Die Gründung dieser Gesellschaft fand im Zug der konstitutiven Versammlung am 25.2.1923 in der Graphischen Sammlung der Albertina statt. Zu Vorstandsmitgliedern wurden folgende zehn Persönlichkeiten aus dem zeitgenössischen Kunst- und Kulturbetrieb gewählt: Lea Bondi (Inhaberin der Kunstgalerie Würthle), Hermann Eißler (Kunstsammler), Emil Frankl, Wilhelm Wolko Gartenberg, Franz Martin Haberditzl, Fannina Halle, Kurt Rathe, Felix Steinitz (Bankier und Kunstsammler), Alfred Stix, Leiter der Sammlung Albertina, und Hans Tietze. Als wichtigste Aufgabe erblickte die Gesellschaft, so ein Bericht im NWTBl. vom 28.3.1923, das Anliegen, „dem Wiener Kunstleben den Zusammenhang mit den großen internationalen Kunstströmungen zurückzuerobern“. Erfolgen sollte dies über die Veranstaltung von Ausstellungen, die Unterstützung von Ausstellungen österreichischer Künstler im Ausland, die Förderung von Künstlerinnen und Künstlern sowie die Herstellung von Kontakten zwischen diesen und interessierten „Kunstfreunden“. Treibende Gestalt war dabei H. Tietze, der in seiner Funktion als hoher Beamter im Unterrichtsministerium (bis 1925) sowie aufgrund seiner Kontakte zu Kulturpolitikern des ›Roten Wien‹ zahlreiche Ausstellungen anregte und organisatorisch stützte, u.a. die Ausstellungen im Rahmen des Internationalen Musik- und Theaterfestes der Stadt Wien 1924, die bereits durch einen Vortragszyklus im Februar 1924 einbegleitet wurde. 1925 folgte im Künstlerhaus eine Ausstellung unter dem programm. Titel Das Gesicht der Zeit.

Besonderes Augenmerk widmete die Gesellschaft der Rezeption und Auseinandersetzung mit zeitgenössischer russischer Kunst, wobei v.a. F. Halle aktiv war, aber auch der Musik, wie z.B. ein Vortrag von A. Weißmann über moderne russ. Musik (Febr. 1925) belegt. Auch Konzertaufführungen, gewidmet z.B. dem Werk von Rudolf Réti im Dezember 1925 im Wiener Kleinen Konzerthaussaal, waren Teil der Förderungsphilosophie.

1926 weitete die Gesellschaft ihr Themenspektrum auf das zeitgenössische Theater aus, etwa durch Vorträge von O.Strnad und B. Balázs. Im März 1926 folgte eine Ausstellung französischer Gegenwartskunst im Künstlerhaus; im Dez. dess. Jahres ein  über Aspekte der Kunstförderung. Im Febr. 1927 trat A. P. Gütersloh mit einem Vortrag über Verwirrung und Ordnung im Urteil über Kunst in Erscheinung, im März H. Tietze mit einem über El Greco und wir sowie F.Th. Csokor über Das szenische  Bild der Gegenwart;  im November wurde die ebf. von H. Tietze mitangeregte Ausstellung Das Werden desKunstwerks gezeigt. Im März-April1928 wurde ein Vortragszyklus Führende Maler der Gegenwart angeboten, im Mai eine Ausstellung in der Neuen Galerie zum russ. Maler Georg Kirsta vermittelt; im Okt. wurde eine Sammlung für eine Schiele-Grabdenkmal eingerichtet, das am nächsten Todestag (31.10.1929) auch feierlich übergeben werden konnte, ab Nov.1928-Jänner 1929 folgte eine Vortragsreihe über Probleme der modernen Kunst u.a. mit Vorträgen zu Kandinski, Klee oder zur Neuen Sachlichkeit. Im Nov. 1929 war wieder H. Tietze mit einem Vortrag über Die Krise der heutigen Kunst an der Reihe, im Dez. 1929 sprach E. Buschbeck über Das Weltbild der heutigen Kunst. Im April-Mai 1930 stand die von Tietze und der Gesellschaft kuratierte vielbeachtete Ausst. Kunst in unserer Zeit im Künstlerhaus am Programm, in deren Rahmen wiederum mehrere Vorträge stattfanden, u.a. am 11.4. der von J. Frank über Form und Inhalt. Zu dieser Ausstellung legte Tietze auch eine 32-seitige Flugschrift vor.  im Sept. sprach Richard Neutra über Neues Wohnen und neues Bauen in Amerika. Die nächste Ausstellung fand erst wieder im Feb. 1932 zum Thema Malende Dichter, dichtende Maler im Hagenbund statt, zugleich die letzte der Gesellschaft.


Quellen und Dokumente

Hans Tietze: Ueber die Kunst des modernen Rußland. Vortrag Frau Dr. Fannina Halle. In: Neues Wiener Tagblatt, 20.2.1924, S. 24, A. M.: Die Internationale Kunstausstellung in der Sezession. In: Arbeiter-Zeitung, 12.9.1924, S. 9, Wagnertum und Russentum in der Musik. In: Arbeiter-Zeitung, 27.2.1925, S. 8, Hermann Menkes: Das Gesicht der Zeit. Drei Ausstellungen. In: Neues Wiener Journal, 23.9.1925, S. 5, Ankündigung des Vortrags von Oskar Strnad und Béla Balázs. In: Wiener Zeitung, 12.2.1926, S. 3, Ausstellung französischer Kunst der Gegenwart im Künstlerhause. In: Wiener Zeitung, 4.3.1926, S. 4, Die Not der österreichischen Künstler. In: Neues Wiener Journal, 1.12.1926, S. 5, Franz Theodor Csokor: Entwicklungsprobleme des Bühnenbildes. In: Neues Wiener Journal, 12.3.1927, S. 7f., A. M.: Das Werden eines Kunstwerks. In: Arbeiter-Zeitung, 9.11.1927, S. 3f., Hans Ankwicz-Kleehoven: Kollektivausstellung Gustav Kirsta. In: Wiener Zeitung, 3.5.1928, S. 4, Lebendige Kunst. Zur Ausstellung „Die Kunst in unserer Zeit“ im Künstlerhaus. In: Arbeiter-Zeitung, 18.4.1930, S. 7, Die Kunst in unserer Zeit. In: Moderne Welt 11 (1930), H. 15, S. 14f., A. M.: Malende Dichter und dichtende Maler. In: Arbeiter-Zeitung, 15.3.1932, S. 8.

(PHK)