geb. am 23.2.1892 in Wien – gest. am 9.6.1941 im KZ Auschwitz; Journalist, Politiker (KPÖ)

F. K. wurde in einer jüdischen Wiener Bürgerfamilie geboren, sein Großvater war Mitbegründer der Länderbank. Bereits ab 1909 in der Arbeiterbewegung als Funktionär im Verband Jugendlicher Arbeiter (VJA) in Ottakring aktiv, stand K. rasch in Opposition zur SDAP-Führung. 1911 traf er in Wien den späteren Bolschewiken Nikolai Bucharin. Nach 1914 war K. Teil des geheimen Aktionskomitees der „Linksradikalen“, die anders als die SDAP-Führung den Krieg entschieden ablehnten, und gehörte mit Max Adler, Robert Danneberg und Therese Schlesinger dem Verein Karl Marx um Friedrich Adler an. K. publizierte Anfang 1916 im Vorboten, der Zeitschrift der Zimmerwalder Linken um Karl Radek, Grigori Sinowjew und Lenin, den er in der Schweiz zwei Mal traf und der ihn nach Adlers Attentat brieflich kontaktierte. Nach dem Ausschluss des Aktionskomitees aus dem VJA führten die Gründung des Arbeiter- und Soldatenrats um K. und Leo Rothziegel und der Jännerstreik 1918 endgültig zur Spaltung der Linken. Wegen revolutionären Bestrebungen wurde K. bis Ende Oktober 1918 inhaftiert. Nachdem es mit Anna Strömer nicht gelungen war, Adler für die Spitze einer neuen Partei zu gewinnen, lehnte K. die Gründung der KPDÖ im November 1918 als übereilt ab, trat ihr aber Anfang Dezember bei, wurde mit Paul Friedländer Chefredakteur Parteiorgans Der Weckruf und später mit Karl Tomann bis Oktober 1919 Herausgeber der Nachfolgeblätter Die soziale Revolution bzw. Die Rote Fahne. Im Februar 1919 in den Parteivorstand gewählt, unterstützte K. 1919 Bela Kuns umstrittenen Emissär in Österreich, Ernst Bettelheim. 1921 nahm K. am dritten Weltkongress der Kommunistischen Internationale teil und wurde von Willi Münzenberg in einer Rede neben Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Clara Zetkin in eine Reihe von Vorkämpfern gegen den imperialistischen Krieg gestellt. K. wurde wie Josef Frey Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (bis 1923) und übersetzte mit Naida Surowzowa Werke Lenins.

Vor allem nach 1922 war K. als Repräsentant des linken Flügels in zahlreiche ideologisch oder auch persönlich motivierte Fraktionskämpfe mit variierenden Bündnissen verstrickt. Mit Tomann 1923 kurzzeitig Vorsitzender, schied er Ende des Jahres auf Weisung der Komintern aus dem Vorstand aus, ehe er vom Zentralkomitee 1926 von allen Ämtern enthoben wurde. K. blieb als Korrespondent und Gewerkschafter aktiv, 1929 übersiedelte er nach Moskau in die Rote Gewerkschaftsinternationale um Aleksandr Losowsky. 1934/35 Umzug nach Charkow und später Kiew, wo er in der Hauptverwaltung für Literatur des Volkskommissariats für Volksbildung beschäftigt war. Als Opfer des „Großen Terror“ Stalins 1936 wegen antisowjetischer Agitation inhaftiert, wurde K. nach erfolgreicher Berufung im Oktober 1940 des Landes verwiesen, den deutschen Behörden übergeben und am 9. Juni 1941 im KZ Auschwitz ermordet. 1955 erfolgte am 20. Parteitag der KPdSU K.s Rehabilitierung.


Quellen und Dokumente

Opportunistische und radikale Tendenzen in der Sozialdemokratie Österreichs. In: Vorbote. Internationale Marxistische Rundschau, Januar 1916, S. 58-64, Der Jännerstreik und seine Vorgeschichte. In: Die Wage, 23. Jänner 1920, o. S., Der Tag des Verrates. In: Die Rote Fahne, 20.1.1922, S. 1f., Lenin und Oesterreich. In: Die Rote Fahne, 21. Jänner 1925, S. 4, Zur Geschichte der Kommunistischen Partei Oesterreichs. In: Die Rote Fahne, 4.11.1928, S. 5, Maifeiern in der Kriegszeit in Oesterreich. In: Die Rote Fahne, 1.5.1929, S. 8.

Literatur

Hans Hautmann: Die Anfänge der linksradikalen Bewegung und der Kommunistischen Partei Deutschösterreichs 1916-1919. Wien: Europa-Verlag 1970 (= Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaft für Geschichte der Arbeiterbewegung in Österreich, Bd. 7), Barry McLoughlin, Hannes Leidinger, Verena Moritz: Kommunismus in Österreich 1918-1938. Innsbruck [u.a.]: Studienverlag 2009, Hans Schafranek: Franz Koritschoner (1892–1941). In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung [3] 1995, S. 239-261, Herbert Steiner: Franz Koritschoner. In: Gerhard Botz et al. (Hg.): Bewegung und Klasse. Studien zur österreichischen Arbeitergeschichte. Wien [u.a.]: Europa-Verlag 1978, S. 159-174, Emily Rosdolsky: Franz Koritschoner. In: Memorial Österreich (Hg.): Österreichische Stalin-Opfer. Wien: Junius 1990, S. 69-78.

o. A.: Koritschoner, Franz. Österreichische Stalin-Opfer (bis 1945); Hans Hautmann: Die Revolutionäre. Der Formierungsprozess der Linksradikalen. (Österreich im Epochenjahr 1917, Teil 4). In: Mitteilungen der Alfred-Klahr-Gesellschaft 14 (2007), H. 4, S. 1-6; Manfred Mugrauer: Franz Koritschoner (1892–1941). Zentralfigur der linksradikalen Bewegung zur Zeit des Ersten Weltkriegs – kommunistischer Parteiführer – Opfer des Stalin-Terrors.

(ME)