eigentlich Richard A. Bermann, geb. am 27.4.1883 in Wien – gest. am 9.9.1939 in Saratoga Springs, New York; Journalist, Reiseschriftsteller

Ps.: Ariel, Baptist, Belial, R. Merlin

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In Prag und Wien als Sohn eines jüdischen Versicherungsbeamten aufgewachsen, war B., mit Berthold Viertel und Ernst Weiß bekannt sowie mit Otto Müller und Leo Perutz befreundet, bereits in Jugendtagen literarisch aktiv. Er studierte vorrangig an der Universität Wien Romanistik und arbeitete nach dem Abschluss 1906 als Hauslehrer in Mailand. Noch während des Studiums erschienen erste publizistische Beiträge in der Wiener Woche sowie der Zeitschrift Der Weg. Auf Anraten Hermann Bahrs übersiedelte B. 1908 nach Berlin und wurde nach Arbeiten für den Theater-Courier und einem Engagement beim Scherl-Verlag Mitarbeiter des Berliner Tageblatts. In dieser Funktion nahm er das Pseudonym Arnold Höllriegel an und unternahm erste größere Reisen nach Irland und Indien. 1911 erschien mit Der Hofmeister sein Debütroman, 1914 mit Irland ein erstes Reisebuch. Einige Beiträge wurden bald auch in der Vossischen Zeitung, der Frankfurter Zeitung und im Prager Tagblatt gedruckt. Neben der Auseinandersetzung mit fremden Kulturen beschäftigte sich B. bereits früh mit Film und Kino, 1914 steuerte er neben u.a. Franz Blei, Albert Ehrenstein und Else Lasker-Schüler zwei Beiträge zu Kurt Pinthus’ Kinobuch bei.

Mit dem Ausbruch des Krieges musste er nach Wien zurückkehren und schrieb – nach einer posthumen Beschreibung Hermann Brochs als „pazifistischer Kriegsberichterstatter” – für das Kriegspressequartier. Zwischen April und August 1918 wurde sein Roman Das Antlitz in der Zeitschrift Der Friede, für die B. auch literarische Übersetzungsarbeiten lieferte, in Fortsetzungen abgedruckt, 1919 erschien er in Buchform. In Wien arbeitete B. für zunächst für Die Zeit und nach Kriegsende für den Der Neuen Tag, für den er auch aus St. Germain berichtete. Die Einstellung des von Benno Karpeles geführten Blattes 1919 stürzte B. in finanzielle Not, die er erst mit der Konferenz von Genua 1922 und, damit verbunden, mit seiner Rückkehr zum Berliner Tageblatt überwinden konnte. Ab Ende 1922 schrieb B. schließlich für die Wiener Tageszeitung Der Tag, das demselben Verlag angehörende Montagsblatt Der Morgen und unregelmäßig für das Prager Tagblatt. Ab 1923 trat B. vor allem als Reiseschriftsteller für Zeitungen und Zeitschriften in Erscheinung. Mit Arthur Rundt verfasste er das Reisebuch Palästina (1923), weitere Reisen führten ihn in den folgenden Jahren u.a. nach Ägypten, ins Amazonas-Gebiet, in die Südsee, nach Neuseeland und bis nach Hollywood. 1928 traf B. dort erstmals auf Charlie Chaplin. Der Bericht seiner Begegnung wurde auch im Grazer Arbeiterwille abgedruckt, wie auchweitere Arbeiten B.s in Wien von der sozialdemokratischen Presse übernommen wurden. 1929 erschien der Roman Die entschwundene Frau mit Illustrationen von Paul Humpoletz im Kleinen Blatt, die Arbeiter-Zeitung veröffentlichte wiederholt Berichte und Erzählungen B.s., so auch 1933 in der Sonderbeilage zum 1. Mai einen Auszug aus der Roman-Neuerscheinung Das Mädchen von Sankt Helena.

Nach der Machtergreifung Hitlers inBerlin Anfang 1933 trennte sich das Berliner Tageblatt von B. Nach seiner Rückkehr nach Wien war er für den Tag und Die Stunde aktiv, engagierte sich in der Folge für den von Hubertus Prinz von Löwenstein ins Leben gerufenen American Guild for German Cultural Freedom. Seine Werke wurden 1935 in Deutschland und nach dem „Anschluss” 1938 auch in Österreich verboten. Er selbst emigrierte noch im selben Jahr in die USA, wo er 1939 an einem Herzinfarkt verstarb.


