geb. am 7.4. 1880 in Brünn/Brno – gest./ermordet am 14.1.1941 im KZ Dachau; (Drehbuch)Autor, Conferencier, Kabarettist, Kabarett-Direktor, Regisseur, Theater- und Filmschauspieler

Der Sohn eines Kunsthändlers mit jüdischem Familienhintergrund studierte 1899-1903 Jus an der Universität Wien ohne abzuschließen, denn er wandte sich bald dem Kabarett zu. Erstmals trat er 1906 im gerade neueröffneten Kabarett ›Die Hölle‹ (Linke Wienzeile 6) mit lustigen Geschichten und Sketches auf und war auf Anhieb erfolgreich. Nach Gastspieljahren in Berlin und Erfolgen im ›Chat noir‹ (ab 1907), ersten Libretti für Operetten, z.B. Die Dollarprinzessin (Musik: Leo Fall), Liebeswalzer (gem.mit Robert Bodansky, 1908) oder Der Zigeunerprimas (für Emmerich Kálmán, 1912) kehrte Grünbaum nach drei Jahren nach Wien zurück und trat dort v.a. im Simpl auf, wo er u.a. auf Karl Farkas traf. 1915 wurde sein Lustspiel Sturmidyll in St. Pölten aufgeführt, danach auch an anderen kleinen Bühnen wie z.B. in Marienbad, wo es „außerordentlich gefiel“ (Humorist, 1.8.1915,3); im Sept. 1916 folgte die gem. mit Willy Sterk geschriebene Operette Mein Annerl (UA im Carltheater), 1917 eine weitere (gem. mit Alexander Engel verfasste) unter dem Titel Die Puppenbaronessen (Apollotheater), welche die AZ als „nicht ganz so dumm wie die meisten Operettentexte“ einstufte (AZ, 7.9.1917, 6), sowie seine erste Ausstattungsrevue Hallo Femina aus Anlass der Wiedereröffnung der Femina-Revuebühne (NFP. 31.10.1917,1). Darüber hinaus wirkte er am Varietè-Programm des Apollo-Theaters mit; dasselbe gilt auch für 1918. Grünbaum war mit Singspielen und Operetten im Ronacher wie z.B. Das Busserlschloß bzw. Der rote Graf, mit Revuen in der Femina, Kabarettstücken im Simplizissimus und im Apollotheater an maßgeblichen Stätten der Wiener Kabarett-, Revue- und Operettenszene aktiv und arbeitete darüber hinaus noch bei weiteren Projekten in unterschiedlichen personellen Konstellationen mit, 1919 u.a. auch am Programm der Künstlerspiele Pan.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, an dem er als Freiwilliger teilgenommen hatte, entstanden im Simpl ab Silvester 1918 (regelmäßig dann ab Juli 1921) die berühmten Doppelconférencen mit Karl Farkas sowie gemischte Programme mit der Chanconette Mitzi Dressel; ab Mitte der 1920er arbeitete das Duo Grünbaum/Farkas auch für größere Ausstattungs-Revue-Programme regelmäßig zusammen. 1920 verfasste er ferner das Libretto für die Operette Donaukinder von Edmund Eysler, 1921 unternahm er eine Auslandstournee, 1922 begann die Zusammenarbeit mit Beda (Fritz Löhner), woraus Der Keuschheitsapostel entstand (UA in den Kammerspielen), das erfolgreich war, aber eher gemischt aufgenommen wurde. Ende Juli vermeldete das NWJ (29.7.) die Annahme des neuen Lustspiels Dorinne und der Zufall (Musik: J. Gilbert) durch das Neue Theater am Zoo in Berlin, das im Sept. 1923 als Gastspiel im Wiener Bürgertheater, anschließend im Apollo und danach noch am Linzer Landestheater und im Jänner sowie im Juni 1924 am Grazer Opernhaus gegeben wurde und den intensiven Austausch zwischen Wiener und Berliner Lustspiel- bzw. Operettenszene anzeigt. 1922-23 wirkte Grünbaum auch an den Nachtkabarett-Veranstaltungen im Großen Konzerthaussaal mit, womit die Reichweite und Resonanz des zeitgenöss. Kabaretts über die bekannten Bühnen hinaus deutlich wird. Die Vielseitigkeit Grünbaums schlug sich auch in seiner Schauspiel-Tätigkeit nieder; 1924 spielte er z.B. Hauptrollen in der Kalman-Operette Ein Herbstmanöver sowie im Schwank Baronin Fritzi; für das J. Strauß Theater verfasst er gem. mit W. Sterk die Operette Des Königs Nachbarin oder für das Renaissancetheater das Kindermärchen Max und Moritz reisen ins Schlaraffenland, das von F. Lehár vertont wurde. Darüber hinaus wirkte er auch in Berlin im Kabarett der Komiker (KadeKo), sondierte Möglichkeiten, in der Berliner Szene sich stärker zu verankern, stellte für das Winterprogramm die deutsch- amerikan. Operette Schirin (wieder mit W. Sterk) fertig und eröffnete im Sept. 1924 in Wien eine eigene Kleinkunstbühne, das ›Pavillon‹ in der Walfischgasse, wozu er auch den programmt. Text Mein Kabarett verfasste. Auf ihm traten mit Arnold Korff, Karl Farkas, und Armin Berg weitere bekannte Größen auf, aber auch Hans Liebstoeckl und immer wieder deutsche (Berliner) Gäste, während Elsie Artmann neueste amerikanische, verwienerte Songs bei steuerte und Josma Selim Chancons, die von Ralph Benatzky am Piano begleitet wurden. 1925 wandte sich Grünbaum, „der witzigste aller Sprachjongleure“ (Der Tag, 12.2.1925) neben seinem eigenen Pavillon-Programm wieder stärker dem Revue-Genre zu, z.B. mit Rund um den Mittelpunkt (für: Hölle) oder An alle… (Ronacher), welche, parallel zu den Aufführungen, auch in einschlägigen Verlagen (Boheme-Verlag; Wiener Operettenverlag) zum Druck gelangten.

