geb. am 18.7.1887 in Prag – ermordet am 1.6.1942 in einem Lager nahe Minsk, vermutlich in Maly Trostinec; Schriftstellerin; Pseud.: Johannes Herdan.

A. J. Koenig (AJK) war das dritte Kind des k.u.k. Hauptmanns Karl Koenig und dessen Frau Susanne (geborene Herdan). Bald nach ihrer Geburt nahm der Vater, ein zum Katholizismus konvertierter jüdischer Offizier, seinen Abschied und die Familie zog 1888 nach Wien. In Wien besuchte sie ein Höheres Töchter Institut und die vom Wiener Frauenerwerbsverein geführte Höhere Töchterschule. Häufig kränklich versäumte sie viel Unterrichtsstoff, den sie im Selbststudium nacharbeitete, um dabei sich dabei gute Sprach-, Geschichts- und Literaturkenntnisse anzueignen. Koenigs eigentliche Interesse galt jedoch dem Theater und der Literatur. Im Mai 1909 erschienen im Prager Tagblatt bzw. im Okt.-Heft 1909 der Zs. Der Merker erste Gedichte unter dem Pseud. Johannes Herdan, gefolgt von weiteren in der Zs. Die Muskete (1910-11), in der NFP oder in der Zeit; im Okt. 1910 nahm sie in prominenter Gesellschaft (Altenberg, Beer-Hofmann, Hofmannsthal, Schaukal, St. Zweig u.a.) an einem Wiener Leseabend teil. Im Herbst 1914 beteiligte sie sich am patriotischen Aufbruch, z.B. mit dem Gedicht Oesterreich in Westermanns Monatsheften, das auch in die Reihe Der große Krieg (H.9/1915) aufgenommen wurde. Unter ihrem eigenen Namen erschien dann 1917 die Erzählung Die Erkenntnis des Bösen in acht Folgen in der Zs. Neues Frauenleben und im Mai 1918 der Gedichtband Die Windsbraut. Die Kurzbesprechung in der Wiener Ztg. (28.8.1918,13) sprach von „formvollendeten Versen“; auch G. v. Urbanitzky zollte ihr 1920 in einer Rückschau auf Wiener Neuerscheinungen Anerkennung. 1919 lernte sie den deutlich jüngeren Geschäftsmann (und Spekulanten) Bernhard (von) Ehrenfels kennen, den sie 1921 heiratete. 1922 folgte der Roman Der heilige Palast, ein Roman voller „Farbenglut“ über „die Verfallszeit einer alten Kultur“, d.h. hier der oströmischen in Gestalt der von Koenig aufgewerteten Kaiserin Theodora und ihres in der geschichtl. Überlieferung viel positiver besetzten Gatten Justinian, – ein Roman, der aufgr. seiner souveränen Erzählkunst wie der Möglichkeiten, weibliche Sinnlichkeit zu gestalten auch vom Kritiker des Prager Tagblatts begrüßt wurde. Zur Jahreswende 1922-23 erschien im Rikola-Verlag auch ihr Gedichtband Die Lieder der Fausta, die sie als eigenwillige Lyrikerin mit sinnlich-expressiven Zügen durchsetzte. 1924 folgte ihr zweiter historischer Roman, der Wikingerroman Die Geschichte von Half dem Weibe, an dem Josef Kalmer eine „seltsame Kühnheit“ würdigte, welche die Form der Nordlandsage mit „vorbildlichen Sittenschilderungen“ aber auch mit Charakteren, die von Perutz oder Wassermann stammen könnten und „zeitlose Menschentypen“ zeigten, verbinden. O. Koenig hob an diesem Roman insbes. die nicht nationalistische Note des Kampfes der alten Wikinger-Heiden gegen ihre Christianisierung hervor, die „poetisch geschaut“ werde (BA, Nr.2/1925, 16). Im April 1925 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Wien für ihre „kulturhistorischen Romane“, die „in expressionistisch-hymnischer Sprache“, die auch als „Fluchtversuch aus einer fremdbestimmten und unbefriedigenden Realität in eine noch urtümliche Vergangenheit“ gelesen werden können (D. Sudhoff). 