geb. am 11.5.1877 in Wien – gest. am 15.12.1941 in Wien; Schriftsteller, Kulturkritiker, Essayist

Nach dem frühen Tod des Vaters 1893 immatrikulierte Lucka nach der Matura das Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an der Univ. Wien, das er aber zugunsten eines Brotberufs als Bankbeamter wieder fallen ließ. Daneben wurde er als Essayist und Kulturkritiker für verschiedene Zeitungen tätig. Tief beeindruckt vom Werk seines Jugendfreundes Otto Weininger, dessen rabiaten Antisemitismus er anfangs teilte, verfasste er nach dessen Freitod 1905 die erste Biographie über ihn (61921). Danach und seit seiner Konversion vom Judentum zum Katholizismus (1901) wandte er sich national-romantischen, nordischen Themen zu und verfasste Novellen und Romane wie den Tristan-Roman Isolde Weißhand (1909, 41935) sowie eine Reihe von Künstlerbiographien, u.a. über Dostojewski (1924). Zum erfolgreichsten Text avancierte jedoch die 1913 vorgelegte Schrift Die drei Stufen der Erotik (15. Aufl. 1920, engl. Ausg. 1922).

1918 debütiert er als Dramatiker mit dem Schauspiel Die Mutter auf der Neuen Wiener Bühne, das zwiespältig aufgenommen wurde, als eine Melange aus „Anton Wildgans mit Otto Weininger-Allüren“ (Der Morgen), als zwar psychologische novellistische Studie, „aber kein innerlich lebendiges Drama“ (AZ) oder, so P. Zifferer, wie eine „mittelalterliche Legende“ in ein modernes bürgerliches Leben gestellt (NFP, 16.5.1918). Kurz darauf erschien bei Ullstein der Roman Das Brausen der Berge, dessen Protagonist dem Komponisten A. Bruckner nachempfunden war. Im Essay National und international (1919) brach Lucka eine Lanze für das Nationale als das Organische im Menschen und lehnte das Internationale als grundlegend wesensfremd ab. 1921 rühmte St. Zweig in einer Besprechung neuerer Novellenbücher in der NFP Luckas bereits bzw. gerade erschienenen Weltkreis-Novellen sowie die Ehegeschichten und stellte sie neben jene von Raoul Auernheimer und Hermann Ungar.

Seit 1922 erschienen von ihm Feuilletons, kurze Erzählungen u. Porträts in Zeitungen NFP und Der Tag, 1928-30 im NWJ und in der Zs. Das interessante Blatt. 1923 wurde er neben F. Braun, O.M. Fontana, R. Musil, L. Perutz u.a. Mitarbeiter des ›Österreichischer Filmdienst‹ (geleitet von Robert Michel), 1925-26 trug er zu Zeitschriften wie ›Die Literatur‹ (Stuttgart) oder die von K.A. Rohan geleitete ›Europäische Revue‹ bei, wurde in den bei Reclam erschienen Bd. Österreichische Erzähler aufgenommen. In diesem Jahr und den darauffolgenden wirkte Lucka auch am Vortragsprogramm der Internationalen Wiener Hochschulkurse sowie der Urania und ihrer Zs. ›Pflug‹ mit. Sein kulturhistorisches Torquemada-Sachbuch über die spanische Inquisition wurde im Auszug auch im Prager TBl. veröffentlicht und von H. Prager im NWJ als „wertvolle“ Arbeit begrüßt. 1926 verfasste er auch den feuilletonist. Essay Psychologie der Orgie, die er als schöpferischen aber auch zerstörerischen Akt freier Persönlichkeit begriff. Ende Mai 1927 wurde er in der Reihe ›Österreichischen Dichterstunde‹ gemeinsam mit R. Schaukal in Radio Wien vorgestellt; er näherte sich dem Zenit seiner Produktion und wurde quer durch die Lager anerkannt, durch die AZ ebenso wie durch das NWJ, wenngleich sein Spanienbuch Inbrunst und Düsternis durch O. Forst Battaglia in der Reichspost einer scharfen Kritik unterzogen wurde. 1927 erschien erstmals eine Novelle Luckas in der Zs. ›Der getreue Eckart‹, 1928 dagegen in der Zs. ›Literatur‹ ein Beitrag über Literarischen Exhibitionismus. 1929 erschienen zwei weitere Romane, der in der Renaissance angesiedelte Tag der Demut sowie der Südtirol-Roman Der blutende Berg. Begeistert besprach er 1930 u.a. Paula Grogers Räuberlegende, in der er eine Symbiose aus Rohem und Wunderhaften, aus Christlichem und Heidnischen erblickte, sowie K.H. Strobls Roman Od. Die Entdeckung des magischen Menschen (NWrTBl., 12.12.1930) und 1931 Schreyvogls Die Entdeckung Europas. Im März 1931 wurde er wieder als Vorstandsmitglied des Schutzverband deutscher Schriftsteller‹ in Österreich bestätigt. S.W. Fischer veröffentlichte in Radio Wien anlässl. mehrerer Lesungen, die Lucka gewidmet waren bzw. der Vorträge, die er hielt, ein ausführliches Porträt des Autors und Denkers. 1932 publizierte er wieder in der Zs. Moderne Welt, u.a. zeitgeistige Kurzerzählungen, und besprach dort auch A. J. Königs Roman Leidenschaft in Algier. Auch 1933 betätigte er sich als wohlwollender Rezensent: von kulturkrit. Reflexionen Rosa Mayreders oder Erzählungen von Felix Braun.