1926 folgte zunächst Ende Jänner die Operetten-Revue Journal der Liebe (gem. mit Farkas); wenige Wochen danach führte die Mitwirkung des Concordia-Präsidenten E. Wengraf am Pavillon-Programm zu einer öffentlichen Polemik, die Wengraf zur Niederlegung seines Amtes bewegen sollte. Grünbaum bearbeitete aber auch Operetten für Stummfilme, die dann auch in den Wiener Kinos liefen. Im Juni dess. Jahres wurde er, gem. mit K. Farkas, künstlerischer Direktor der Revuebühne Wiener Stadttheater, die zum Marischka-Theaterkonzern (auch die Raimundbühne ab 1926) gehörte. Auch im Folgejahr war Grünbaum recht umtriebig; zuerst unterzeichnete er im April den Wahlaufruf Kundgebung des geistigen Wien für die SDAPÖ, sah im Mai auf der Rolandbühne seine Operette Meine Tochter Otto und im Juni auf dem J. Strauß-Theater Die Rose aus Schiras aufgeführt, beide gemeins. mit W. Sterk verfasst. Ende August brachte er schließlich die Revue heraus, die immer mit seinem Namen verbunden blieb: Hallo, hier Grünbaum! Fred Heller schrieb über sie im Tag, sie sei „ungefähr Faust III. Teil, und noch viel lustiger als der zweite.“ (Der Tag, 31.8.1927). An der Revue wirkten auch zwei Girl-Truppen sowie die Tänzerinnen Claire Bauroff und Maria Ley, im Nov.-Dez. Nina Payne, mit. Ab Oktober spielte zudem am Bürgertheater die mit Farkas verfasste Revue Wien lacht wieder, die zuvor bereits 430 Mal am Stadttheater gegeben wurde. Ende Jänner 1928 folgte die nächste Premiere: Weltgeschichte fällig? Ein Spiel von Helden und Verbrechern in 26 lustigen Bildern (gem. mit Armin Friedmann, unter Mitwirkung von A. Berg, R. Gilbert u.a.m.), – „einfallsreich, gewagt, frech, immer Überraschungen servierend“ sowie mit guter Jazzkapelle (Die Stunde, 22.1.1928,8), während der Tag zurückhaltender urteilte. Mit Flirt und Jazz, gem. verf. mit Farkas, gelang ihm im Dez. wiederum ein Achtungserfolg auf dem nicht einfachen Revue-Terrain. 1928-29 hielt er sich längere Zeit in Berlin auf, was Spekulationen nährte, er würde dort ein Kabarett oder eine Revuebühne eröffnen. Im Okt. 1929 wirkte er aber wieder am Simplizissimus-Programm sowie in den Kammerspielen mit, wo er 1930 auch eine neue hybride Operetten-Revue, Intermezzo im Zirkus, zur Aufführung brachte, zu der wieder Benatzky die Musik komponierte. Nach fast zweijähriger Unterbrechung nahm er auch seine Conférencier-Tätigkeit im Pavillon wieder auf. Im Juni 1931 folgte die Revue (gem. mit G. Herczeg u. K. Farkas) Der Traumexpress, im Okt. seine erste Mitwirkung als Schauspieler in einem Tonfilm (gem. mit H. Rühmann), nämlich in der Ufa-Produktion Meine Frau, die Hochstaplerin und im Dez. verf. Roda-Roda mit ihm gemeins. die Filmoperette Liebeskommando.

