Untertitel: Blätter für das Bildungswesen der deutschen Sozialdemokratie in Österreich (1909-1913), Blätter für das Bildungswesen der deutschösterreichischen Sozialdemokratie (1919-20), ab 1921: Blätter für sozialistisches Bildungswesen

Cover von O. R. Schatz. Aus: Bildungarbeit XIII (1926), H. 1

Erscheinungsweise: monatlich
Format: Großoktav
Jahresumfang: zwischen 96 S. (1922) und 260 S. (1928)
Redaktion: Robert Danneberg (Hg.), Josef Luitpold Stern (verantw. Red.)
Druck: Vorwärts, Wien
Auflage: zirka 2.200-2.400

Begründet im Sept. 1909 als Organ der seit 1908 eingerichteten sozialdemokratischen Zentralstelle für Bildungsarbeit, mit dem weitgefassten Bildungsziel, „den Arbeiter aus stumpfer Gleichgültigkeit aufzurütteln“ bzw. ihm „die große Aufgabe zu zeigen, die die Welt seiner Klasse gestellt hat“ (Nr.1/1909). Robert Danneberg, Leiter der Zentralstelle und Hg. der BA formuliert im programmat. Beitr. Zu neuer Arbeit der seit August 1919 wiedererscheinenden Zs. die wichtigsten Anliegen nach einer Abrechnung mit dem Krieg v.a. dahingehend, eine drohende Versklavung der Arbeiterklasse der „besiegten Völker“ abzuwenden durch ein neues Miteinander auch versch. gesellschaftl.-polit. Systeme. Dies gründe auf dem Bekenntnis zur marxistischen Tradition und zum Kommunistischen Manifest, indem „die unvergleichbare Lehre von Karl Marx und Friedrich Engels […] uns dabei Pfadfinder sein [kann] nebst einer ebenso wichtigen Fundierung der sozialistischen Gesinnung auf „wissenschaftlicher Erkenntnis“ (Nr. 1/1919, 2). Verantwortlicher Redakteur der BA wird Josef Luitpold Stern, der um sich die intellektuell-politische Elite der Partei bzw. der Arbeiter Zeitung versammelt wie z.B. Helene Bauer, Otto Koenig, OttoOtto Neurath, Adelheid Popp, Therese Schlesinger, Oskar Trebitsch, Max Winter, aber auch jungen Stimmen wie Jacques Hannak, Elisa Karau oder Fritz Rosenfeld und ideologisch z.T. akzentuiert linksorientierten Positionen wie Fritz Brügel, Leo Kofler, Leo Lania oder Anna Siemsen als Gastkommentatorin Raum gibt. Die thematische Schwerpunktbildung entwickelt sich bis Mitte der 1920er Jahre in enger Anlehnung an die kulturpolitischen Vorgaben der sozialdemokrat. Parteileitung; d.h. sie konzentriert sich auf allgem. Aspekte der Bildungsarbeit, auf deren Verbindung mit gewerkschaftlichen Anliegen, bis 1920-21 auch in Rücksichtnahme auf die noch bestehenden parallelen Räte-Organisationen, auf den systematischen Aufbau des Bibliotheks- und Vortragswesens sowie der sich ausdifferenzierenden proletarischen Lese- und Fest-Kultur zu der 1919-21 auch Oskar M. Fontana programmatische Beiträge verfasste, sowie einem Berichtsteil, der neben Akzenten auf Schwesterorganisationen in der Tschechoslowakei und in der Weimarer Republik auch eine dezidiert europäische Ausrichtung aufweist. In den frühen 1920er Jahren wird auch der Bereich Lesekultur / proletarische Literaturkritik über Kurzbesprechungen und umfängliche themat. orientierte Beiträge, insbes. durch F. Rosenfeld, ausgebaut, wobei der Besprechungsteil des Jg. 1930 rund 120 Neuerscheinungen aus Literatur, Politik und Geschichte umfasste. Seit 1924/25 widmet sich die BA auch den Herausforderungen durch den technisch-medialen Wandel über eine eigene Rubrik Lichtbild und Film sowie Arbeiter-Rundfunk, erweitert ab 1929-30 um Beiträge zur Musik-Kultur und neuen Tonträgern wie z.B. der Schallplatte.


Quellen und Dokumente

Textbeispiele in der Mediathek: Rudolf Brunngraber: Kunstreferate. In: Bildungsarbeit, 1933, H. 10/11, S. 201-202, Emil Reich: Bildungsarbeit! In: Bildungsarbeit, Nr. 3/4, 1919, S. 1-2, Richard Wagner: Theaterkritik und Bildungsarbeit. In: Bildungsarbeit, Nr. 7-8, 1923, S. 62.

Digitalisate der ONB.