1933-34 schmolz seine Präsenz in der literar. Öffentlichkeit auf einige wenige Radiobeiträge zusammen, 1935 legte er schließlich einen neuen Essayband, Die Verwandlung des Menschen, vor und 1937 den – wiederum historischen – Roman Der Impressario, von dem auch zwei Vorabdrucke in der Zs. Die Bühne erscheinen konnten. Radio Wien widmete ihm aus Anlass für seinen 60. Geburtstag eine Würdigung und brachte eine Reihe von kurzen, meist landschaftlichen Schilderungen. O.M. Fontana stellte schließlich am 23. 1. 1938 den Roman in der Rubrik Von neuen Büchern vor. Am 2.2.1938 erschien im NWJ einer seiner letzten Beiträge vor dem Anschluss, eine Hommage auf Karl Federn anlässlich seines 70. Geburtstags. Nach dem Anschluss wurde er mit Schreibverbot belegt.


Weitere Werke (Auswahl)

Das brennende Jahr, 44 Kriegsanekdoten (1915), Emil Lucka. Autobiographische Skizze. In: Das literarische Echo H.20/1918; Der Weltkreis. Ein Novellenbuch (1919); Heiligenrast. Roman (1919); Thule. Eine Sommerfahrt. Novelle, 1920, 21925; Fredegund (1921, 1924 Neuaufl. unter Titel Fredegundis. Roman; Urgut der Menschheit (1924); Am Sternbrunnen. Roman (1925); Die Grenzen der Seele (1925); Torquemada und die spanische Inquisition (1926); Die Blumen schweigen. Erzählungen (1929); Michelangelo. Ein Buch über den Genius (1931); Die große Zeit der Niederlande (1936)

Quellen und Dokumente

National und International. In: Die Frau, 19.4.1919, S. 2, Torquemada und Inquisition. In: Prager Tagblatt, 27.6.1926, S. 3f., Psychologie der Orgie. In: Neues Wiener Journal, 4.4.1926, S. 16, Otto Weininger und sein tragisches Ende. Erinnerungen eines Freundes zum fünfzigsten Geburtstag. In: Neues Wiener Journal, 20.4.1930, S. 7, Dostojewski und das Rußland von heute. Zum 50. Todestag Dostojewskis am 9. Februar 1931. In: Neues Wiener Tagblatt, 7.2.1931, S. 2f., Yvonne. In: Moderne Welt 14 (1932), H. 2, S. 25f., Alma Johanna König: Leidenschaft in Algier. In: Moderne Welt 14 (1932), H. 3, S. 22, Felix Braun: „Laterna Magica“. In: Neue Freie Presse, 12.1.1933, S. 22, Karl Federn. Zu seinem 70. Geburtstag. In: Neues Wiener Tagblatt, 2.2.1938, S. 9.

Anzeige in: Neues Wiener Journal, 31.7.1921, S. 19, in: Neues Wiener Journal, 12.12.1937, S. 21.

Anton Kuh: Neue Wiener Bühne. „Mutter“, Schauspiel von Emil Lucka. In: Der Morgen, 20.5.1918, S. 6f., Bn.: Neue Wiener Bühne. In: Arbeiter-Zeiutng, 15.5.1918, S. 7, Eugen Guglia: Abseits vom Kriege. Neue Romane. In: Neues Wiener Tagblatt, 30.11.1918, S. 2f., Stefan Zweig: Novellenbücher aus Oesterreich. In: Neue Freie Presse, 26.1.1921, S. 1-3, Hans Prager: Torquemada und die spanische Inquisition. In: Neues Wiener Journal, 21.6.1926, S. 5f., August Angenetter: Emil Lucka. In: Radio Wien 3 (1927), H. 34, S. 1653, Max Lederer: Emil Lucka. Zu seinem fünfzigsten Geburtstag am 11. Mai. In: Arbeiter-Zeitung, 11.5.1927, S. 3, Forst-Battaglia: Inbrunst und Düsternis. In: Reichspost, 3.7.1927, S. 19f., Andreas Timotheus: Die Frau von morgen. Wie Max Brod, Otto Flake, Emil Lucka, Alfons Paquet, Stephan Zweig und andere mehr sie wünschen. In: Neues Wiener Journal, 15.11.1929, S. 8, Siegfried Walter Fischer: Der Zweiweg des Emil Lucka. In: Radio Wien 7 (1931), H. 37, S. 7f., Emil Lucka. (Zum 60. Geburtstag.) In: Radio Wien 13 (1937), H. 31, S. 6.

Nachlass: Wien Bibliothek

Literatur

B. Quincy Morgan: Emil Lucka – Austrian Poet and Thinker. In: Books Abroad, 2 (1935), 131-134.

Viktor Suchy: Lucka, Emil. In: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 273 (Online verfügbar).

(PHK)