geb. am 20.3.1879 in Wien – gest. am 22.10.1959 in Wien; Journalistin, Übersetzerin

M. wuchs als Tochter einer bürgerlichen jüdischen Familie in Wien-Leopoldstadt auf. Nach dem Studium am Konservatorium wirkte sie ab 1900 als Klavierlehrerin und engagierte sich neben Therese Schlesinger in der bürgerlichen Frauenbewegung im Rahmen des Allgemeinen Österreichischen Frauenvereines (AÖFV) sowie im Hilfsverein für Lehrmädchen und jugendliche Arbeiterinnen Wien. 1907 heiratete sie den galizischen Arzt Jakob Mannheim und übersiedelte zwischenzeitlich nach Triest, kehrte im Weltkrieg jedoch wieder nach Wien zurück und wurde Mitglied der SDAP.

Ab 1905 trat M. als Publizistin in Erscheinung. Nach ersten Beiträgen in Neues Frauenleben veröffentlichte sie feuilletonist. Texte v.a. in der von Hermann Bahr hg. Die Zeit und der Neuen Freien Presse (NFP), für die sie bis Mitte 1914 auch als Literaturkritikerin wirkte. 1915 veröffentlichte sie erstmals in der Arbeiter-Zeitung (AZ). Anknüpfend an die Ansätze der Sozialreportage etwa bei Max Winter und Egon Erwin Kisch wandte sich M. nach dem Weltkrieg den Angehörigen der Unterschicht, gesellschaftlichen Außenseitern (u.a. Bettlern u. Prostituierten) zu und beleuchtete Phänomene von Armut und Krankheit. In engem Kontakt mit der jüdischen Publizistin Anitta Müller und vergleichbar mit Bruno Frei, dessen Werk Jüdisches Elend in Wien sie 1920 rezensierte, befasste sich M. zunehmend mit Fragen und den Orientierungen des Judentums und publizierte trotz ihres sozialistischen Engagements u.a. in der national-zionistischen, bürgerlich orientierten Wiener Morgenzeitung (WMZ), die als einzige jüdische Tageszeitung zwischen 1919 und 1927 in Wien erschien. Neben zahlreichen Theaterkritiken widmeten sich ihre feuilletonist. und essayist. Beiträge sozialen Fragen des urbanen Lebens und der Darstellung Wiener Typen jüdischer Provenienz, zugleich aber auch zu Fragen des Antisemitismus. 1922 besorgte sie die Übersetzung einer Sammlung norwegischer Märchen von Fjord und Fjell.

Nach ausgiebigen Reisen nach Italien und Spanien ab 1926 hielt M. in Wien eine Reihe landeskundlicher Vorträge, veröffentliche Reiseberichte und übersetzte Werke aus dem Italienischen und Spanischen, die ab 1930 v.a. in Die Stunde abgedruckt wurden. Aufgrund ihrer weitgehend unpolitischen Publizistik konnte M. nach dem Verbot der AZ1934 ihre journalist. Laufbahn mit Texten im Neuen Wiener Tagblatt und in der NFP fortsetzen. 1939 emigrierte sie mit ihrem Mann nach England, wo sie in einer Spitzenfabrik Anstellung fand. Ab 1947 wieder für die AZ aktiv, kehrte M. 1949 nach Wien zurück, wo sie 1959 starb. Trotz ihres umfassenden sozialkritischen Engagements und der regen Publikationstätigkeit, in der Zwischenkriegszeit, u.a. für Das Kleine BlattDer Morgen, Der Tag, Die Stunde und das Neue Wiener Journal, gab M. als Berufsbezeichnung zeitlebens „Arztensgattin“ an.


Quellen und Dokumente

Ausgewählte Beiträge Klara Mautners: Ludwig Hirschfeld: “Paukzeit”. Sechs Wochen Heldentum. In: NFP, 15.4.1906, S. 119f., Gewöhnung an den Krieg. Eine Mahnung an das Gewissen. In: AZ, 28.11.1915, S. 6f., Das „Verhältnis“. In: AZ, 17.3.1918, S. 2-4, Im Jugendamt. In: AZ, 27.7.1919, S. 7, Aus dem Wiener Sumpf. Wie schützen wir unsere Mädchen? In: Der Morgen, 20.10.1919, S. 5f., Bei den “Kriegsgewinnern” von Ottakring. In: AZ, 11.1.1920f, S. 7f., Ein Buch vom jüdischen Elend. [Über Bruno Frei: Jüdisches Elend in Wien]. In: WMZ, 21. 3. 1920, S. 3f., Die vogelfreie Reisende. Anläßlich der Rückkehr aus der Fremde. In: Der Morgen, 23. 8. 1920, S. 5, Die jüdische Gesellschaft und die Prostitution. In: WMZ, 13.2.1921, S. 5f., Nur ein paar Zahlen. Hinter den Kulissen des Großstadtglanzes. In: Der Morgen, 6.6.1922, S. 3, Strindberg als Erzieher. In: WMZ, 22.10.1922, S. 11, Der Hakenkreuz-Blinde. In: WMZ, 6.3.1923, S. 4, Die Großstadt der Kleinstädter. In: WMZ, 8.12.1923, S. 5, Theater-Mißbrauch. In: WMZ, 16.3.1924, S. 7, Mildernde Umstände in der Kunst. In: WMZ, 1.4.1924, S. 7, Der jüdische Antisemitismus. In: WMZ, 20.4.1924, S. 13, Im „Cottage“ der Enterbten. Ein unbekanntes Stück Wien. In: Der Morgen, 26.1.1925, S. 7, Opernbesuch in der Kleinstadt. In: NWJ, 13.11.1925, S. 5f., Wiener Fremdwörter. In: AZ, 12.2.1928, S. 18, Römische Herbsttage. Ein Besuch im “neuen” Italien. In: AZ, 3.11.1929, S. 20, Eisenbahnzüge, die ein Rennen abhalten. In: Das Kleine Blatt, 19.1.1934, S. 6f., Alltag von ehedem. In: NFP, 28.5.1936 (Abendausgabe), S. 5.

Literatur

Martin Erian: Reportage und Feuilleton – Antipoden im Gleichschritt? Zur operativen Publizistik Elisabeth Jansteins und Klara Mautners. In: Hildegard Kernmayer, Simone Jung: Feuilleton. Schreiben an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Literatur (2017), Eckart Früh: Klara Mautner (2004) [Online verfügbar], Ingrid Haunold: Die österreichische Journalistin Klara Mautner (1879-1959). Diplomarbeit (1992), dies.: Die Journalistin Klara Mautner (1879 – 1959). In: Medien & Zeit 9 (1994), 4, 14-18, Dieter J. Hecht: Nischen und Chancen – jüdische Journalistinnen in der österreichischen Tagespresse vor 1938. In: Medien & Zeit 18 (2003) 2, 31-39.

Eintrag bei Projekt Ariadne der ÖNB.

Weitere bibliographische Angaben bei Viaduct Dreams – Blog I. Haunolds.

Radiobeitrag in der Reihe Chronisten, Reporter, Aufklärer (2002).

(ME)