Dem Film blieb er auch 1932 verpflichtet u. zwar als Produzent von Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel, den F. Rosenfeld in der AZ jedoch als eher „einfallslos“ besprach, während seine Mitwirkung im Ufa-Film Mensch ohne Namen nach einer Balzac-Vorlage sowie seine Gastauftritte in Stücken am Dt. Volkstheater begrüßt wurden, z.B. in Hasenclevers Napoleon greift ein. Im Zuge des Tonfilm-Komikerabends 1933 war Grünbaum im Beitrag Rosmarin im Glück zu sehen, vorwiegend spielte er aber im sozialkrit. Lustspiel Geld ist nicht alles im Dt. Volkstheater die männl. Hauptrolle; im Sept.1933 präsentierte er dann die neue mit A. Kaps verfasste Revue Verlieb dich täglich im Moulin Rouge, die im Okt. auch von Radio Wien ausgestrahlt wurde. Dieser erfolgreichen Revue folgte im März 1934 mit Herz ist Atout die nächste und zeitgleich nahm er auch seine Mitwirkung am Ronacher wieder auf; 1935 präsentiert er wieder mit Farkas gemeins. gleich drei Revuen, Bediene dich selbst bzw. Die gestohlene Revue sowie Theater zu verkaufen in den Kammerspielen. Aus Anlass des 25jährigen Bestehens des Simpl kehrte Grünbaum 1936 dorthin (gem. mit Farkas) zu Gastauftritten zurück und zwar mit Gangster über Wien. Danach präsentierte er im Bürgertheater die sog. Volksrevue Was kostet Wien? und spielte in der Josefstadt in der Hollywood-Reportage Happy neben H. Thimig mit. Sukzessive gehen unter den Bedingungen des Ständestaates die Aufführungen und neuen Stücke zurück; 1937 bringt die Volksoper noch die Lustspieloperette Sie Johann, die Ztg. Der Morgen (bis Ende Jänner 1938) eine Reihe von Sketches, die Grünbaum und Farkas gemeinsam zeichnen, u.a. auch den bissigen Heureka – Nichts gefunden! Am 22.2.1938 fand im Simpl noch die Premiere der letzten Revue, eine „höhnenden Wochenschau“ von Grünbaum und Farkas statt; wenige Wochen später, im Zuge des Anschlusses versuchten beide zu flüchten, standen sie nämlich seit längerem unter NS-Beobachtung: Farkas gelang dies, Grünbaum und seiner Frau nicht.


Weitere Operetten und andere Werke (Auswahl):

Miß Dudelsack (Operette, 1909 mit H. Reichert ); Der Favorit (Operette 19 16, mit W. Sterk, Musik R. Stolz); Die Csikosbaronesse (Operette 1919; Tonfilm 1930), Der Kanari als Erzieher (Ged., Mocca 1/1930); Fritz Grünbaum gegen Grünbaum (1930)

