geb. am 13.8.1882 in Wien – gest. am 1.11.1967 in Wien; (Film)Schauspieler, Regisseur

Ehmann, der aus einfachen Verhältnissen stammte, erlernte zunächst das Tapeziererhandwerk, bevor er sich für das Theater interessierte, privat Schauspielunterricht nahm und 1902 sein Debut am Stadttheater von Olmütz/Olomouc gab. Seine erste Hauptrolle hatte er im Sept. 1905 am Linzer Theater im Schauspiel Maskerade von L. Fulda. Ab März 1906 war er am Stadttheater in Graz tätig und spielte dort (Haupt)Rollen in Stücken von F. Schiller bis O. Wilde und K. Schönherr. Von Graz aus wurde er, beginnend mit der Spielsaison 1908-09, ans Deutsche Volkstheater nach Wien verpflichtet, wo er in Onkel Toni von C. Karlweis im Sept. 1908 sein Debut gab, gefolgt von einer Nebenrolle in Wedekinds Frühlingserwachen. Im Okt. 1908 spielte er erstmals auch in einem Schnitzler-Stück, d.h. im Grünen Kakadu, mit. 1909 trat er vorwiegend in Komödien oder Volksstücken auf; 1910 ebenfalls, u.a. in Der Meineidbauer von Anzengruber oder in Nestroys Einen Jux will er sich machen. 1911 feierte er mit einer kleinen Rolle in Schönherrs bis 1912 im Repertoire stehendem Stück Glaube und Heimat einen Achtungserfolg und begann auch Rollen im Stummfilm zu übernehmen. Während des Ersten Weltkrieges verblieb Ehmann im Ensemble des Dt. Volkstheaters; ab 1917 übernahm er in Wiener Stummfilmen, oft nach literarischen Vorlagen und inszeniert von Louise Kolm sowie an der Seite von Liane Haid u.a. verschiedene Rollen. Dies verstärkte sich in den Folgejahren; im Film Die Jüdin (nach E. Scribe) stand er 1918 u.a. mit M. Neufeld vor der Kamera. 1919 spielte er in acht Filmen mit, in Großstadtgift u.a. mit Trude Wessely. Im verlorengegangenen Film Hemmungslos (nach H. Bettauer) führte er 1921 erstmals für die Vita-Film Regie.

1922 trug er sich mit dem Plan, eine eigene Filmgesellschaft zu gründen (Der Filmbote 16/1922, 14), den er nach dem Tod seiner Gattin offenbar verwarf. Für 1923 wurde ebf. unter seiner Regie der „wissenschaftliche“ Film Die Tuberkulose angekündigt; ihm folgte 1923 der Doku-(Berg)Film Durch Nacht und Eis. Nebenher übernahm er auch Rollen an kleinen Bühnen im Unterhaltungssegment, z.B. in der sog. Prateroperette Der keusche Heinrich für das Theater im Wiener Wurstelprater sowie am Raimundtheater, u.a. in Der liebe Augustin von J. Bittner, an das er mit der Saison 1923-24 wechselte. Dort trat er u.a. in Shakespeares Komödie der Irrungen auf oder, im Nov. 1923, in H. Bahrs Lustspiel Der Star. Im Jänner spielte er in Franz Molnars Liliom mit, im März in Georg Kaisers Gas und im April 1924 wirkte er auch an der legendären deutschsprachigen Pirandello-Uraufführung von Sechs Personen suchen einen Autor mit. Ferner trat er Ende April in dem von Karlheinz Martin inszenierten Bronnen-Stück Anarchie in Sillian auf. Im Sept. dess. Jahres hatte er zudem die Regie von Feldherrnhügel von Roda-Roda inne. Auch 1925 begann vielversprechend: zunächst mit der Hauptrolle in J.K. Jeromes Lady Fanny und die Dienstbotenfrage als Partner u. Gegenüber der Tanzikone Tilla Durieux (Der Tag, 11.1.1925,9), in der auch Lina Loos mitspielte, sowie der Mitwirkung in M. Lengyuels erfolgreichem Lustspiel Antonia. Ab der Spielsaison 1925-26 wurde Ehmann sowohl im Raimund- als auch Volkstheater-Ensemble eingesetzt, z.B. im Sept. 1925 in Schnitzlers Das weite Land. Daneben trat er noch im Lustspiel Der gläserne Pantoffel von Franz Molnar, im erfolgreichen amerikan. Stück Die weiße Fracht von L. Gordon (im Jänner 1927 auch über die Radiobühne ausgestrahlt) sowie in Possen von F. Arnold u. J. Nestroy auf. 1926 war ebf. ein abwechslungsreiches Jahr mit Rollen in Der Armendoktor von K. Schönherr (Regie: K. Martin), in Shakespeares Was ihr wollt, Schillers Egmont, Sternheims Bürger Schippel, in G. Hauptmanns College Crampton oder in G.B. Shaws Heuchler (u.a.m.). Ähnlich gestalteten sich auch die Spielsaisonen 1927 und 1928, in denen Ehmann häufig neben damaligen Schauspielergrößen wie Karl Forest, Ferdinand Onno oder Hans Homma auftrat, u.a. 1927 im Stück Der Patriot des 1926 mit dem Kleist-Preis ausgezeichneten A. Neumann oder im März-Mai 1928 in der Groteske Hokuspokus von K. Götz, die auch als Gastspiel in Graz zur Aufführung kam.

