Geb. 24.6.1883 in Wildenschwert/ Ústí na Orlicí (Ostböhmen, k.k. Österreich-Ungarn) als Friedrich (gerufen: Beda) Löwy   – gest./ermordet 4.12.1942, KZ Auschwitz. Schriftsteller, Kabarettist, Librettist, (Film)Drehbuchautor, Jurist.

Nach erfolgter Übersiedelung nach Wien (1888) änderte die Familie 1896 den Namen von Löwy auf Löhner. Fritz Löhner (FL) besuchte dort das Gymnasium in der Kundmanngasse (3. Bezirk) und studierte an der Univ. Wien Rechtswissenschaft. Während des Studiums wurde er Mitglied der jüd. Studentenverbindung ›Kadima‹, nach dessen Beendigung und Eintritt in eine Anwaltskanzlei Gründungsmitglied und erster Präsident des Wiener jüd. Sportclubs ‹Hakoah. Ab 1910 wandte er sich verstärkt literarischer Arbeit zu und zwar vorwiegend im Unterhaltungsbereich, d.h. er verfasste Lieder, Sketches, Skizzen für Kabarett und Theater und wählte hierfür das Pseudonym Beda. Zudem engagierte er sich auch im ›Jüdischen Nationalverein für Österreich‹ (NWJ, 30.3.1910, 7). Im Mai 1912 gastierte er mit dem Kabarett Fledermaus in Prag; mit dabei waren auch Ralph Benatzky, Leo Ascher u. Bela Laszky; am 1.1.1913 hatte seine einaktige Operette Das Gartenhäuschen in den Künstlerspielen seine Uraufführung. Anfang April führte ein Gedicht (Reflexion) über das Ergebnis der Wiener Gemeinderatswahl wegen des Vorwurfs der Ehrenbeleidigung eines Politikers zum Bruch mit der Ztg. Der Morgen, in der er zuvor fallweise veröffentlicht hat.

1914 stellte er sich in den Dienst der propagandistisch-literarischen Kriegsmaschinerie, z.B. durch Lieder wie Rosa, wir fahr’n nach Lodz. 1915 verfasste er das Drehbuch für die Lehár-Operette Der reine Tor; 1916 wurde sein gemeins. mit Bruno Hardt verf. Schauspiel Der König des Lebens vom Dt. Volkstheater zur UA angenommen (Neues 8Uhr-Bl. 4.9.1916,3). Im Juni 1917 wird er zum künstlerischen Leiter des Kabaretts ›Bunte Bühne‹ bestellt, und im Okt. wurde sein erster Film Der rote Prinz fertiggestellt (Neue Kino-Rundschau,26.5.1917,3) 1919 trat er mit zwei Filmen, Freut euch des Lebens, sowie Lasset die Kleinen zu mir kommen (Regie: M. Neufeld) in Erscheinung, versehen mit der Ankündigung des Filmdramas Großstadtgift für den Jänner 1920. Im Juni folgte dann die Filmgroteske Die blonde Bestie, im Okt. die Filmlegende Eva, die Sünde (in hochkarätiger Besetzung). Auch 1921 setzte FL mehrere Filmprojekte um, darunter die Kriminalkomödie Eine Million Dollar oder die Bearbeitung der F. Salten-Vorlage Olga Frohgemut. 1922 wurde er zum Präsidenten des neu gegründeten ›Varieté-Autorenverbandes‹ (vav), einer Interessensgruppe, um Rechtsansprüche durchzusetzen, gewählt, dem u.a. auch F. Wallisch u. B. Lasky angehörten (NWJ, 24.9.1922,13). Daneben trat er auch an großen Rezitationsabenden, u.a. mit E. Friedell, L. Hirschfeld, A. Kuh, H. Liebstoeckl oder F. Salten auf (Wr. Morgenzeitung, 16.3.1922, 6/ NWJ, 14.10.1922,8). Mit F. Grünbaum u.a. veranstaltete er im Dez. einen sog. Beda-Abend. Im Jänner 1923 sollte es zur UA seiner Operette Die Brasilianerin im Carl-Theater kommen, welche abgesetzt wurde, was FL vor Gericht brachte.

