Fritz Karpfen: Die Österreichische Kunstaustellung in Rom

Max Oppenheimers „Orchester“ – Der Wiener Faistauner-Gobelin

Die diesjährige „Biennale romana“, besonders feierlich eröffnet und veranstaltet, da das Heilige Jahr in Rom gefeiert wird, umfaßt die Kunstwerke von sieben Nationen. Im grandiosen Ausstellungspalaste in der Via nationale[recte: nazionale] sind alle Räume bis an die Decke hinauf mit Kunstwerken angefüllt, und zum ersten Male nach dem Kriege stellt auch Österreich in dieser größten aller modernen internationalen Kunstaustellungen aus. Der Wiener Bildhauer Gustinus Ambrosi wurde zum Kommissär für Österreich ernannt, er lud die prominentesten österreichischen Künstler ein – die Folge war ein beispielloses Quertreiben von seiten der verzopften Herrn, die es nicht verwinden konnten, daß das Ausland tatsächlich die modernen österreichischen Kunstwerke zur Ansicht bekommen sollte. Schließlich aber siegte doch die eiserne Zähigkeit Ambrosis, die österreichische Abteilung zählt zu den sehenswertesten der ganzen Ausstellung, und Ambrosi erhielt als Ausdruck der Anerkennung für seine Arbeit das Komturkreuz am rot-weiß-roten Bande, mit dem Titel eines Commendatore della corona d’italia ….

In drei Sälen sind die österreichischen Kunstwerke zur Schau gestellt. Das große Freskobild Max Oppenheimers (Mopp) „Orchester“dominiert und kommt zu einer ungeahnten Wirkung. Es ist vielleicht das auffallendste Werk der ganzen Ausstellung, sicherlich aber das interessanteste. Anton Faistauer stellt zwei Entwürfe zur Morzger Kirche aus und die Wiener Gobelin-Manufaktur hat seinen  Gobelin dazu gehängt. Faistauer und Mopp, zwei Gegensätze, wie man sie sich nicht krasser vorstellen kann, sind heute wohl, trotzdem, die beiden hervorragendsten österreichischen Maler…

Egge Sturm-Skrla hat eine Reihe von Porträts ausgestellt, einige Landschaftsbilder und graphische Arbeiten. Alfons Walde ist mit schönen Winterbildern und einem guten Porträt Alfons Petzolds vertreten, F. A. Harta sandte eines seiner besten Bilder, Paris Gütersloh, Robert Philippi, Kitt und Dobrowsky, Böhler, Schütt, Kubin, Zülow, Lang hängen in guter Beleuchtung mit hier schon bekannten Arbeiten. Eine Sonderschau der beiden toten Meister Klimt und Schiele rundet das Gesamtbild der österreichischen Malerei harmonisch ab. Der Opfernde Abel, eine monumentale Bronzestatue Gustinus Ambrosis sieht im optischen Mittelpunkt der Ausstellung, seine fabelhafte Büste Mussolinis erregt das Aufsehen aller Besucher, und seine Arbeit Der Mann mit dem gebrochenen Genick gehört heute schon zum europäischen Kunstbesitz. Auch Wilhelm Frass ist mit einer ganz ausgezeichneten lebensgroßen Bildhauerarbeit vertreten: Der sterbende Krieger. Prof. Barwig hat einige kleinere meisterhafte Skulpturen ausgestellt und Bildhauer Josephu einige Akte.

Schließlich muß noch die Wiener-Gobelin-Manufaktur erwähnt werden, die den Ruf Österreichs im Auslande um vieles besser hebt, wie die fragwürdigen regierungsamtlichen Versicherungen. Und das ist ja auch der Weg ins Freie, der einzige, der für uns gangbar ist: Durch unsere Kunst die verloren gegangenen Pfade wieder aufzusuchen, durch die Werke unserer lebenden Künstler der Welt zuzurufen: Wir sind!“

In: Die Bühne (1925), H. 25, S. 29.

Schlagworte: Kunstausstellung, Gustinus Ambrosi, Max Oppenheimer, Anton Faistauer