(PHK)

Nachdem die Mitglieder und Sympathisanten der kommunistischen Bewegung Österreichs in der bereits 1925 gegründeten Österreichische Gesellschaft zur Förderung der geistigen und wirtschaftlichen Beziehungen mit der UdSSR, die eng mit der Moskauer Gesellschaft für kulturelle Verbindung der UdSSR mit dem Ausland (VOKS) kooperierte, deutlich unterrepräsentiert waren, schufen u.a. der Jurist und Parteianwalt Egon Schönhof, der Verleger Johannes Wertheim 1929 den Wiener Bund der Freunde der Sowjetunion (BdFSU) als Vorfeldorganisation der KPÖ. Sie folgten dabei dem Vorbild des Berliner BdFSU, der im November 1928 gegründet worden war und an die 1927 erfolgte Errichtung der Internationalen Vereinigung der Freunde der Sowjetunion angeknüpft hatte. 1929 wurde Bruno Freis Russlandbericht Im Lande der roten Macht in Willi Münzenbergs Neuen Deutschen Verlag vom Berliner BdFSU herausgegeben.

Dem Wiener BdFSU gehörten neben Schönhof und Wertheim u.a. auch die Schriftstellerin und Medizinerin Marie Frischauf-Pappenheim sowie BPRSÖ-Mitglied Peter Schnur, 1931/32 Büroleiter des Bundes, an. Öffentlich trat der BdFSU zunächst durch die Organisation von Vorträgen in Wien in Erscheinung. So referierte u.a. F. C. Weiskopf am 2. März 1929 im Rahmen einer Lesung über Russland im Volksheim am Ludo-Hartmann-Platz, der Sexualforscher Wilhelm Reich, der mit Frischauf-Pappenheim 1928 die Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung gegründet hatte, am 27. Februar 1930 in Ottakring über die Position des Vatikans gegenüber der Sowjetunion, am 25. November 1931 der frühere sowjetische Volkskommissär für Unterricht Anatolij Lunatscharski über Kultur und Wissenschaft in Russland im Großen Musikvereinssaal, worüber auch die Arbeiter-Zeitung positiv berichtete, sowie am 21. Dezember 1932 der spätere KPÖ-Generalsekretär Friedl Fürnberg in Penzing über geistige Freiheit. Begünstigt durch die Zusammenarbeit mit dem staatlichen russischen Reisebüro Intourist, das Anfang der Dreißiger auch in Wien Zweigstellen besaß, konnten zudem mehrere Fahrten von Arbeiterdelegationen in die Sowjetunion realisiert werden, wovon ein durch den BdFSU verlegten Reisebericht Johannes Wertheims aus dem Jahr 1931 zeugt. 1932/33 erlebte der BdFSU wie die kommunistische Bewegung insgesamt leichten Auftrieb: Bei einem Kongress im Juni 1932 wurden auch außerhalb Wiens Versammlungen abgehalten und Unterstützer gefunden, die Rote Fahne berichtete von einem „Versammlungssturm zur Verteidigung der Sowjetunion“ (RF, 8.6.1932, S. 3). Im Jänner 1933 wurden im Rahmen einer Gedenkfeier des BdFSU zu Ehren Lenins, Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs eine „konzertmäßige Fassung“ von Brechts Die Mutter in der Vertonung Hanns Eislers aufgeführt. Mit Der Sowjetfreund gelang zudem 1932/33 die Herausgabe einer von Wertheim besorgten Zeitschrift.


Quellen und Dokumente

N.N.: Einheitsfront für die Sowjetunion. Erfolgreiche Tagung des Bundes der Freunde der Sowjetunion. In: Die Rote Fahne, 9.12.1930, S. 3, Lunatscharsky in Wien. Ein Vortrag über das kulturelle und wissenschaftliche Leben in Rußland. In: AZ, 26.11.1931, S. 5, Die Sowjetunion – ein Reiseland. In: Die Rote Fahne, 15.4.1932, S. 10, Kongreß des Bundes der Freunde der Sowjetunion. Versammlungssturm zur Verteidigung der Sowjetunion. In: Die Rote Fahne, 8.6.1932, S. 3, Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Gedenkfeier. In: Die Rote Fahne, 20.1.1933, S. 2. Gegen die Antisowjethetze. Glänzender Verlauf des ersten Vortrages des Bundes der Freunde der Sowjetunion. In: Die Rote Fahne, 23.5.1933, S. 1.

Literatur

Der Rote Faden: Reich und die KPÖ. In: Nachrichtenbrief [Blog] (Online verfügbar), Claus Remer: Der Bund der Freunde der Sowjetunion und seine Tätigkeit auf kulturellem Gebiet. In: Heinz Sanke (Hg.): Deutschland-Sowjetunion. Aus fünf Jahrzehnten kultureller Zusammenarbeit, 117–126 (1966), Julia Köstenberger: Österreichisch-sowjetische Kulturkontakte im Überblick. In: Verena Moritz u.a. (Hgg.): Gegenwelten. Aspekte der österreichisch-sowjetischen Beziehungen 1918-1938, 231-249 (2013).