Quellen und Dokumente

Zwei Humorschlager (Inserat Löwitt-Verlag). In: Österr. Buchhändler-Correspondenz, 4.4.1917, S. 8; O.K.[oenig]: Keuschheitsapostel. In: AZ, 27.1.1922, S. 7; Des Königs Nachbarin. Premiere. In: Der Tag, 8.6.1924, S. 11; K. Marilaun: Gespräch mit F. Grünbaum. In: NWJ, 25.9.1924, S.5-6; F. Grünbaum: Mein Kabarett. In: Die Stunde, 4.9.1924, S. 5;Pavillon-Programm. In: Die Stunde, 12.11.1924, S. 6; Pavillon-Inserat. In: NWJ, 1.12.1924; S. 1; Liedtexte zur Revue An Alle... (Inserat des Boheme-Verlags); in: Österr. Buchhändler-Correspondenz, 13.3.1925, S. 5; P. Stefan: Fritz Grünbaum als Sammler. In: Die Bühne, H. 20(26.3.)1925, S. 29-30; Schlagertexte der Revue Rund um den Mittelpunkt (Verlagsinserat). In: Österr. Buchhänder-Correspondenz, 10.4.1925, S. 11; Der Fall Wengraf. In: Die Stunde, 18.2.1926, S. 11; Bespr. zu: Meine Tochter Otto. In: Der Tag, 8.5.1927, S.18; F.H[eller]. Bespr. zu Rosen aus Schiras. In: Der Tag, 26.6.1927, S. 14; N.N.: Bespr. zu Rosen aus Schiras (mit Szenenfotos). In: Die Bühne, H. 138 (30.6.1927), S. 8; F. Heller über Hallo, hier Grünbaum! In: Der Tag, 31.8.1927, S. 7; N.N. über Hallo, hier Grünbaum! In: Die Bühne, H. 148 (8.9.1927), S. 10-11; Weltgeschichte gefällig? (Premiere-Inserat). In: Die Stunde, 19.1.1928, S. 7; F. H[eller]: Revue im Boulevardtheater. Weltgeschichte fällig. In: Der Tag, 22.1.1928, S. 7; F.H[eller]: Revue in den Kammerspielen. Flirt und Jazz. In: Der Tag, 12.12.1928, S. 9; Flirt und Jazz (Szenenfotos). In: Die Bühne H. 215 (20.12.)1928, S. 54; F.K.: Fritz Grünbaum, der Fünfziger. In: Die Bühne, H. 278 (15.4.)1930, S. 52; R [Holzer] Über Intermezzo im Zirkus. In: Wiener Zeitung, 18.11.1930, S. 5; F. Grünbaum: Der „Kanari“ als Erzieher. In: Mocca Nr.1/1930, S. 34; F.H.: Der Traumexpress (Uraufführung). In: Der Tag, 6.6.1931, S. 8; F. Porges: Liebeskommando. Eine Filmoperette. In: Der Wiener Tag, 20.12.1931, S. 22; F.R[osenfeld]: Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel (Film). In: AZ, 22.5.1932, S. 20; N.N.: Mein Film-Wochenschau (Tonfilm-Mitwirkungen von F.G.); in: Mein Film, H. 315/1932, S. 5; Tonfilm-Komikerabend (Verlagsinserat). In: Kino-Journal, 4.3.1933, S. 9; N.N.: 25. Mal ‚Herz ist Atout‘. In: Die Stunde, 12.4.1934, S .4; F. Fischer über: Theater zu verkaufen. In: NWJ, 24.8.1935, S. 11; F. Grünbaum u. K. Farkas: Greta Garbo und Pagat ultimo. In: Der Morgen, 4.10.1937, S. 6; F.Grünbaum u. K. Farkas: Heureka – Nichts gefunden! In: Der Morgen, 25.10.1937, S. 6;

Literatur

F. Grünbaum: Hallo, hier Grünbaum! Hg. und mit einem biographischen Vorwort von Pierre Genée, Wien-München 2001; Marie-Theres Arnbom, Christoph Wagner-Trenkwitz (Hgg.): Grüß mich Gott! Fritz Grünbaum. Eine Biographie 1880–1941, Wien 2005; Ch. Hütterer: „Viel zu schade für Wien“. Kleiner Mann mit großem Humor: Vor 75 Jahren starb Fritz Grünbaum, einer der bedeutendsten Kabarettisten, im KZ Dachau. In: Wiener Zeitung 9.-10.1.2016; online verfügbar unter: https://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Essays/Kultur/Fritz_Gr%C3%BCnbaum

(PHK)