1924 landete FL mit der deutschsprach. Fassung des Schlagers Yes we have no bananas (Ausgerechnet Bananen) einen internat. Erfolg. 1925 folgte einerseits die Revue An alle, andererseits, nach Scheidung von seiner ersten Frau (Anna Akselradi) seine Verehelichung mit Helene Jellinek. Im darauffolgenden Jahr beteiligte sich FL an verschiedenen Kabarett-Tanzabenden, u.a. mit G. Kraus u. E. Tordis (Tag, 3.1.1926,13), bearbeitete den Text der frühen Strauß-Operette Indigo neu und engagierte sich im Mai 1926 auch in der ›Genossenschaft der dramatischen Autoren und Komponisten‹ gegen die als rigide empfundene Steuerpolitik des Wiener Finanzstadtrates Hugo Breitner. 1927 wurde nach seinem Tanzschlager Valencia ein Film von der Emelka-GmbH gedreht (Kino-Journal, 9.4.1927,23), dessen Fertigstellung in der Österr. Filmzeitung am 7.5.1927 angezeigt wurde. Ende August 1927 war er mit einer Klage sowie einem Strafverfahren durch das Österr. Bundesheer konfrontiert, weil sich dieses durch eine Szene in seiner A-B-C-Revue beleidigt wähnte, der mit einer Ehrenerklärung und einem Vergleich Ende März 1928 eingestellt wurde. Im Spätherbst musste sich FL mit der Krise seines Hakoah-Vereins befassen, dem während einer Amerika-Reise zahlreiche Sportler abhandengekommen waren und die erst im Sept. 1928, wieder unter seiner Präsidentschaft, einigermaßen überwunden wurde. 1929 intensivierte sich die Zusammenarbeit mit F. Lehár, der vom Libretto der Goethe-Operette Friederike geradezu hingerissen war, wie er in einem Interview mit dem NWJ bekannte (NWJ, 14.2.1929) und für dessen Operette Land des Lächelns er die Liedtexte, darunter Dein ist mein ganzes Herz, verfasste.

Im August ließ sich FL zu einem „antibolschewistischen“ Wahlauf Der jüdische Wähler zugunsten Seipels, aber auch der Heimwehr hinreißen, der im NWJ prominent neben einem Leitartikel platziert wurde. Dies veranlasste die Ztg. Der Tag, in einem kritischen Kommentar nicht nur den Antisemitismus der Heimwehren aufzudecken, sondern auch das merkwürdige Vertrauen, das Künstler wie FL ihr entgegenbrachten, pointiert und scharf in Frage zu stellen. Dies erfolgte u.a. auch als Reaktion auf die Bestellung von FL zum Präsidenten des 1929 gegr. ›Unabhängigen Reichsverband der Bühnenangehörigen‹, dessen zentraler Programmpunkt der „Kampf gegen den marxistischen Steuerterror“ (NWJ, 25.4.1930,3), d.h. v.a. gegen die Lustbarkeitssteuer der Gemeinde Wien, womit sich dieser in die Nähe einer Heimwehr-Vorfeldorganisation für den Kunstbereich positionierte. Letzteres bestritt FL in einer weiteren Erklärung ebenso vehement wie die Bekräftigung seiner Gegnerschaft zum Marxismus, den er „für uns Juden weitaus gefährlicher“ hielt, „als jede andere Geistesrichtung der Weltgeschichte“ (NWJ, 6.11.1930, 2). Andererseits legte er mit A. Grünwald für die Operettenfestspiele in Leipzig die deutsche Fassung der ungar. Operette Viktoria und ihr Husar von I. Földes vor (NWJ, 18.5.1930, 29), zu der Paul Abraham die Musik komponierte und mit dem Komponisten Ludwig Herzer arbeitete FL im selben Jahr auch das Libretto für M. Dauthendeys Spielereien einer Kaiserin aus (NWJ, 16.10. 1930,11). Im Februar 1931 (NWJ, 14.2.1931, 11) wurde der Vertrag für die deutsche Fassung der ungar. Operette Die Blume von Hawai, wieder von P. Abraham, durch das sich herauskristallisierende Duo Grünewald-Löhner-Beda unterschrieben, die nach der UA in Leipzig Ende Juli 1931 (Der Tag, 26.7.1931,19) zu einer der erfolgreichsten in Berlin, Wien (über 150 Auff. bis Jänner 1933) und Budapest werden und – wieder als Gemeinschaftsproduktion – mit Ball im Savoy 1932 eine Fortsetzung finden sollte. Fred Heller attestierte Blume von Hawai „zündenden Rhythmus“ und eine Farbigkeit an „melodischer Jazzmusik“, also Modernität im zeitgenössischen Spektrum, anlässlich der (verspäteten) Wiener UA im August 1932. Ende desselben Jahres folgte auch die Verfilmung nach. In diesem Jahr verstärkte sich auch die Zusammenarbeit mit Hans Moser, für dessen Sketchreihe Der Dienstmann FL das Drehbuch für die Filmversion verfasste. Löhner-Beda kann somit zu den produktivsten, wenngleich, wie Verfahren um Urheberrechtsfragen belegen, nicht unumstrittenen Librettisten der späten 1920er und frühen 1930er Jahre im gesamtdeutschsprachigen Raum gerechnet werden, der zugleich mit fast allen zeitgenössischen Komponisten im Operetten- und Revuebereich erfolgreich zusammenarbeitete und zudem ein herausragender Netzwerker in Interessensverbänden an den Schnittflächen von Musik und Literatur war. Gemeinsam mit Hardt-Warden legte er 1933 den volksbuchartigen Text zum Singspiel Rosen im Schnee vor, wieder ein neues Genre, in dem FL einen Akzent setzen konnte. Auch das Jahr 1934 erwies sich als hochproduktives und von den Genres her als vielseitiges: es begann mit der Revue Hallo, hallo hier Österreich, die eigens für den kulturellen (Propaganda)Export vorgesehen war, fand Fortsetzung in der begeistert aufgenommenen filmischen Lustspielübersetzung der französischen Savoir-Vorlage Märchen im Grand Hotel, über die Heller im Tag urteilte: „Wollen Sie ins Kino? Dann gehen Sie ins Theater an der Wien“ (Tag, 29.3.1934) und endete im Dez. mit der UA der Joseph Beer-Operette Der Prinz von Schiras, zu dem FL gem. mit L. Scherzer das Libretto verfasste. Daneben war er auch am Libretto (gem. mit Paul Knepler) für die Lehár-Operette Giuditta beteiligt sowie an dem damit verbundenen Plagiatsstreit, der sich bis 1936 hinzog und erst Anfang 1937 mit der Rücknahme eines Gutachtens durch einen Wiener Komponisten ein Ende finden konnte (Der Morgen,1.2.1937,4).

