Illustrierte Rote Woche

Die IRW erschien ab Anfang Februar 1932 unter dem vollen Titel Illustrierte Rote Woche. Die Wochenschrift der Werktätigen im Auftrag der KPÖ in der Wiener Rofa Verlagsgesellschaft. Ziel der IRW war es, das mediale Angebot der kommunistischen Bewegung neben dem Zentralorgan der KPÖ, der Roten Fahne, Frauenzeitschriften (Die Arbeitern 1924-31, Rote Frauenpost 1933), teilweise in Wien vertriebenen Zeitschriften wie u.a. Das Neue Rußland und Der Rote Aufbau sowie Betriebs- und Blockzeitungen zu verbreitern, insbesondere um in den Bundesländern höhere Reichweiten zu erzielen. So wurden vereinzelt Schwerpunkthefte zu einzelnen Bundesländern veröffentlicht. Nach Angaben Richard Schüllers erreichte das Blatt bereits im April 1932 eine Auflage von rund 20.000 Exemplaren; in der Roten Fahne wurde im November desselben Jahres jedoch die nachlässige Kolportage durch die Ortsgruppen kritisiert (RF, 25.11.1932, S. 5). Als Redakteur fungierte Guido Zamis, früher Mitglied der Roten Garde

Aus: Die Rote Fahne, 24.1.1932, S. 5

Gegenüber der phasenweise von innerparteilichen Debatten sowie von Politikberichterstattung stärker geprägten Roten Fahne gab die IRW neben regionalen wie internationalen, von der Entwicklung der Sowjetunion dominierten Meldungen dem Feuilleton für „spannende Ausschnitte aus dem Leben der Gegenwart, Schilderungen aufrüttelnder Episoden des Klassenkampfs“ (RF, 24.2.1932, S. 5) aus Stadt als auch Land deutlich mehr Raum. Wie die Rote Fahne durch Arbeiterkorrespondenzen unterstützt, sollten die im 1930 gegründeten Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs organisierten Arbeiterschriftsteller Publikationsmöglichkeiten erhalten: u.a. veröffentlichten Hans Maier, Franz Hart, Stefan Hochreiner, Franz Millik und Hedda Zinner in der IRW. Gedruckt wurden aber auch Erzählungen, Essays und Reportagen von der Berliner KPD nahestehenden AutorInnen wie Paul Brand, Berta Lask, Georg Lukács, Egon Erwin Kisch, Maria Leitner, Anna Seghers, Slang, Erich Weinert, F. C. Weiskopf und Karl August Wittfogel. Als Fortsetzungsromane erschienen Eduard Peissons Eine verlassene Frau und Wladimir Petrowitsch Mosorows Niemand ist zu alt! Das Tagebuch des Wladimir Petrowitsch Morosow.

Wie die Rote Fahne stand die IRW ab März 1933 unter Vorzensur und konnte in der Folge nur noch vierzehntägig erscheinen, die Redaktionsmitglieder standen in ihrer Arbeit zunehmend mit der Justiz in Konflikt. Der Abdruck von Franz Janiczeks Roman Der Besitz wurde, um Konfiskationen vorzubeugen, nach der vierten Folge abgebrochen. Nach 77 Ausgaben wurde die IRW Im Juli 1933 verboten.


Quellen und Dokumente

Eine neue Waffe des Kommunismus. Die „Rote Woche“ erschienen. In: Die Rote Fahne, 5.2.1932, S. 3, Mit der ‚Roten Woche‘ in die Massen. In: Die Rote Fahne, 4.3.1932, S. 3, Im Zeichen unseres Aufstieges. Unsere Presse in die Massen. In: Die Rote Fahne, 11.4.1932, S. 3, E. E. Kisch konfisziert. Die weißen Flecken in der „Roten Woche“. In: Die Rote Fahne, 21.4.1933, S. 6, „Rote Woche“ ruft zum Gegenangriff. In: Die Rote Fahne, 13.5.1933, S. 5, Der Autor des neuen Romanes der „Roten Woche“ landesverwiesen. In: Die Rote Fahne, 25.5.1933, S. 10.

(ME)