Im Sept. 1928 unterzeichnete er eine Erklärung gegen in Umlauf gebrachte Gerüchte durch den Österr. Bühnenverein betr. die Wiener Theaterkrise. Im Jänner 1929 wirkte Ehmann in der Auff. von Lessings Miß Sara Sampson anlässl. dessen 200. Geburtstags im Dt. Volkstheater mit, im März in der österr. EA von Brechts Dreigroschenoper im Raimundtheater, anschließend in einer Maria Stuart-Inszenierung sowie im Einakter-Zyklus Vom anderen Ufer von F. Salten im Sept. dess. Jahres. Unter den Rollen des Jahres 1930 sind z.B. jene in Hamlet (an der Seite von A. Moissi) oder eine in Bruckners Elisabeth von England zu erwähnen, nebst zahlreichen anderen insbes. in Komödien. Im Jänner 1931 spielte er an der Seite von G. Werbezirk im Schwank Die Frau Präsidentin von P. Verber wieder im Raimundtheater u. führte zugleich auch die Regie. Im März war er wieder am Dt. Volkstheater in Sokoloffs Bearb. von Dostojewskis Der Idiot zu sehen, im März an der Seite von Adele Sandrock in O. Wildes Bunburry, im September in der Komödie Phäa von F. v. Unruh, im Nov. in der Komödie Der Spiegel von G. Herzeg in den Kammerspielen oder im Dezember im Spielfilm Die große Liebe (Drehbuch S. Bernfeld, A. Berger). 1932 überzeugte er im Lustspiel Nina von Bruno Frank sowie im Kriminalstück Zweiter Stock, Tür 19 von L. Zilhaly und spielte in einer Reihe weiterer Stücke versch. Rollen. Die Engagements verlagerten sich Anfang der 1930er Jahre zunehmend auf Komödien und Schwänke, so auch 1933-1936, eine Tendenz, die sich auch in seinen Filmrollen, z.B. in Unser Kaiser, niederschlug. 1935 trat er auch im Funkkabarett der Ravag auf (Wr. Tag, 21.2.1935) sowie in der R. Auernheimer-Komödie Weniger und die Gerechtigkeit, im Lustspiel Lebensfreude von F. Heller u. A. Schütz sowie in einer Nebenrolle im Film Fräulein Lilli, der fast durchwegs von deutschen Emigranten in Wien produziert wurde.

1937 war Ehmann wieder breiter und häufiger tätig: im Heller-Lustspiel Saison in Salzburg ebenso wie in J. Wenters Schauspiel Die Fürstin oder in F. Schreyvogls Mann in den Wolken (in der Regie von H. Schnitzler) und wirkte auch im Filmprojekt von K. Martin Konzert in Tirol (vollendet 1938) mit. Nach dem Anschluss bekannte sich Ehmann offen zum Nationalsozialismus, was auch ein Beitrag zu seinem dreißigjährigen Bühnenjubiläum am Dt. Volkstheater unterstrich, demzufolge er dort seit 1933 eine NS-Zelle aufgebaut hätte; er erhielt in der Folge auch Rollen in propagandistischen NS-Filmen von G. Ucicky wie Mutterliebe (1939), Der Postmeister (1940) und Schicksal (1942). Nach 1945 konnte Ehmann nach einer kurzen Pause wieder in den Theater- und Filmbetrieb einsteigen; das erste Projekt war der Film Ein Mann gehört ins Haus, dessen Dreharbeiten in der Inszenierung von Hubert Marischka, erfolbgreicher Schauspieler und Theaterdirektor bereits in den 1920er Jahren (Theater an der Wien), im Mai 1948 abgeschlossen waren.


Quellen und Dokumente

Filmographie

Debut am Stadttheater Graz in Schillers Kabale und Liebe. In: Grazer Tagblatt, 18.3.1906, S. 3; Plakat Collegia-Film, Ehmann-Mitwirkung. In: Kinematographische Rundschau, 15.12.1917, S. 49; Mitwirkung am Film Die Jüdin. In: Neue Kino-Rundschau, 29.6.1918, S. 49; Ankündigung von H. Bettauers Hemmungslos. In: Neue Kino-Rundschau, 19.3.1921, S. 11; N.N.: Prateroperette Der keusche Heinrich. In: Neues 8 Uhr Blatt, 30.3.1923, S. 5; O. A[chs] über Shakespeares Komödie der Irrungen. In: Wiener Morgenzeitung, 27.9.1923, S. 6; N.N.: Mitwirkung an der EA von Pirandellos Sechs Personen suchen einen Autor. In: Die Bombe, 15.4.1924, S. 7; Durieux u. Ehmann in J.K. Jeromes Lady Fanny. In: Die Bühne, H. 11/1925, S. 26; Theaterkrise-Debatte. In: Der Tag, 5.9. 1928, S. 7; F. R[osenfeld]: Kriminalkomödie in den Kammerspielen. In: AZ, 24.2.1932, S. 12; Plakat zu: Mein Kaiser. In: Mein Film, Nr. 403/1933, S. 17; Plakat zu: Bretter, die die Welt bedeuten. In: Das Kino-Journal, 5.1.1935, S. 5; H. W.: Lilli; In: NFP, 27.9.1936, S. 19-20; fp.: Vom Knieriem zum Stauffacher. Zum 30jährigen Wiener Bühnenjubiläum Karl Ehmanns. In: Kleine Volks-Zeitung, 22.11.1938, S. 11.

(PHK)