Der Verlag für Literatur und Politik (VLP, teilweise auch abgekürzt Litpol) wurde am 6.8.1924 gleichzeitig mit dem Agis-Verlag vom KP-Mitglied Johannes Wertheim ins Wiener Handelsregister eingetragen. Der Schwerpunkt der Verlagsarbeit lag auf ideologischen Schriften und Lenin-Gedenkbüchern (u.a. von Lenin-Witwe Nadezda Krupskaja und Clara Zetkin), es kam aber auch zur Veröffentlichung literarischer Texte. Ab 1926/27 wurde ein von John Heartfield gestaltetes Verlagssignet, eine flatternde rote Fahne in einem Kreis, verwendet. Dies wurde 1933 vom Ring-Verlag und 1959 vom Dietz-Verlag übernommen. Bis zur Einstellung der Tätigkeit Ende 1933 und seinem Verbot am 30.6.1934 erschienen im VLP insgesamt 132 Titel und sowie mit Unter dem Banner das Marxismus (1925-1932), Das neue Rußland (1929-1932) und Agrar-Probleme (1932) drei Zeitschriften.

Programmatische Texte von u.a. Karl Marx, Friedrich Engels, Leo Trotzki, Josef Stalin, Nikolai Bucharin, Larissa Reissner und Grigorij Sinowjew wurden vor allem in den Reihen Arbeiter-Literatur (1924) und Marxistische Bibliothek (1926-1932) publiziert. Darüber hinaus veröffentlichten u.a. auch Fedor Panferow (Die Genossenschaft der Habenichtse, 1928), der jüdische KPÖ-Ideologe Otto Heller (Der Untergang des Judentums) und die Moskau-Korrespondentin der Roten Fahne Frida Rubiner (Der große Strom, beide 1931) im VLP. Im KPÖ-Organ Die Rote Fahne wurden u.a. der Revolutionsroman 10 Tage, die die Welt erschütterten von John Reed (1927), Der stille Don (Krieg und Revolution) von Michael Scholochow (1931) und Auszüge aus Zement sowie als Fortsetzungsroman Neue Erde von Fedor Gladkow (1927/28 bzw. 1932) abgedruckt. Besondere Bedeutung erhielt der VLP durch den Abdruck der ersten fünf Bände der Ausgewählten Werke der einzigen von Moskauer Lenin-Institut autorisierten Ausgabe der Schriften Lenins, später erschienen 14 von 26 Bänden der Sämtliche Werke Lenins und neun Hefte der Kleinen Lenin-Bibliothek (1931-1933) bei VLP. Eine bereits öffentlich angekündigte Publikation ausgewählter Lenin-Werke im Berliner Malik-Verlag im Juni 1924 wurde durch eine Intervention aus Moskau verhindert.

Umstritten ist die Eigenständigkeit des VLP. Einerseits versuchte es v.a. die DDR-Germanistik, den Verlag für die KPD zu vereinnahmen, andererseits bleibt neben Wertheims Verbindung zur Kommunistischen Internationale auch angesichts des Fehlens von Publikationen österreichischer Kommunisten aus der Nähe des BPRSÖ und der Roten Fahne und der Dominanz russischer AutorInnen unklar, wie stark die Verlagsarbeit (aller Wertheim-Verlage) von Moskau aus dominiert wurde.


Dokumente und Quellen

N.N.: „Das neue Russland“ – das Magazin der Arbeiter. In: Die Rote Fahne, 26.5.1927, S. 8, Fedor Panferow: Kampf um die Scholle. In: Die Rote Fahne, 25.12.1928, S. 8, Nadezda K. Kruspkaja: Wie ich Lenin suchte. In: Die Rote Fahne, 10.9.1929, S. 6, N.N.: Ein neuer Band der Lenin-Werke. In: Die Rote Fahne, 19.9.1929, S. 6, Das Werk der proletarischen Verlage. Zum Monat des proletarischen Buches vom 22. November bis 22. Dezember. In: Die Rote Fahne [Berlin], 28.11.1930, S. 8, Lenins Werk in die Massen. Eine neue billige Ausgabe der Werke Lenins. In: Die Rote Fahne, 7.8.1932, S. 8.

Einschaltung in Die Rote Fahne, 20.12.1928, S. 6.

Literatur

Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933. Ein biographisches Handbuch (2011), 343f., E. F., Stephan Füssel (Hg.): Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Die Weimarer Republik 1918-1933, Teil 2 (2012), 117f., Karl-Heinz Hädicke: Verlag für Literatur und Politik (VLP). In: Simone Barck (Hg.): Lexikon sozialistischer Literatur (1994), 484f., Germaine Stucki-Volz: Der Malik-Verlag und der Buchmarkt der Weimarer Republik (1993), 157-187, Georges Wertheim: Die Odyssee eines Verlegers. In memoriam Dr. Johannes Wertheim (1888-1942). In: DÖW-Jahrbuch 1996, 204-229 [mit einer Bibliographie der in von Wertheim geführten Verlagen erschienenen Titel].

(ME)