Geb. am 24.1.1894 (andere Quellen: 1901) in Chortkow (Galizien, Österreich-Ungarn), Todesdatum nicht bekannt; Schauspieler, Regisseur

Halpern wurde in eine einfache proletarische jüdische Familie mit Jiddisch als Muttersprache geboren. Er besuchte den Cheder und danach das Gymnasium in Chortkow und nahm daneben auch Hebräisch-Unterricht. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges besuchte er die Jiddische Hochschule in Wilna, wo er sich zum Schauspieler ausbildete. In Wien wird er im Sept. 1921 erstmals als einer von zahlreichen Spendern an den Jüdischen Nationalfonds fassbar (Wiener Morgenzeitung, 25.9.1921, 11). 1922 beginnt er mit Regietätigkeiten an der Freien Jüdischen Volksbühne sowie für den Jüd. Akadem. Kulturverband ›Jabne‹ tätig zu werden; so inszeniert er im Februar das jiddische Stück Die Puste Krejtschme, im März das auf Hebräisch gespielte Drama T’kias Kaf (Der Handschlag/Das Gelöbnis, wurde im März-April 1923 wieder aufgeführt), beide von Perez Hirschbein (1880-1948), und im Juni dessen Stück Mirjam, gefolgt von M’welje im Oktober. 1924 war Halpern Mitbegründer des jidd. Ensembles ›Die gildene Pawne‹ im Rahmen der Jüdischen Volksbühne, an dem er auch als Schauspieler mitwirkte. Auch bei einzelnen Gastspielen der Wilnaer Truppe, so z.B. im August 1924 im Carl-Theater, trat Halpern als Schauspieler mit auf, so z.B. in der Tragödie Doctor Kohn von Max Nordau (1849-1923) oder im Lustspiel Ein verworfener Winkel von Hirschbein.  1925 stand er auch im Kontakt mit Kassáks MA-Zeitschrift bzw. Gruppe; so wirkte er am 22.3. an einem (aktivistischen) Propagandaabend im Schwarzwaldsaal mit, der AZch in der AZ und der NFP angekündigt wurde.

Ab der zweiten Jahreshälfte 1925 verlieren sich Halperns Spuren in Österreich; gemeinsam mit seiner Frau Esther emigrierte er nach Argentinien und wirkte an der Gründung des Yung Argentine, eines yiddischen Theaters in Buenos Aires, mit. Ende 1927 übernahm er dessen Leitung und wandelte es kurz darauf in eine Schauspielschule um. Im Juni 1928  entstand unter Halperns Regie mit H. Sacklers Dem tsadiks nesie (Die Reise des Rabbi) die erste Produktion, doch bereits knapp ein Jahr später zog sich Halpern aufgrund der angespannten finanziellen Situation gänzlich aus dem Unternehmen zurück. 1945 verfasste Halpern für die in Buenos Aires erscheinende Pinkes Galicye (Chronik Galiziens) einen Aufsatz, in dem er u.a. über seine Schulzeit in Czortków berichtete.



Quellen und Dokumente

Otto Abeles: Ein verworfener Winkel. In: Wiener Morgenzeitung, 16.8.1924, S. 5, N.N.: Kleinkunstspiele der Jüdischen Volksbühne. Die gildene Pawe. In: Die Bühne, H.7, 1924, S. 28, Paul Wertheimer: Kleinkunstspiele. Die gildene Pawe. In: NFP, 16.12.1924, S.10.

Eintrag zu Leo Halpern bei Museum of Family History; Eintrag zu Yung Argentine bei Museum of Family History.

Literatur

Nahma Sandrow: Vagabond Stars. A World History of Yiddish Theater. Syracuse 1977, 21996, 376; Brigitte Dalllinger: Quellenedition zur Geschichte des jüdischen Theaters in Wien. Tübingen 2003, 199;

WerkeLeo Halpern>Leo Halpern, Di vig fun hashoymer hatsair iz geven Galitsye. In: Nakhman Tsuker (Hg.), Pinkes Galitsye. Aroysgegebn tsum 20-tn aniversar zayt der grindung fun Galitsyaner farband, Buenos Aires 1945, 265- 276.

(PHK, MK)