Weitere Werke

Das Seil (1914), Bimini (1923), Hollywoods Bilderbuch (1927), Das Urwaldschiff (1927), Die Derwischtrommel. Das Leben des erwarteten Mahdi (1931), Charlie Chaplin. Lichter der Großstadt (1931), mit Hans Casparius: Zarzura, die Oase der kleinen Vögel. Die Geschichte einer Expedition in die Libysche Wüste (1938), Du sollst Dir kein Bildnis machen. Ein Roman aus Hollywood (2010)

Quellen und Dokumente

Die Films der Prinzessin Fantoche. In: Prager Tagblatt. Abendausgabe, 27.4.1914, S. 4, Peter Altenberg. In: Arbeiter-Zeitung, 10.1.1919, S. 2f.,Wiener Symptome. Die Tausendkronengans. In: Der Neue Tag, 13.4.1919, S. 5, Als Gabriele d’Annunzio über Wien flog. Warum er damals am Leben blieb. In: Der Tag, 6.12.1922, S. 3, Die Masai. In: Der Tag, 8.1.1923, S. 3, Leo Perutz. In: Der Tag, 28.2.1923, S. 3, Reise nach Berlin. In: Der Tag, 4.3.1923, S. 5, Hohe Schule. In: Der Tag, 17.6.1923, S. 7, Hermann Bahr. Zu seinem sechzigsten Geburtstag. In: Der Tag, 19.7.1923, S. 5f., Zwei Dichter. In: Prager Tagblatt, 14.5.1924, S. 7, Der Liegestuhl in Wembley. In: Prager Tagblatt, 12.7.1924, S. 3, An Karls Grab. In: Prager Tagblatt, 31.8.1924, S. 3, Radio-Religion. In: Der Tag, 11.11.1924, S. 3, Der republikanische Mensch. In: Der Morgen, 18.5.1925, S. 5f., Arbeiterbataillone. In: Prager Tagblatt, 15.7.1926, S. 3, Der Traum der kleinen Cousine. Querschnitt durch Hollywood. In: Berliner Tageblatt, 1.5.1927, Beilage, S. 1f., Der wahre Chaplin. In: Arbeiterwille, 20.5.1928, S. 11, Der beste Läufer der Welt – startet nicht. Die Enttäuschungen des Mike Kirk. In: Arbeiter-Zeitung, 22.7.1928, S. 14, Traumland Hollywood. In: Das Kleine Blatt, 12.12.1928, S. 3, Die entschwundene Frau. Ein Roman aus der Filmwelt Hollywoods [Beginn des Fortsetzungsromans]. In: Das Kleine Blatt, 4.8.1929, S. 17, Reporter Olaf Jasperson. In: Die Bühne (1930), H. 277, S. 52, Das Mädchen von St. Helena. In: Arbeiter-Zeitung, 1.5.1933, Sonderbeilage, S. 2.

R. F.: Palästina, ein Reisebuch. In: Prager Tagblatt, 16.9.1923, S. 20, Marianne Trebitsch-Stein: Neue Romane (Rez. zu Bimini). In: Neue Freie Presse, 2.3.1924, S. 31f., Roda Roda: Schneebälle. In: Prager Tagblatt, 17.4.1925, S. 3, Rafael Hualla: Höllriegel, Hollywood und Elohim. In: Der Morgen, 14.11.1927, S. 5.

Nachlass im Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek.

Literatur

Eintrag in Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Bd. 12, S. 158-171 (2008), Stephan Brössel: „Neue Welten“. Die Filmromane Arnold Höllriegels. In: Andreas Blödorn, Christof Hamann, Christoph Jürgensen (Hg.): Erzählte Moderne. Fiktionale Welten in den 1920er Jahren, S. 379-393 (2018), Hans-Harald Müller: Richard A. Bermann alias Arnold Höllriegel. Österreicher – Demokrat – Weltbürger (1995), Andreas Stuhlmann: „Das Jahrhundert der Technik hat seinen Dichter gefunden.“ Der österreichische Schriftsteller und Journalist R. A. Bermann (alias Arnold Höllriegel) als Anwalt und Kritiker des Kinos 1910-1938. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 27 (1997), H. 107, S. 154-165.

Walter Delabar: Ach, Amerika, ach, Film. Bei literaturkritik.de, März 2013.

Eintrag bei kunst-im-exil.de.

(ME)