(ME)

In der Frühphase der KPÖ nach 1918-19 formierte sich zunächst weniger um die ehemaligen Mitglieder der Roten Garde wie z.B. Egon E. Kisch und Franz Werfel, sondern vor allem rund um die aus Ungarn 1919-20 geflohenen Béla Illés, Sándor Barta, Andor Gábor und Aladár Komját die proletarische Literatur in Österreich. Sie veröffentlichten zwischen 1922 und 1924 in Wien und Berlin die Zeitschrift Egység (Einheit). Nach der Erstveröffentlichung von Lenins Aufsatz Parteiorganisation und Parteiliteratur in Wien (1924) und der Gründung des Verlages für Literatur und Politik durch Johannes Wertheim im selben Jahr verstärkte Die Rote Fahne wie bereits seit 1919 die Berliner Rote Fahne in Abgrenzung zum Bund für proletarische Kultur sowie in kritischer Distanz zur Proletkult-Bewegung ihre Bemühungen zur Integration der Arbeiterkorrespondenz. Neben ausländischen Autoren publizierten bereits u.a. Ernst Fabri, Peter Schnur, Hans Maier, Karl Neugebauer und Franz Janiczek regelmäßig im Feuilleton des Blattes. Nach der Gründung des deutschen Bundes der proletarisch-revolutionären Schriftsteller (BPRS) in Berlin am 19.10.1928, an dem auch SchriftstellerInnen aus Österreich bzw. aus dem ehemaligen k.k.-Raum mitwirkten wie z.B. Maria Leitner, Theodor Balk, F. C. Weiskopf oder Hermynia Zur Mühlen, wurde eine Ortsgruppe Wien eingerichtet, die 1929 sechzehn Mitglieder zählte. Am 9.2.1930 konstituierte sich in Anwesenheit von 47 Personen der BPRSÖ in Wien. Fabri wurde zum Vorsitzenden gewählt, die Berliner Linkskurve zum Zentralorgan erklärt.

Zs. Der Durchbruch, Cover

Im November 1930 nahmen Fabri, Maier, Janiczek und Lili Körber am Kongress der Internationalen Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller (IVRS) in Charkow teil. Trotz der durch Fabri verbesserten Kontakte ins Ausland scheiterten Pläne wie die Einrichtung eines Verlages, der Herausgabe einer Sammlung proletarisch-revolutionärer Erzählungen und Gedichte oder die Veröffentlichung eines Romans Peter Schnurs. Die eigene Zeitschrift Der Durchbruch erlebte Ende August 1932 eine einzige Ausgabe. Die Rote Fahne sowie 1932/33 die Illustrierte Rote Woche blieben die maßgeblichen Publikationsorte, als wirksames Instrument zur Ausbildung der Arbeiterkorrespondenten dienten zudem von Fabri, Andor Gábor, Karl Molnar und Alexander Vajda gehaltene Kurse, Vortragsabende und Versammlungen. 1931 verhinderte ein Einreiseverbot einen Russland-Vortrag des deutschen BPRS-Funktionärs, Kritikers und Romanautors Ludwig Renn. Neben der Erziehung der Arbeiterkorrespondenten zu gesinnungstreuen Schriftstellern zählte offenes politisches Engagement zu den Betätigungsfeldern des BPRS. Ab 1931 stützte der BPRSÖ die kommunistische Spieltruppenbewegung. Nach Fabris Schritt in die Emigration 1932 übernahmen Maurice Oskar Acht und zuletzt Johannes Wertheim die Leitung des BPRS, der aufgrund der fehlenden offiziellen Verbindung zur KPÖ nach deren Verbot 1933 weiterexistierte, allerdings ohne tatsächliche Grundlage. Neben der Ausreise weiterer Protagonisten – etwa Fritz Jensens oder Otto Hellers – kündigte vor allem das Verbot der Roten Fahne im Juli 1933 die formellen Auflösung des Bundes am 7.3.1934 bereits an. Bemühungen der Emigrierten sowie der in Wien Verbliebenen zur Fortführung blieben ergebnislos.

Mitglieder (insgesamt ca. 80) u. a.: Paul Antl, Lajos Barta (Ps. Erich Barlud), Josef Barski (Ps.: Josef Beiser), Fritz Bartl, Karl Fink, Ernst Franta (Ps.: Erta), Erich Freudmann, Franz Genser (Ps.: Franz Hart), Fritz Glaubauf, Erich Grosser, Karl Groyer, Karl Gug(g)erell, Franz Hattinger, Julius Haydu, Franz Hladik, Stefan Hochrainer, Lili Körber, Maximilian Lazarowitsch, Karl Ledwina, Stefan und Hedwig Milde, Franz Millik, Friedrich Minich (Ps.: Frimin), Franziska und Robert Novotny (Ps.: Ronow), Ulrike Prochazka, Ernst Rindl (Ps.: Marin), Hugo Rosenberg, Karl Sacher, Walter Schläger, Peter Schnur, Otto Stegmüller, Maria Szucsich, Alexander Vajda, Leo Weiden, Hilde Wertheim, Otto Wolfgang, Eduard Zronek, Erwin Zucker-Schilling


Quellen und Dokumente

Satzungen des Vereines „Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs“. Abgedruckt bei Musger 1977, 298-302, Ernst Fabri: [An das] Internationale Büro für revolutionäre Literatur. Moskau [Brief, 30.1.1930] [digitalisiert, S. 345-347], E. F.: Über die Arbeit der österreichischen Sektion der IVRS. In: Internationale Literatur 3 (1933), H. 1, S. 144f. Abgedruckt bei Musger 1977, 291-294, N.N.: Bericht über die Tätigkeit des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller im Jahre 1929 [1930]. In: Zur Tradition der deutschen sozialistischen Literatur. Eine Auswahl von Dokumenten. Bd. 1: 1926-1935, 180-194 (1979), Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Österreichs. In: Die Linkskurve 3 (1930), S. 29.