1925 ging sie mit ihrem Gatten, der die Stelle eines Honorarkonsuls erhielt, nach Marokko, wo sie mit Unterbrechungen bis 1930 verblieb, als ihre Ehe nach zahlreichen Affären jenes Gatten, der sie auch finanziell ruinierte, in Brüche ging. 1928 erschien als Jugendbuch ihre nordische Gudrun, für O. K[oenig] ein „prachtvolles Buch“ (AZ, 13.12.1928, 8), das die bisherigen Ausgaben weit überrage, und auch F. Rosenfeld für sie einnahm; 1929 war sie wieder auf Lesetour in Österreich und Deutschland, sprach in Radio Wien (24.4.1929), platzierte Reiseeindrücke in Zeitschriften wie Die Bühne, aber auch die AZ, und gab E. Tauber ein Interview (NWJ, 10.5.1929,8). Am 10.10.1930 erschien im NWJ die knappe Notiz, AJK sei „zu längerem Aufenthalt in Wien eingetroffen“, eine euphemistische Umschreibung für die gescheiterte Ehe, die allerdings erst 1936 offiziell mit der Scheidung besiegelt wurde. Zuvor erschien der Band Liebesgedichte in der Speidelschen Verlagsbuchhandlung (die auch andere Titel aus dem Rikola-Programm übernommen hatte). Am 31.12.1931 kündigte die NFP den (Vor)Abdruck des Romans Leidenschaft in Algier (in Fortsetzungen, die im Jänner-April 1932 gedruckt wurden) an. Dieser Algier-Roman wurde breit und gut aufgenommen; der Aspekt der sexuellen Hörigkeit und Abhängigkeit einer intellektuellen Frau von einem skrupellosen, zynischen Hochstapler als Zeitphänomen und Tragödie moderner Weiblichkeit (E. Lucka) gelesen, während die autobiographischen Hintergrundkonstellationen weitgehend ausgeblendet, aber für Insider erkennbar blieben. In den frühen 1930er Jahren arbeitete Koenig zunächst als Feuilletonistin der NFP u. des Neuen Wiener Tagblatts (NWTB.). Neben Feuilletons und Buchbesprechungen erschienen dort, aber auch in der sozialdemokr. Ztg. Das Kleine Blatt, mehrere suggestive Skizzen und Novellen aus dem kontrastreichen nordafrikanischen Kultur- und Wüstenraum, den sie während ihrer Algier-Jahre mit der Saharaforscherin Julia Wagner-Jauregg erkundet hatte. In Buchform konnten sie erst posthum unter dem Titel Sahara. Nordafrikanische Novellen und Essays 1951 publiziert werden. Zwar erschien noch 1933 in einem deutschen Verlag eine Anthologie österr. Lyrik, in die sie u.a. neben F. Brügel u. F. Th. Csokor Aufnahme fand, aber ab 1933 verschlechterten sich die Publikationsmöglichkeiten auch für AJK, und auch in Österreich selbst war sie zunehmend auf Lesungen in der RAVAG und Vortragsabende angewiesen. Im Okt. 1933 lernte sie den wiederum weitaus jüngeren poln. Studenten Oskar J. Tauschinski kennen, der später ihr letzter Lebenspartner werden und sich nach ihrem Tod um ihr Werk kümmern sollte. 1934-36 konnte sie nur mehr wenige Texte in Zeitungen unterbringen, z.B. Hochzeit ohne Braut (Kl. Blatt) oder Der Straßenräuber (Wiener Magazin) und auch in der Ravag hielt sich ihre Präsenz in bescheidenen Grenzen: mit einer Einleitung zum 50. Geburtstag von A. Grünewald im März 1934, mit einer Lesung in der sog. Frauenstunde am 26.10.1934 oder in der Bücherstunde am 9.11.1935 (als Sprecherin). 1936 hatte sie ihren letzten öffentlichen Lese-Auftritt in der Urania (Der Tag, 31.1.1936,9) und 1937 noch zwei weitere in der Ravag (Einleitung zu E. Luckas 60. Geburtstag bzw. eine Sprecherrolle in der Bücherstunde). Nach der Okkupation und dem Anschluss Österreichs durch NS-Deutschland im März 1938 wurde AJK wegen ihrer jüdischen Abstammung entrechtet und aus ihrer Wohnung vertrieben. Unter unwürdigsten Bedingungen, hungernd und frierend, musste sie bis Mai 1942 ständig wechselnden Elends- und Massenquartieren leben. Zwischen Dezember 1940 bis Mai 1942 arbeitete sie an ihrem letzten erzählerischen Werk, dem Roman Der jugendliche Gott, der im Gewand eines historischen Nero-Romans die NS-Hitler-Diktatur und ihre eigene Entrechtung thematisierte. Er konnte erst 1947 von Tauschinski aus den geretteten Niederschriften rekonstruiert und publiziert werden. In der Nacht zum 22. Mai 1942 wurde Koenig im Rahmen der sog. „Umsiedlungsaktion“ verhaftet und am 27. Mai 1942 vom Aspangbahnhof aus mit einem Eisenbahntransport Richtung Ghetto Minsk deportiert, wo sie aber nicht angekommen, sondern in Maly Trostinec umgebracht wurde. Ein eindringliches literarisches Denkmal über die letzten Stunden der Dichterin findet sich bei Marie-Thérèse Kerschbaumer in ihrem Eröffnungstext Alma zu ihrem Band Der weibliche Name des Widerstands. Sieben Berichte. Olten, Freiburg i. Br. 1980, S. 5-16.

