geb. am 8.2.1855 in Wien – gest. 29.5.1929 in Wien; Schriftsteller, Journalist, Herausgeber

Ps.: Alpheus

C. wuchs nach dem frühen Tod des Vaters alleine mit Mutter Charlotte Cohn in Wien auf und betätigte sich zunächst im mütterlichen Bankhaus, wandte sich jedoch bald dem Journalismus zu. Mit Ernst Ziegler gründete er 1887 die Zs. Wiener Mode und war zugleich als sozialkritischer Kolumnist für die Zs. Die Wage tätig. Mit Maximilian Schreier gründete er 1910 die Montagszeitung Der Morgen, für die er zwischenzeitlich als Herausgeber und leitender Redakteur fungierte und u.a. mit den Finanziellen Unterhaltungen als Autor in Erscheinung trat; 1915 erschien mit Morgendämmerung eine Sammlung „satyrische[r] und ernste[r] Kampf- und Strafschriften“ (Der Morgen, 29.3.1915). Im selben Jahr gründete C. wohl mit Unterstützung der Freimaurer die sozialkritische, zunächst explizit dem Marxismus verschriebene und gemeinschaftlich organisierte Tageszeitung Der Abend. Weiterhin überwiegend unter dem Pseudonym „Alpheus“ publizierend, positionierte sich C. als Kritiker sozialer Missstände im Wien des Weltkrieges bzw. der jungen Republik. Zugleich förderte C. die jungen Autoren Bruno Frei und Else Feldmann, die noch während des Ersten Weltkrieges erste Reportagen im Abend veröffentlichen konnten. Zunehmend umstritten war hingegen C.s Tätigkeit als Herausgeber, war er nämlich mit seinem Sohn Ernst, der 1928 die Herausgeberschaft des Abend übernehmen sollte, und mit Chefredakteur Alexander Weisz wiederholt in breit rezipierte Korruptionsfälle verwickelt. Auch mit der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, deren Mitglied er war, und ihrer Presse geriet C. zunehmend in Konflikt. In der anonym veröffentlichten Flugschrift Ich klage an! wurde C. 1925 als „politischer Verwandlungskünstler“ und „Moraltrompeter von Wien“, der bereits in der Wiener Mode Frauen zum Börsenspiel verleitet hätte, verunglimpft. In einem Nachruf sollte die Reichspost C. als einen „Souverän der demagogischen Phrase und [ein] nicht alltägliches kritisches Talent“ (Reichspost, 30.5.1929, S. 5) beschreiben. Frei würdigte Colbert in der Berliner Weltbühne mit einem ausführlichen Nachruf.

C. trat in den Zwanzigerjahren als Kritiker des Kapitalismus auch als Buchautor in Erscheinung. 1924 veröffentlichte er die Monographie Bankleute und Börsenspieler vor 2000 Jahren. Ein Beitrag zur Sittengeschichte, ein Jahr später erschien der Roman Das goldene Kalb. Ein Roman aus der Geldwelt in Fortsetzungen in der Zeitung Arbeiterwille. Von der Bildungsarbeit als „lesenswerter Tendenzroman“ rezensiert, folgte 1926 die Buchpublikation. Als „fanatischer Feind des Bank- und Börsenwesens“ (Der Morgen, 29.5.1927) ließ C. 1927 mit Der Börsenschwindel des John Law. Ein Beitrag zur Revolutions- und Sittengeschichte ein weiteres Werk folgen.


Quellen und Dokumente

Finanzielle Unterhaltungen. Die Reklame. In: Der Morgen, 18.4.1910, S. 7, Wien und Berlin. In: Der Morgen, 1.2.1915, S. 5f., Für die Bastardkinder des Glücks. In: Der Morgen, 29.3.1925, S. 5f., Die Sonntagsgans. Ein wenig angewandte Volkswirtschaftslehre. In: Der Morgen, 17.5.1915, S. 4, Der Schrei, den niemand hört. Schauspiel aus dem Ghetto von Else Feldmann. In: Der Abend, 14.2.1916, S. 4, Die Dividendenwiese. In: Der Morgen, 21.8.1916, S. 5, Ein Märchen für Wiener Kinder. In: Der Morgen, 18.6.1917, S. 5, Hinter den Kulissen der Weltgeschichte. Der Harem im Frauenkloster. In: Arbeiterwille, 21.4.1922, S. 1f., Das goldene Kalb (Fortsetzungsroman). In: Arbeiterwille, 19.4.1925, S. 7f.

Morgendämmerung. In: Arbeiterinnen-Zeitung, 19.1.1925, S. 4, Morgendämmerung. Bilder aus dem Wien, das war, das ist und das wir schaffen wollen. [Inserat] In: Der Morgen, 29.3.1915, S. 12, Eine Berichtigung Colberts. In: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 14.4.1919, S. 4f., Die Flucht des „Abend“ aus dem Gerichtssaal. C. C. auf der Anklagebank der Oeffentlichkeit. In: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 22.7.1919, S. 5f., H. Eisenmenger: Der weiße Hirsch vom Stickelberg. In: Österreichische Forst-Zeitung, 27.2.1920, S. 2f., Colbert und Kola. Ein Sittenbild aus der Vorkriegszeit. In: Neues Wiener Journal, 28.5.1924, S. 3, Gustav Pollatschek: Karl Colbert, Bankleute und Börsenspieler vor 2000 Jahren. In: Der Kampf 18 (1925), H. 3, S. 117f., Karl F. Kocmata: Die von mir „vorgespielten Beziehungen zum Wohnungsamt“. Herrn C. C. gewidmet, als einen Beitrag aus der jüngsten Vergangenheit für die Gegenwart. In: Gesindel 1 (1925), H. 2, S. 1-5, Der Korruptionsskandal des „Abend“. In: Die Rote Fahne, 10.2.1926, S. 1, Er hat noch nicht genug. In: Die Rote Fahne, 24.2.1926, S. 3, L. Th.: „Ein lesenswerter Tendenzroman“. In: Bildungsarbeit XIII (1926), H. 3, S. 58, M.: Der Börsenschwindel des John Law. In: Der Morgen, 29.8.1927, S. 5, G. P.: Revolutions- und Sittengeschichte. In: Arbeiter-Zeitung, 18.12.1927, S. 19, C. C. gestorben. In: Arbeiter-Zeitung, 30.5.1929, S. 3, C. C. gestorben. In: Arbeiter-Zeitung, 30.5.1929, S. 3, C. C. gestorben. In: Die Rote Fahne, 30.5.1929, S. 3, In Memoriam C. C. In: Der Morgen, 3.6.1929, S. 7f., Bruno Frei: Carl Colbert. In: Die Weltbühne 25 (1929), 26, S. 964-968.

(ME)