Berichte in Die Rote Fahne: Was wollen die proletarisch-revolutionären Schriftsteller? In: Die Rote Fahne, 9.2.1930, S. 8, Béla Illés: Vor dem Plenum der internationalen revolutionären Schriftsteller. In: Die Rote Fahne, 21.9.1930, S. 6, N.N.: Die proletarisch-revolutionären Schriftsteller als rote Wahlhelfer für die kommunistische Partei. In: Die Rote Fahne, 10.10.1930, S. 3, N.N.: Durch internationale Solidarität ein Opfer dem weißen Terror entrissen. Genosse Kerechki enthaftet! In: Die Rote Fahne, 10.10.1930, S. 3, Hans Maier: Unsere Reise ins Land der Towarischi. In: Die Rote Fahne, 28.12.1930, S. 5, Trude Richter: War arbeitet der Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller? In: Die Rote Fahne [Berlin], 25.6.1932, S. 6, N.N.: Ein Brief Stefan Zweigs über die Kriegsgefahr. Und die Antwort der proletarisch-revolutionären Schriftsteller. In: Die Rote Fahne, 17.7.1932, S. 8f., N.N.: Arbeiterschriftsteller erzählen. In: Die Rote Fahne, 5.10.1932, S. 7, N.N.: Eine Tat der proletarisch-revolutionären Literatur. Der Sammelband „30 neue Erzähler des neuen Deutschlands“. In: Die Rote Fahne, 9.12.1932, S. 7.

Literatur

Martin Erian: Proletarisch-revolutionäre Literatur in Österreich 1918-1934 (2016).

Herbert Exenberger: Österreichische Arbeiterliteratur und ihre Schriftsteller. In: Harald Troch (Hg.): Wissen ist Macht! Zur Geschichte sozialdemokratischer Bildungsarbeit, 165-175 (1997), Gerald Musger: Der “Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs” (1930 – 1934). Eine Dokumentation. Phil. Diss. (1977), N.N.: Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs (BPRSÖ), Alexander Vajda: Proletarisch-revolutionäre Schriftsteller Österreichs. In: Weg und Ziel 30 (1970), H. 7/8, 46-48.

(ME)

(In Vorbereitung)

Anknüpfend an die Traditionen des Pariser „Chat Noir“ und des in München ansässigen Kabaretts „Die Elf Scharfrichter“ sowie mit Unterstützung durch den Mäzen und Mitbegründer der Wiener Werkstätte Fritz Waerndorfer eröffnete am 19. Oktober 1907 in der Kärntner Straße das Cabarett Fledermaus. Die programmatische Eröffnungsschrift, die an alle geladenen Gäste ergangen war, kündigte das Etablissement als „[e]ine Stätte, die der Kultur der Unterhaltung dient“ an, in der „eine organische Verflechtung aller künstlerischen und ästhetischen Bereiche“ angestrebt werde (zit. n. Forcht, Wedekind, S. 216). Der Prolog am Eröffnungsabend stammte aus der Feder Peter Altenbergs und wurde von Lina Loos vorgetragen, die unter ihrem Künstlernamen Lina Vetter auftrat: „Ein zart bewegter Hintergrund, den ein freifallender Vorhang herstellt; ein hoher Lehnstuhl, auf einem Tischchen weiße Rosen, und daneben sitzt eine zarte Mädchengestalt, von schwarzem Stoff umflossen, mit großen sinnenden Augen in dem feinen Gesichtchen, Lina Vetter, die, wie träumend, wie unter einer Suggestion, Worte von Peter Altenberg spricht […]“. (Fremden-Blatt, 22.10.1907). Die Pressestimmen zeigten sich von der optischen Ausgestaltung beeindruckt, bemängelten aber die künstlerische Umsetzung des Vorhabens: „ … alles, was dieser wunderschöne Raum verspricht, konnten die anderen Künstler, die Sängerinnen, Dichter, Dillettanten auf den ersten Wurf noch nicht halten.“ (AZ, 20.10.1907, S. 8).

Unter der Leitung von Marc Henry und dessen Frau Marya Delvard, die bereits im Jahr zuvor am selben Ort mit dem „Nachtlicht“ das erste Cabarett Wiens gegründet hatten, entwickelte sich die avantgardistische „Fledermaus“ dennoch sehr schnell zu einem Zentrum des Wiener Gesellschaftslebens. Das war auch der spektakulären Inneneinrichtung im Wiener Jugendstil geschuldet: Die Einrichtung des Innenraums mit insgesamt 300 Sitzplätzen und einer American Bar war von der Wiener Werkstätte gestaltet worden, der Theaterraum nach den Entwürfen von Josef Hoffmann, einem Mitbegründer der Secession. Zudem hatten sich u.a. Oskar Kokoschka, Koloman Moser und Gustav Klimt an der dekorativen Ausgestaltung beteiligt. Die Wiener Werkstätte entwarf neben den Kostümen und Textilien auch Werbematerialien wie z. B. Postkarten, Plakate, Programmhefte und Anstecknadeln. 

