Der Agis-Verlag wurde am 6.8.1924 gleichzeitig mit dem Verlag für Literatur und Politik (VLP) von KP-Mitglied Johannes Wertheim ins Wiener Handelsregister eingetragen. Er besaß auch in Berlin eine Zweigstelle. Anders als im VLP dominierte nicht politische oder agitatorische Literatur das Verlagsprogramm, sondern in erster Linie deutschsprachige Belletristik, häufig mit pazifistischer Ausrichtung. Insgesamt wurden zwischen 1924 und 1932 bei Agis 35 Titel publiziert, zunächst mit der Ortsangabe Wien, ab 1927 meist Wien-Berlin bzw. 1931/32 Berlin-Wien.

Der inhaltliche Schwerpunkt lag auf Gegenwarts- und Unterhaltungsliteratur von Autoren wie Max Barthel, Johannes R. Becher und Ludwig Renn, daneben erschienen mehrere Russland-, China- und Afrika-Berichte sowie (zeit-)historische und aufklärerische Werke. Einige dieser Texte wurden in der Roten Fahne, dem Zentralorgan der KPÖ, als Fortsetzungsromane abgedruckt, u.a. Abenteuer in Florenz von Lawrence Desberry (1926), Erotik und Spionage in der Etappe Gent von Heinrich Wandt (1928), Ein Soldat der Revolution von F. C. Weiskopf (1929), Vaterlandslose Gesellen und Der große Betrug. Die Geschichte einer proletarischen Familie von Adam Scharrer (1930 bzw. 1932), ein Auszug aus Eine Frau reist um die Welt von Maria Leitner (1932) sowie Junge Leute in der Stadt von Rudolf Braune (1933).

Ähnlich wie beim Verlag für Literatur und Politik ist die Eigenständigkeit des Agis-Verlags durchaus umstritten. So gab Hans Holm, Berliner KPD-Verleger, an, der nach außen hin als unabhängig auftretende Verlag habe in Diensten der KPD bzw. des Moskauer Lenin-Instituts und der Kommunistischen Internationale agiert und Wertheim nur als „fiktiver“ Besitzer fungiert. So seien gezielt eine Reihe vordergründig parteiunabhängiger Verlage (u.a. auch der Malik-Verlag, der Neue Deutsche Verlag und der Internationale Arbeiter-Verlag) geschaffen worden, um auch ein bürgerliches Publikum zu erreichen. Werke mit geringer marxistischer Ausrichtung seien demnach bei Agis erschienen.


Literatur (Auswahl)

Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933. Ein biographisches Handbuch (2011), 343f., E. F., Stephan Füssel (Hg.): Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Die Weimarer Republik 1918-1933, Teil 2 (2012), 117f., Wolfgang U. Schütte: Der Agis-Verlag Berlin und Wien. In: Marginalien 1987, H. 106, 64-74, Germaine Stucki-Volz: Der Malik-Verlag und der Buchmarkt der Weimarer Republik (1993), 157-187, Georges Wertheim: Die Odyssee eines Verlegers. In memoriam Dr. Johannes Wertheim (1888-1942). In: DÖW-Jahrbuch 1996, 204-229 [mit einer Bibliographie der in von Wertheim geführten Verlagen erschienenen Titel].

(ME)