geb. am 18.12.1882 in Jungbunzlau (Mladá Boleslav) – gest. am 12.5.1965 in Berkeley, California (USA); Jurist, Redakteur, Herausgeber, Aktivist, Pazifist, Exilant

Nach dem erfolgreichen Besuch des Gymnasiums in seiner Heimatstadt begann K. , Sohn eines Kaufmanns,1900 ein Jus-Studium in Prag, das er 1902–03 in Wien bzw. in Berlin fortsetzte; 1906  wurde er zum Dr. jur. der deutschen Universität Prag promoviert. Danach übersiedelte er nach Wien und war als Rechtsanwalt tätig. K., der bereits als Gymnasiast zionistisch ausgerichtet war, gehörte in Prag dem zionistischen Studentenverein Bar Kochba an. Bereits vor dem 1. Weltkrieg gründete er in Wien die ›Freie Juristische Vereinigung‹ und engagierte sich in der ›Gesellschaft für Soziales Recht‹. 1909–13 gab er die Reihe Das Recht. Sammlung von Abhandlungen für Juristen und Laien heraus und veröffentlichte die Recht und Unrecht der Ausweisung. Dargestellt auf Grund der österreichischen Gesetzgebung und Praxis (o. J.). Ende 1917 zeichnete K. für eine von ihm eingeleitete Neuausg. von I. Kants Schrift Vom ewigen Frieden, ersch. in der Insel-Bibliothek, verantwortlich; 1919 war er Präsident des u. a. von Robert Müller begründeten, Bundes der geistig Tätigen und einer der Redakteure der programmat. Zeitschrift Der Strahl (1919–20). Gem. mit Erwin Müller bereitete er eine dramatis. Fassung von Platos Gastmahl vor, das allerdings erst 1932 im Saturn-Verlag erscheinen konnte.

In den 1920er Jahren wirkte er immer wieder als Verteidiger von Angeklagten in Presseverfahren oder gegen polizeil. Übergriffe. Am 30. 7. 1923 trat er als Redner bei  der Großkundgebung ›Nie wieder Krieg‹ gem. mit J. Deutsch, H. Hertzka, Pierre Ramus u.a. auf, die von Hakenkreuz tragenden Jugendlichen gestört wurde. 1926 wurde er in den Beirat der österr. Sektion der ›Liga für Menschenrechte‹ gewählt. Im Auftrag der ›Internationale der Kriegsdienstgegner‹ gab er 1928 den Bd. Gewalt und Gewaltlosigkeit. Handbuch des aktiven Pazifismus heraus, an dem u. a. Mahatma Gandhi, Romain Rolland und Stefan Zweig mitarbeiteten. In Wien war K. Mitglied des zionistischen Landeskomitees für Österreich, des ›Herzl-Klub‹ und der ›Bʼnai Bʼrith-Loge Die Wahrheit‹. Er publizierte u. a. in der Zs. Der Friede und im zionistischen Organ Die Stimme. K. und seine Frau Dora (Dvoira) Kobler, geb. Feigenbaum (geb. Warschau / Warszawa, 30. 11. 1881; gest. März 1960), versammelten in Wien einen Kreis von Schriftstellern, Künstlern, Musikern und Juristen um sich, dem u. a. Felix Braun, Hans Kelsen, Viktor Matejka, Otto Stoessl und Ernst Waldinger angehörten. 1933 veröffentl. Kobler u.a. auch in der Zs. der ›Paole Zion‹ Der jüdische Arbeiter u. trat im Jüdischen Volkshaus (Blumauergasse, Wien 2. Bez.) als Redner in Erscheinung. 1935 folgte die Veröffentlichung der Anthologie Juden und Judentum in deutschen Briefen aus drei Jahrhunderten (Neuaufl. 1984) und noch im Februar 1938 des Bd. Jüdische Geschichte in Briefen aus Ost und West – das Zeitalter der Emanzipation. Im März 1938 wurden er und sein Sohn Richard verhaftet. K. kam nach drei Monaten frei, flüchtete nach Zürich und im März 1939 nach London, wo er am ›Institute of Jewish Learning‹ unterrichtete. Seine wertvolle Kunstsammlung und Bibliothek verblieben in Wien. K. gehörte dem ›Cultural and Legal Advisory Committee‹ der britischen Sektion des Jüdischen Weltkongresses an, war ehrenamtlicher Sekretär des Austrian P.E.N.-Club und arbeitete zusammen mit Franz Rudolf Bienenfeld an den legistischen Grundlagen für die Nürnberger Prozesse. 1947 übersiedelte  K. in die USA, zuerst nach Los Angeles, 1960 nach Berkeley, wo er weiter an historischen Studien arbeitete.


Weitere Werke

Von Sonnenfels bis Kelsen. Jüdische Rechtsgelehrte in Österreich (o. J.), Völkerfrühling in Österreich (gem. mit F. Ottmann, Wien 1916); Her Children Call Her Blessed. A Portrait of the Jewish Mother. (N.Y. 1953); The Vision Was There (London 1956, online verfügbar)

Quellen und Dokumente

Vom Sinn der Makkabäerfeier. In: Der jüdische Arbeiter, 22.12.1933, S. 3.

Leo Goldammer: Dr. Franz Kobler. In: Der jüdische Arbeiter, 20.1.1933, S. 2, N.N.: Nie wieder Krieg. Eine Kundgebung vor dem Rathause. In: Neues Wiener Tagblatt, 30.7.1923, s. 3.

Nachlass: Leo Baeck Institute (Franz Kobler Collection)

Literatur

E. Adunka: Franz Kobler (1882-1965): Rechtsanwalt und Historiker. In: Menora. Jahrb. F. deutsch-jüdische Geschichte 5 (1994), 97-121; A.A. Wallas: ›Geist‹ und ›Tat‹.  – Aktivistische Gruppierungen und Zeitschriften in Österreich 1918/19. In: Ders.: Österreichische Literatur-, Kultur- und Theaterzeitschriften im Umfeld von Expressionismus, Aktivismus und Zionismus. Wuppertal 2008, 66f.

E. Adunka: F. K. In: ÖBL Online-Edition, Lfg. 1 (01.03.2011)

(PHK)