Weitere Werke:

Schibes (Novelle, 1920); Der Frosch mit der Maske (1926, Dt. Ausgabe von E. Wallace: The Fellowship of the frog, 1925); Gute Liebe – Böse Liebe (1960, Hg. von O.J. Tauschinski).

Teilnachlass: Literaturhaus Wien: http://www.literaturhaus.at/index.php?id=8221; Teilnachlass: Wien-Bibliothek: https://search.wienbibliothek.at/primo_library/libweb/action/dlDisplay.do?vid=WBR&docId=WBR_aleph_wbr02000008112&fn=permalink  

Literatur:

Dieter Sudhoff: Alma Johanna Koenig: http://alt.stifterverein.de/de/autorenlexikon/i-l/koenig-alma-johanna.html

O. J. Tauschinski: A. J. Koenig. In: Neue Deutsche Biografie: https://www.deutsche-biographie.de/sfz43759.html ;Ders.: Die lyrische Autobiographie der Alma Johanna Koenig. In: Literatur und Kritik Nr. 72 (1973), S. 65-77; Ders.: Kaddisch für eine Dichterin. In: Mit der Ziehharmonika. Zeitschrift der Theodor Kramer Gesellschaft 9 (1992), Nr. 2, S. 1-4; Stefan H. Kaszynski: Chiffrierter Widerstand oder Innere Emigration. Zu Alma Johanna Koenigs Roman „Der jugendliche Gott“. In: Ders.: Österreich und Mitteleuropa. Kritische Seitenblicke auf die neuere österreichische Literatur. Posnan 1995, S. 159-172; D. Hempen: Und alles lauschte dem Liede Horands. Kunst und Humanität in Alma Johanna Koenigs „Gudrun“. In: Philologus 86 (2002), Nr. 2, S. 273-285; E. Polt-Heinzl: Das Vermächtnis der Alma Johanna Koenig. In: Der literarische Zaunkönig 3/2004, online verfügbar unter: http://www.erika-mitterer.org/dokumente/ZK2004-3/polt_koenig_3-2004.pdf

Quellen und Dokumente:

(in Vorbereitung)