Vorraum des Cabarett Fledermaus, 1907.

Der inhaltliche Schwerpunkt lag auf der szenisch-musikalischen Darbietung literarischer Werke, musste sich aber oftmals dem Primat der ästhetischen Umsetzung durch die Wiener Werkstätte und deren Gesamtkunstwerkgedanken unterordnen. 

Seit 1908 wurde das Haus von Egon Friedell geführt, die musikalische Leitung lag seit 1909 bei Leo Ascher und Béla Laszky, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Mella Mars dem Wiener Publikum die Gattung Chanson näherbrachte. Ein besonderer Publikumsliebling wurde die Diseuse Marya Delvard, die in München bereits große Erfolge bei den „Elf Scharfrichtern“ hatte feiern hatte können. Aber auch die Chansons von Trude Voigt und die satiritschen Beiträge von Else Sanden wurden von Publikum und Kritik gleichermaßen gut aufgenommen. Für großes Aufsehen, zumal in der Tagespresse, sorgte ein Gastspiel der Schwestern Wiesenthal, die mit ihrem selbst kreierten modernen Tanzstil „mimische Illustrationen zur Musik von Chopin, Johann Strauß, Schumann, Beethoven und Massenet“ lieferten (NWT, 15.1.1908, S. 14).

Wie in der Wiener Kabarettszene üblich besaß die „Fledermaus“ ein eigenes Hausorchester; ungewöhnlich war jedoch dessen Unterbringung in einem „winzigen Orchestergraben unterhalb der Bühne, der gerade so groß war, dass ein Harmonium, ein Klavier und ein Salonorchester Platz fanden.“ (Forcht, Wedekind, S. 218). Alfred Polgar verfasste – teilweise gemeinsam mit Friedell (was ihnen den Spitznamen „Polfried AG“ einbrachte) – die Programmtexte, wobei vor allem ihr sog. „Goethe-Sketch“ zu einem großen Erfolg geriet. Auch Peter Altenberg, Gustav Meyrink, Roda Roda, Leo Greiner, Hermann Bahr und Fritz Löhner-Beda, genannt Beda und späterer Verfasser des Textes für das Buchenwaldlied, zählten zu den Autoren, die regelmäßig Beiträge für die „Fledermaus“ verfassten.

1913 übernahmen die Brüder Schwarz das Etablissement und eröffneten in den Räumen das Revuetheater Femina.


Literatur

Michael Buhrs/Barbara Lesák/Thomas Trabitsch (Hg.), Kabarett Fledermaus, 1907-1913. Gesamtkunstwerk der Wiener Werkstätte. Literatur, Musik, Tanz, Wien 2007; Georg W. Forcht, Frank Wedekind und die Anfänge des deutschsprachigen Kabaretts, Freiburg 2009; Gertrud Pott, Die Spiegelung des Sezessionismus im österreichischen Theater (Wiener Forschungen zur Theater- und Medienwissenschaft, Bd. 3), Wien/Stuttgart 1975; Hans Veigl, Lachen im Keller. Kabarett und Kleinkunst in Wien 1900 bis 1945 (Kulturgeschichte des österreichischen Kabaretts, Bd. 1), Graz 2013; Hans Veigl (Hg.), Nachtlichter. Sezessionistisches Kabarett. Couplets, Grotesken, Kritiken, Wien 1993; „Fledermaus“. In: Historisches Lexikon Wien, Bd. 2, Wien 1993, S. 223f.

Quellen und Dokumente

Das Cabaret-Theater “Fledermaus”. In: Neues Wiener Tagblatt, 18.10.1907, S. 9; Das Cabaret Fledermaus. In: AZ, 20.10.1907, S. 8; Cabarett Fledermaus. In: AZ, 3.1.1909, S. 10; Cabaret Fledermaus. In: AZ, 3.2.1910, S. 4; Moderne Tänze. In: Neues Wiener Tagblatt, 15. Januar 1908, S. 14; Fledermaus. In: Das interessante Blatt, 19.12.1912, S. 26.

 (MK)

1919 veröffentlichte Henri Barbusse seinen Roman Clarté, der die Aus- u. Fortwirkungen des Krieges im Alltag von Kriegsheimkehrern thematisiert und als Gründungsimpuls zur gleichnamigen Gesellschaft zu verstehen ist. Diese Gesellsch. begriff sich als Vereinigung für Völkerverständigung, Pazifismus und Demokratie, war polit. deutl. links positioniert, sprach aber auch bürgerl. Pazifistinnen u. Pazifisten an. Im Jänner 1920 veröffentl. Barbusse, Romain Rolland u. George Duhamel in Humanité einen Appell, einen internat. Kongress europ. Intellektuellen, in Bern abzuhalten, um sich über die Ideale u. Möglichkeiten der Völkerverständigung auszutauschen. Bereits im Februar 1920 kam es in Brünn/Brno zur Grd. einer Clarté-Sektion; im Dez. 1920 hielt R. J. Kreutz in Wien im Rahmen der österreichischen Friedensgesellschaft zwei Vorträge, die 1921 als Broschüre erschienen: Der neue Mensch bzw. Die Ziele der Clarté, wobei er sich von der polit.-revolut. Ausrichtung mit Verweis auf das gescheiterte Experiment Bela Kun distanzierte und als Gebot der Stunde ›Brüderlichkeit‹ proklamierte.