Seine letzte Arbeit vor dem Anschluss betraf die Liedtexte für die Operette Ein Lied aus Nizza, die am 5.2.1938 in Radio Wien ausgestrahlt wurden. Am 13.3.1938 wurde FL verhaftet und mit dem ersten sog. Prominententransport am 1.4. in das KZ Dachau und von dort im Sept. 1938 nach Buchenwald deportiert. Dort verfasste er den Text zu dem von Hermann Leopoldi komponierten Buchenwald-Lied. Am 17. Oktober 1942 wurde Löhner-Beda nach Auschwitz weiter deportiert, um in der Fabrik der I.G. Farben Zwangsarbeit zu leisten. Dort entstand noch das Buna-Lied, bevor er am 4.12.1942 im Zuge einer Arbeitsinspektion durch leitende I.G.-Farben Chemiker und Direktoren in deren Auftrag erschlagen worden ist, wie R. Hilberg in seiner wegweisenden Arbeit über den Holocaust dokumentiert hat.


Weitere Werke

Die Muse im Negligee. Wien 1919; Ecce ego! Lieder und Gedichte. Wien 1920; 50 Lieder. Wien 1923; Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren (Libretto, 1927); Der Walzer von heut nacht (Libretto, 1929); Schön ist die Welt (Libretto, 1930); Die Katze im Sack (Libretto, 1933); Wo die Liebe blüht (Musik. Schwank, 1935); Auf der grünen Wiese (1936, dt. Bearbeitung einer Volksoper von J. Beneš)

Das Buchenwaldlied (1938) online unter: https://web.archive.org/web/20150418025540/http://claude.torres1.perso.sfr.fr/GhettosCamps/Camps/LeopoldiBuchenwaldLied.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Buchenwaldlied

Verzeichnis der Schlager: https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_L%C3%B6hner-Beda

Literatur

Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Aus dem Amerikanischen von Ch. Seeger, H. Maor u.a. Frankfurt/M. 1982, Bd. 2, 994; Robert Dachs: Sag beim Abschied Wien 1994; Barbara Denscher, Helmut Peschina: Kein Land des Lächelns. Fritz Löhner-Beda 1883–1942. Salzburg 2002; Ulrike Schmidter, Mathias Widter: Die Causa Löhner (TV-Film, 2011) online: https://www.filmfonds-wien.at/films/die-causa-loehner

Quellen und Dokumente

https://www.kabarettarchiv.at/Biografie-Fritz-Loehner-Beda (Biographie Österr. Kabarettarchiv); Bericht zum Gründungsfest des Sportklubs Hakoah. In: Jüdische Volksstimme, 16.3.1910, S.4; Gedicht: Reflexion. In: Der Morgen, 30.3.1914, S. 8; N.N. (Bericht zum Film): Freut euch des Lebens. In: Wiener Bilder, 9.11.1919, S. 12; Ankündigung des Films Großstadtgift. In: Neue Kino-Rundschau, 27.9.1919, S. 3; Ankündigung des Films Die blonde Bestie. In: Neue Kino-Rundschau, 19.6.1920, S. 66; Ankündigung von: Eva, die Sünde. In: Neues Kino-Journal, 2.10.1920, S. 60;

(PHK)