volksrecht und als Hochschullehrer an der ETH tätig. Ab 1911 bekleidete er, wieder in Wien, das Amt des Parteisekretärs in der SDAPÖ, das er als Exponent des linken Flügels aus Protest gegen die offizielle Kriegspolitik seiner Partei 1914 zurücklegte und fortan als Redakteur der Monatsschrift Der Kampf agierte. In seiner fortgesetzten Kritik an der konformistischen Haltung der Sozialdemokraten in Kriegsfragen erhielt er Unterstützung von Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Max Adler, Robert Danneberg und Leopold Winarsky, die sich im Verein „Karl Marx“ zusammenfanden.

Am 21. Oktober 1916 erschoss A. den k.u.k. Ministerpräsidenten Karl Graf Stürgkh, den er als Hauptverantwortlichen für die Fortsetzung des Krieges betrachtete und wurde daraufhin zunächst zum Tode verurteilt, schließlich jedoch zu 18 Jahren Haft begnadigt. In seiner Verteidigungsrede vor Gericht bekannte sich A. als voll verantwortlich für und zu seiner Tat und hielt ein leidenschaftliches Plädoyer gegen den Krieg, das bis heute als bedeutsames Dokument in der Geschichte der Arbeiterbewegung gilt. Während der Haft entstand die philosophische Schrift Ernst Machs Überwindung des klassischen Materialismus, die 1918 erschien. Nach seiner Amnestie und Entlassung kurz vor Kriegsende wurde A. zum Vorsitzenden der Wiener Arbeiterräte gewählt. Die ihm angetragene Leitung der neugegr. KPÖ lehnte er ab; auf die darauf erfolgte Kritik durch Trotzki reagierte er im Kampf im Dez. 1919 mit einem offenen Brief an Leo Trotzky, in dem er sich gegen jegliche Vereinnahmung verwahrte und seine Strategie als richtige darlegte. Von 1920 bis 1923 war er Nationalratsabgeordneter für die SDAPÖ. Nach Rücklegung seiner Parteiämter wurde er Sekretär der Sozialistischen Arbeiterinternationalen und übte diese Funktion nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten zunächst in Zürich und ab 1935 in Brüssel aus. 1940 emigrierte er in die USA, wo er das „Austrian Labour Committee“ gründete. 1948 kehrte er nach Europa zurück und lebte bis zu seinem Tod 1960 in Zürich. Er wurde am Wiener Zentralfriedhof an der Seite der sozialdemokratischen Politiker Engelbert Pernerstorfer, Viktor Adler, Otto Bauer und Karl Seitz begraben.


Werke (Auswahl)

Die Sozialdemokratie in Deutschland und der Krieg, 1915; Die Erneuerung der Internationale, 1918; Friedrich Adler vor dem Ausnahmegericht: die Verhandlungen vor dem §14-Gericht am 18. Und 19. Mai 1917 nach dem stenographischen Protokoll (1919, 1923 Neuauflagen und kommentierte Editionen 1967, 1978 und zahlreiche Print on demand-Ausgaben); Möglichkeiten der Internationale, in: Der Kampf, 1920, Heft 10, S.  S. 353-356; Das Stalinsche Experiment und der Sozialismus, in: Der Kampf. 1932, Heft 1, S 4 – 16; Victor Adler. Briefwechsel mit August Bebel und Karl Kautsky, 1954 (Hrsg.); Das Apriori des Sozialismus, in: Neues Forum, 1966, Heft 154

Quellen und Dokumente

Angaben zum Nachlass finden Sie hier.

Literatur

Hans Hautmann: Geschichte der Rätebewegung in Österreich 1918-1923 (1987); Rudolf G. Ardelt: Friedrich Adler (1984); J. Blackmore, R. Itagabi, S. Tanaka (Hg.): Ernst Mach’s Vienna 1895-1930 (2001) S. 27-60.

Eintrag bei dasrotewien.at, Eintrag bei wien.gv.at, Michael Prüller: Friedrich Adler. Online bei: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich, Eintrag in: Michael Franzke, Uwe Rempe (Hrsg.) – Linkssozialismus, Texte zur Theorie und Praxis zwischen Stalinismus und Sozialreformismus (1998) [Online verfügbar], N.N.: Ein Mord. Bericht auf wien.gv.at.

(MA)