Mitte Mai 1922 wurde auch in Wien die Gründungsversammlung der österreichischen Clarté abgehalten, an der, so ein Bericht der AZ, „mehrere hundert Versammelte“ teilgenommen haben. Eröffnet wurde sie durch den Schriftsteller und Bildungspolitiker J. L. Stern, die Grundsatzrede hielt Béla Balázs. B. sprach sich dabei gegen die Passivität der Intellektuellen aus, forderte eine „Revolutionierung der Geister“ und als Fernziel, im Unterschied zu Kreutz, die „klassenlose Gesellschaft“, weshalb dies auch innerhalb der KPÖ zu Debatten führte. Weitere Redner waren der Architekt George Karau, der Kritiker Max Ermers und Komponist u. Musikredakteur Paul A. Pisk. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Nationalökonom und Soziologe Karl Grünberg, Prof. an der Jurid. Fakultät, gewählt, der nach Übergriffen von NS-Studenten auf Julius Tandler und ihn selbst im Jahr 1923 einen Ruf als Direktor des Instituts für Sozialforschung nach Frankfurt/Main 1924 annahm. Mitglieder der Gesellsch. waren auch E. Feldmann, A. Nußbaum, B. Olden, Stefan Zweig u.a. Schriftsteller u. Kritiker, in DL gehörte ihr u.a. Heinrich Mann an. Ab Mitte der 1920er Jahre lässt die öffentl. Präsenz u. Wahrnehmung spürbar nach; über die Clarté-Bewegung wird bis 1938 fast nur mehr im Zshg. mit Äußerungen oder Handlungen von H. Barbusse, etwa das Verhältnis zwischen kommunist. Bewegung u. Ideologie u. Clarté, von Anfang an ein kontrovers diskutiertes, gesprochen bzw. berichtet.


Quellen und Dokumente

Die Ziele des „Clarté“ [zu einem Vortrag von Rudolf Jeremias Kreutz] In: Neue Freie Presse, 18.12.1920, S. 6, Henry Barbusse über die politische Zukunft. In: Neues 8-Uhr-Blatt, 5.10.1921, S. 2, Die Clarté in Wien. In: Arbeiter-Zeitung, 26.5.1922, S. 4, Henri Barbusse. In: Prager Tagblatt, 11.12.1925, S. 4.

Literatur

Almut Lindner-Wirsching: Französische Schriftsteller und ihre Nation im Ersten Weltkrieg (2004), S. 48f.

(PHK)

In Vorbereitung/ in preparation

Marsch- und Durchhaltelied von Jura Soyfer (Text) und Herbert Zipper (Musik), entstanden im Konzentrationslager Dachau zwischen Juni und September 1938.

Die erste Strophe und der Refrain lauten wie folgt:

Stacheldraht, mit Tod geladen,
Ist um unsre Welt gespannt.
Drauf ein Himmel ohne Gnaden
Sendet Frost und Sonnenbrand.
Fern von uns sind alle Freuden,
Fern die Heimat und die Fraun,
Wenn wir stumm zur Arbeit schreiten,
Tausende im Morgengraun.

Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt,
Und wir wurden stahlhart dabei.
Bleib ein Mensch, Kamerad,
Sei ein Mann, Kamerad,
Mach ganze Arbeit, pack an Kamerad:
Denn Arbeit, denn Arbeit macht frei,
Denn Arbeit, denn Arbeit macht frei!


Quellen und Dokumente

Vollständiger Text abrufbar bei literaturepochen.at.

