geb. als Johann Mair am 27.3.1881 in Ottensheim – gest. am 22.3.1945 in Wien; Schriftsteller

Ps.: Hamay, Hans Mehr

H. M. wurde als Sohn einer ledigen Hofmagd in Oberösterreich geboren. Als Kostgänger aufwachsend, besuchte er drei Volksschulklassen und als danach Hirte bis zum 14. Geburtstag die Sonntagsschule, ehe er eine Bäckerlehre begann. Als Geselle reiste er ab ca. 1898 zehn Jahre durch Europa. In Berlin kam er mit der Arbeiterbewegung in Kontakt und wurde 1908/09 als Ausländer polizeilich ausgewiesen. Nach der Rückkehr nach Wien folgten wechselnde berufliche Tätigkeiten sowie trotz Sehschwäche der Kriegsdienst. 1920 trat M. als sozialdemokratischer Bezirksarbeiterrat zur KPÖ über, wurde Mitarbeiter des Zirkus-Busch-Kinos, später wieder Bäcker sowie 1934-1938 Portier der sowjetischen Handelsvertretung. M. engagierte sich zudem in der Gewerkschaft und kandidierte 1927 für die KPÖ bei den Gemeinderats- und Nationalratswahlen.

M. trat seit September 1921 im Feuilleton der Roten Fahne mit Prosaskizzen, später immer häufiger mit Gedichten als politischer Kommentator und Beobachter des gesellschaftlichen Lebens aus proletarischer Perspektive in Erscheinung. Für ein Spottgedicht zum ersten Todestag Ferdinand Hanuschs geißelte ihn die Arbeiter-Zeitung als „dahergelaufene[n] Buben“ und „Lump“. Anfangs häufig mit dem Zusatz „Arbeiter, Wien, II. Bezirk“ publizierend, entwickelte er sich vom Arbeiterkorrespondenten zum produktivsten Feuilletonisten im Zentralorgan der KPÖ und veröffentlichte 1926 im von Johannes Wertheim geleiteten Münster-Verlagunter dem Titel Proletarier, was sind wir? eine 48-seitige Sammlung von Skizzen und Lyrik. 1927 führte der Proletkult sein Stück Weg mit dem § 144 auf. 1930 zählte M. zu den Gründungsmitgliedern des Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs und bildete mit Ernst Fabri, Franz Janiczek und Lili Körber die österreichische Delegation beim Kongress der Internationalen Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller (IVRS) in Charkow im November 1930. IVRS-Sekretär Béla Illés hob M. in einem Interview 1932 neben Fabri, Janiczek und Peter Schnur als in der Sowjetunion vielgelesenen proletarischen Autor hervor, Gedichte von M. erschienen auch in der Illustrierten Roten Woche sowie im BPRS-Organ Der Durchbruch. Anders als viele Mitstreiter blieb M. auch nach dem Verbot der KPÖ in Wien, trat aber öffentlich nicht mehr in Erscheinung.


Quellen und Dokumente

Ausgewählte Beiträge Hans Maiers: Drinnen und draußen. In: Die Rote Fahne, 27.10.1921, S. 6, Essenszeit. Im Grandhotel. In der Volksküche. In: Die Rote Fahne, 22.1.2922, S. 7, Ausgebremst! Arbeiterführer von heute. In: Die Rote Fahne, 18.9.1924, S. 4, Mein Radio. In: Die Rote Fahne, 30.8.1925, S. 2, Der rote Bäck. In: Die Rote Fahne, 14.3.1926, S. 3, Unsere Zelle. Eine Erzählung aus dem Betriebe von H. M. In: Die Rote Fahne, 5.9.1926, S. 5f., Canossa. Zum 15. und 16. Juli. In: Die Rote Fahne, 7.8.1927, S. 8, Aus der „großen Zeit“. In: Die Rote Fahne, 1.8.1929, S. 2, Der Faschismus – „eine Volksbewegung“. In: Die Rote Fahne, 1.9.1929, S. 5, S.O.S. Rettet die Rote Fahne! In: Die Rote Fahne, 25.12.1929, S. 3, Wahl-Varieté. In: Die Rote Fahne, 9.11.1930, S. 8, Aus meinem Leben. In: Die Rote Fahne, 27.3.1931, S. 6, Die Straße marschiert. In: Die Rote Fahne, 6.8.1931, S. 6, Ballade vom “ewigen Frieden”. In: Die Rote Fahne, 19.1.1933, S. 6, Ketzerverbrennung. In: Die Rote Fahne, 27.5.1933, S. 5.

N.N.: Hans Maier, der „rote Bäck“. In: Die Rote Fahne, 15.11.1925, S. 2. h.g.: Die Literatur der Weltrevolution. Interview mit Bela Illes, Sekretär der Internationalen Vereinigung revolutionärer Schriftsteller, Moskau. In: Die Rote Fahne, 15.11.1931, S. 9.

N.N.: Sie schänden unseren Genossen Hanusch! In: Arbeiter-Zeitung, 19.9.1924, S. 4, N.N.: Genossen unter sich. „Die Sozialdemokratie hat den Metallarbeiterkampf abgewürgt. In: Neues Wiener Journal, 6.4.1929.

Literatur

Gerald Musger: Der “Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs”. Eine Dokumentation. Graz, Phil. Diss., 1977, Wolfgang Gastager: Literatur als Waffe gegen den Klassenfeind. 2 Bde. Dipl.-Arb. (1995), Eckart Früh: Hans Maier (Johann Maier) (2003).

(ME)