Jakob Moreno Levy gründet 1918 die Zeitschrift Daimon und setzt damit als Herausgeber bereits bestehende Bestrebungen fort, seine „Religion der Begegnung“ einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Begleitet wird dieses Anliegen von der Suche nach neuen ästhetischen Ausdrucksmitteln, die die politischen Herausforderungen der Zeit im Kontext spiritueller Fragestellungen begreifen und abbilden können. Der Daimon steht somit in einem politischen Nahverhältnis zu anderen expressionistischen und pazifistisch ausgerichteten Zeitschriften wie etwa Benno Karpeles’ Der Friede oder Franz Bleis Summa (siehe Werbeeinschaltungen), hebt sich aber zugleich durch die heterogene, metaphysisch-religiös bestimmte Themenwahl und eine von hymnischem Pathos getragenen Sprache von anderen Zeitschriften ab. Der Daimon wird nicht zuletzt darum unter dem Stichwort des „Messianischen Expressionismus“ zur Einordung gebracht. Die hohe Dichte namhafter Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die im Daimon Beiträge veröffentlichen, zeigt zudem seinen besonderen literaturgeschichtlichen Stellenwert im Kontext der expressionistischen Zeitschriften. Zu den Beitragenden zählen u.a.: Béla Balázs (übers. v. E. A. Reinhardt, Paul Baudisch, Petr Bezruč (übers. v. Rudolf Fuchs), Franz Blei, Otokar Březina (übers. v. Emil Saudek), Max Brod, Paul Claudel, Dawid Frischmann, Rudolf Fuchs, Iwan Goll, Albert Paris Gütersloh, Eugen Hoeflich, Francis Jammes (übers. v. E. A. Reinhardt), Georg Kaiser, Paul Kornfeld, Georg Kulka, Hetta Mayr, Robert Müller, Giovanni Pascoli (übers. v. Benno Geiger), Leopold Reissinger, Friedrich Schnack, André Suarès (übers. v. Jakob Hegner), Jakob Wassermann, Ernst Weiß, Franz Werfel, Oskar Wiener, Alfred Wolfenstein. In der Fortsetzung des Daimon erscheinen auch Texte von Martin Buber, Ernst Bloch, Alfred Döblin, Albert Ehrenstein, Carl Ehrenstein, Chajan Kellmer, Heinrich Mann, Mynona, Hugo Sonnenschein u.v.m.

Titelblatt der ersten Ausgabe, 1918

Morenos Religion der Begegnung zeichnet sich durch ein gewisses konfrontatives Moment aus, das politisch, im Sinne von sozial und ästhetisch, vom schöpferisch tätigen Individuum gesellschaftlich produktiv gemacht werden soll. Der Künstler/die Künstlerin gilt damit als Zwischenwesen (gr. daimon), das in der Sphäre zwischen Gott und Welt Kraft seiner entfesselten Spontanität (als göttliche Gabe) die Welt verändern kann. Der Titel von Morenos früher Flugschriftenreihe „Einladung zu einer Begegnung“ (1914/15), welche ausschließlich Texte von ihm selbst enthielt, kehrt im Untertitel des größer angelegten Daimon stellenweise wieder (siehe Der Neue Daimon, 1919, H. 3/4) und verdeutlicht die programmatische Linie. Die Mitarbeiter des Daimon bilden einen Zirkel; Treffpunkte sind das Café Museum und der Herrenhof (Autobiographie, 76f.)

Während Moreno alle vier Hefte des ersten Jahrgangs (unter dem Titel Daimon) herausgibt (Redaktion von E. A. Reinhardt), zieht er sich nach den ersten beiden Heften des Folgejahrgangs 1919 (unter dem Titel Der Neue Daimon) als Herausgeber zurück und verfasst nur noch einzelne Beiträge (siehe Das Testament des Vaters, in: Die Gefährten, Jg. 3 [1920]/Heft 2). Mit der Umbenennung kommt es auch zu einer Veränderung der Betriebsform. Der ab Heft 3/4 gegründete Genossenschaftsverlag erhebt die beitragenden Autoren zugleich zu Verlagsinhabern; die Produktionsmittel bleiben so im Besitz der Mitarbeiter. Gründungsmitglieder sind Alfred Adler, Albert und Carl Ehrenstein, Fritz Lampl, Hugo Sonnenschein und Jakob Levy Moreno. Neben dem Neuen Daimon, erscheinen als Ergänzung drei Hefte unter der Reihenbezeichnung „Die Gefährten“, die 1920 zum Titel der Zeitschrift wird. Als Herausgeber der nunmehr eher autorenbezogenen Hefte fungiert Albert Ehrenstein. Die Ausgaben widmen sich zunehmend einzelnen Autoren, so etwa H. 3 (1920) Heinrich Mann (Die Tote. Novelle; Der Weg zur Macht. Drama in drei Akten), H. 10 (1920) Oskar Kokoschka; H. 1 enthält Auszüge aus den Reden Gotamo Buddhos (übers. v. Karl Eugen Neumann), Albert Ehrensteins Essay zu Karl Kraus gelangt in H. 7 (1920) zur Veröffentlichung. Das letzte Heft der Gefährten, das Texte von Albert Ehrenstein enthält, erscheint 1922.


Werke

Daimon. Eine Monatschrift. Hg. v. Jacob Levy Moreno. Redaktion: E. A. Reinhardt . Wien: Verlag der Daimon Schriften Brüder Suschitzky 1918. ([Heft 1]Prolog: Februar 1918, Heft 2: April 1918, H. 3: Juni 1918, H. 4: August 1918) – erscheint zweimonatliche, insg. 4 Einzelhefte.

Forts.: Der Neue Daimon. Eine Monatsschrift (H. 1/2); Einladung zu einer Begegnung (H. 3/4). Wien: Verlag der Daimon Schriften Brüder Suschitzky 1919; ab Heft 5-7-9/10 Wien: Genossenschaftsverlag 1919. Herausgeber: H. 1/2-3/4 Jakob Moreno Levy, H. 8-11/12 Fritz Lampl, 9/10 Hugo Sonnenschein – erscheint monatlich, insg. 12 Einzelhefte. (Siehe Wallas: Zeitschriften und Anthologien des Expressionismus in Österreich, 342-344)

Forts.: Die Gefährten. Der dritte Jahrgang des „Neuen Daimon“. Hg. v. Albert Ehrenstein. Wien: Genossenschaftsverlag 1919-1922. – erscheint unregelmäßig, insg. 16 Einzelhefte. (Siehe Wallas: Zeitschriften und Anthologien des Expressionismus in Österreich, 244-247)

Einladung zu einer Begegnung. Hg. v. Jakov Moreno Levy. Wien 1914/1915 – erscheint unregelmäßig; zwei Berichte ergänzt durch einen Flugbericht.

Quellen und Dokumente

Expressionismus online: https://db.saur.de/LEX/login.jsf (Daimon [1918], Der Neue Daimon [1919], Die Gefährten [1919-1922])

Jacob Levy Moreno: Auszüge aus der Autobiographie. Hg. v. Jonathan D. Moreno. Mit einem Nachwort von René Marineau. Köln: inScenario Verlag 1995.

Literatur

Klaus Amann und Armin A. Wallas (Hg.): Expressionismus in Österreich. Die Literatur und die Künste. Wien u.a.: Böhlau 1994, S. 60f., Barbara Erlacher-Farkas und Christian Jorda (Hg.): Monodrama. Heilende Begegnung. Vom Psychodrama zur Einzeltherapie. Wien, New-York: Springer 1996, S. 26ff, Murray G. Hall: Österreichische Verlagsgeschichte 1918-1938. Bd. 2. Belletristische Verlage der Ersten Republik. Wien, Graz u.a.: Böhlau 1985, S. 144-159, Armin A. Wallas: Zeitschriften und Anthologien des Expressionismus in Österreich. Analytische Bibliographie und Register. München: Saur 1995.

(KK)

Literarische Zeitschrift, hg. von Oskar Maurus Fontana und Alfons Wallis, die in unregelmäßiger Weise, d.h. etwa vierteljährlich vom Frühjahr 1917 bis zum Herbst 1918 in fünf Ausgaben im Anzengruber Verlag (Wien) erschien. Die Redaktion befand sich im dritten Bezirk, d.h. in der Landstraße 1, offenbar dem Wohnsitz von Wallis. Die letzte Ausgabe trug das Motto Das Flugblatt wendet sich an alle jungen Menschen, die den Geist suchen und nicht den Betrieb. Der Umfang betrug jeweils zwölf Seiten.

Als Mitarbeiter figurierten die Autoren, die jeweils zum Abdruck kamen. Von Beginn an versammelte dabei das F. ein recht heterogenes Spektrum: mit Richard Billinger, Felix Braun, Heinrich Eduard Jacob, Oskar Loerke u. Max Mell neuromant. Lyriker mit trad. Themen, mit Uriel Birnbaum, Rudolf Leonhard, Emil A. Rheinhardt, Erich Singer, Berthold Viertel und Paul Zech, eine Generation der in den 1890er Jahren geborenen Schriftsteller, die in unterschiedlichem Ausmaß der expressionistischen, aktivistischen oder vitalistischen Bewegung nahe standen bzw. sich tw. auch der Spätmoderne des Fin de Siècle zurechneten. Die Mehrzahl der Beiträge bestand aus Gedichten; gelegentlich kamen kürzere Prosatexte sowie ab H.2 auch programmatische Kommentare u. Reflexionen über Dichtung sowie über Zeitfragen (Krieg, Sozialismus, Zionismus) hinzu. Ebenfalls ab H. 2 bzw. ab H.3 waren Eugen Hoeflich, Max Brod, P. Hatvani, A. P. Gütersloh, Fritz Lampl sowie in den letzten beiden auch Kurt Hiller, Arthur Holitscher, Leo Strauß oder C.M. Weber mit Beiträgen vertreten, womit die Zs. stärker eine programmat. Note in Richtung einer expressionistischen, messianischen Geschichtskonzeption (Wallas, 34) erhielt. Letztere wurde mit dem Abdruck von Stellen aus Hasenclevers kriegskrit. Antigone-Schauspiel unter dem Motto Dem Aufgang zu! bzw. Die neue Welt bricht an In H. 2/1917 eingeleitet, in A. Holitschers Plädoyer für einen neuen, der Bergpredikt verpflichteten Sozialismus ausgeweitet (H.4/1918) u. mündete in einen zum Programm erhobenen Glauben „an eine neue Zeit“ (Leonhard) in H. 5/1918, in der den Dichtern, so auch O.M. Fontana, als „die wirklich Wirklichen“ eine Orientierungsfunktion zukommen werde.


Quellen und Dokumente

Ankündigung in: Oesterr.-ungar. Buchhändler-Correspondenz, 20.6.1917, S. 277.

Literatur

A.A. Wallas: Zeitschriften und Anthologien des Expressionismus in Österreich. Analytische Bibliographie und Register Bd. 1 (1995), S. 34.

(PHK)